Mit dem Handy Geld verdienen: Gefährliches Spiel oder ein ganz normaler Nebenjob?

Fotografieren und Geld verdienen: 5 unterschiedliche Wege
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Zahlreiche Undercover-Jobs laden zum Geld verdienen ein. Das Ganze hat jedoch einen Haken: Diese Jobs sind nicht ganz unproblematisch

Sie nutzen Ihr Handy mit verschiedenen Apps zum Geld verdienen? Dann sind Ihnen sicher auch die Jobs bekannt, bei denen es darum geht, Aufträge undercover durchzuführen. Da soll im Supermarkt beispielsweise erst einmal schnell das Käseregal, die Backtheke oder die Sonderplatzierung einer Promotion fotografiert werden, im Elektronikfachmarkt die Promotion zu einem neuen Computerspiel oder ein ganz bestimmtes Notebook-Modell einer bestimmten Marke bildlich dokumentiert werden. Zusätzlich dazu beinhalten solche Jobs meist auch die Aufgabe, einen mehr oder weniger umfangreichen Fragenkatalog abzuarbeiten.

Diese Art von Aufträgen lassen sich in den Apps bestimmter Anbieter wie beispielsweise Streetspotr oder ShopScout immer häufiger finden. Der Verdienst, der sich pro erledigtem Auftrag verdienen lässt, liegt in der Regel zwischen drei und zehn Euro. Für einen Job, der im Schnitt zwischen 15 bis 45 Minuten Undercover-Recherche in Anspruch nimmt, ein angemessener Verdienst, sollte man zumindest auf den ersten Blick meinen.

Das Ganze hat jedoch einen kleinen Haken

Als "Mystery-Jobber" Geld zu verdienen und dabei unerkannt zu bleiben – das ist nicht immer ganz einfach und kann sich auch als alles andere als unproblematisch herausstellen, so hat ein erst kürzlich von uns durchgeführter Jobtest gezeigt.

Auch viele Jobsuchende, die sich an uns wenden, sind sich scheinbar nicht ganz sicher, wie sie sich in dem Fall verhalten sollen, wenn sie bei der Durchführung eines solchen Mysteryjobs entdeckt werden. Denn jeder weiß, dass in Supermärkten oder Drogeriemärkten die Regale in den Gängen meistens so hoch sind, dass man in der Regel nicht über sie hinweg schauen kann. Und so kann es schnell einmal passieren, dass während der Untercover-Jobber mit dem "Fotoshooting" der Produkte in den Gängen beschäftigt ist, plötzlich ein Mitarbeiter des Unternehmens um die Ecke kommt und fragt, was denn bitte der (vermeintliche) Kunde dort mit seinem Handy fotografiert.

Wer in einem solchen Fall keine glaubwürdige Erklärung auf Lager hat, könnte sich schnell mit weiteren unangenehmen Fragen seitens des Personals konfrontiert sehen. Auch die Appbetreiber wissen um diesen Umstand und weisen in ihren Auftragsbeschreibungen vorsorglich darauf hin, dass man sich bei der Erledigung des Jobs möglichst unauffällig verhalten sollte, wie die beiden nachfolgenden Screenshots zeigen.

Screenshot aus einem Undercover-Auftrag aus der ShopScout-App
Screenshot aus einem Undercover-Auftrag aus der ShopScout-App

Screenshot aus einem Undercover-Auftrag aus der Streetspotr-App
Screenshot aus einem Undercover-Auftrag aus der Streetspotr-App

Solche Anweisungen haben ihren Grund, denn die Regeln sind recht deutlich. Kein Geschäft muss dulden, dass in seinen Innenräumen Fotos gemacht werden, denn damit wird das Hausrecht des Unternehmens verletzt.

Was sagen die Unternehmen? Unsere Nachfrage bei Edeka, Media Markt und der Drogeriekette dm

Wir wollten wissen, wie die Geschäfte selbst mit ihrem Hausrecht umgehen und was Ihnen möglicherweise passieren kann, wenn Sie bei einem solchen Undercover-Auftrag erwischt werden. Wir fragten also beim Elektronikfachmarkt Media Markt, beim Lebensmittelhändler Edeka und bei der Drogeriekette dm nach. Im Media Markt sagte man uns, dass Fotos innerhalb der Filiale nur gemacht werden dürften, wenn Sie sich zuvor eine schriftliche Genehmigung hierfür einholen. Unser Gesprächspartner wies weiterhin ausdrücklich darauf hin, dass Sie sogar eine Anzeige riskieren, wenn Sie vom Personal oder vom Sicherheitsdienst auf frischer Tat ertappt wurden und der Aufforderung zur Beendigung der Fotoaktion nicht Folge leisten.

Eine ähnliche Auskunft bekamen wir bei Edeka. Auch in den Filialen des Lebensmittelhändlers ist es nicht erwünscht, dass Fotos ohne Genehmigung angefertigt werden. Wenn Sie beim Fotografieren erwischt werden, sollten Sie damit rechnen, dass man Sie auffordern wird, den Laden umgehend zu verlassen.

Nach diesen beiden Gesprächen war die Antwort, die wir bei der Drogeriekette dm bekamen, völlig überraschend für uns. Denn hier wurde uns erklärt, dass, wenn Sie sich vor Ihrer Recherche an die Filialleitung wenden und kurz schildern würden, warum Sie Fotos machen möchten, Sie sehr wahrscheinlich die Erlaubnis hierfür bekommen würden.

Worst Case: Müssen Sie denn nun wirklich mit einer Anzeige rechnen?

Das wohl kaum. Denn in Zeiten von Facebook, Instagram, YouTube & Co. dürften sich Unternehmen wohl kaum noch darüber wundern, wenn in ihren Geschäften der ein oder andere Schnappschuss gemacht wird. Sei es, um sich einen Preis für ein bestimmtes Produkt zu merken, um einen Freund vor dem Kauf um Rat zu fragen oder um eine Bluse zu posten, die man gerade zu einem sensationellen Preis entdeckt hat. Außerdem verhält es sich doch inzwischen auch so, dass Unternehmen sich in vielen Fällen eher darüber freuen dürften, wenn über ihre Produkte in sozialen Netzwerken berichtet wird (teilweise wird für solche Posts ja auch eine Menge Geld bezahlt).

Was sagen die App-Betreiber? Unsere Nachfrage bei ShopScout

Doch auch die Appbetreiber sollten bezüglich der "Mystery-Problematik" zu Wort kommen – wir fragten also bei ShopScout in Berlin nach. Hier ging man sehr offen mit unserer Anfrage um und schon nach kurzer Zeit waren unsere Fragen schriftlich beantwortet. Wir bekamen die folgenden ausführlichen und für viele sicher auch hilfreichen Erklärungen zur Sachlage.

Unsere erste Frage lautete: "Was passiert, wenn man bei den Mystery-Aufträgen dabei "erwischt" wird, dass man gerade ein Foto schießt und der Mitarbeiter im Geschäft die Frage stellt, was man denn da gerade mache? Wie sollte man in einem solchen Fall am besten reagieren?"

Die Antwort von ShopScout liest sich wie folgt:

In so einem Fall empfehlen wir unseren "Scouts", den Mystery-Shopping-Auftrag nicht explizit zu erwähnen, da ansonsten der Sinn der Marktforschung und damit das Ziel des Auftraggebers verloren geht. Unser Tipp ist, plausible Gründe zu nennen, wie z.B: dass die Kaufentscheidung für ein bestimmtes Angebot zusammen mit dem Partner/ der Partnerin getroffen wird und zur Abstimmung ein Foto geschossen wird. Dennoch weisen wir darauf hin, dass bei einem entsprechenden Verbot, Fotoaufnahmen unverzüglich beendet werden müssen. Bei wiederholten Missachten des Verbots behalten sich einige Geschäft vor, Hausverbot zu erteilen.

Auf unsere zweite Frage "Ist es überhaupt erlaubt, Fotos in den Geschäften anzufertigen?" bekamen wir die folgende Antwort:

Bei Nutzung unserer App weisen wir die "Scouts" darauf hin, dass sie sich an die Hausordnung im Markt halten müssen. In einigen Geschäften ist die Aufnahme von Fotos nicht gestatten. Da die Nutzer nicht bei uns angestellt sind und wir ihnen gegenüber daher nicht weisungsbefugt sind, befinden die Nutzer sich in der Verantwortung der Hausordnung Folge zu leisten. Wir bieten den Nutzern eine Supportfunktion, in der sie solche Fälle melden können, damit wir entsprechend reagieren und diese Märkte ausschließen können. Allerdings hat es in den letzten Monaten keinen Fall gegeben, bei dem wir einen entsprechenden Hinweis erhalten haben. Wie zuvor geschildert, gehören auch häufig Händler zu den Auftraggebern, sodass auch die Märkte ein gewisses Eigeninteresse aufweisen.

Auf Mysteryjobs verzichten oder um jeden Preis Geld verdienen? Es gibt einen goldenen Mittelweg

Sollten Sie also lieber darauf verzichten, mit dieser Art von Jobs, die Ihnen in den Apps angeboten werden, Geld zu verdienen? Wer Spaß an diesen Undercover-Einsätzen hat, sollte sich diesen Nebenverdienst jetzt nicht zwingend entgehen lassen. Denn eigentlich sind solche Mikrojobs für viele Menschen eine viel zu gute Möglichkeit, um immer einmal wieder zwischendurch von unterwegs Geld zu verdienen.

Wer Mysteryjobs annimmt, sollte sich aber darüber im Klaren sein, dass, wenn es schlecht läuft, die Situation unangenehm werden könnte. Richtig peinlich wird es wahrscheinlich dann, wenn Sie einen Auftrag in einem Geschäft ausführen möchten, in denen Sie häufiger einkaufen und vielleicht sogar bestens bekannt sind. Denn wenn man Sie dort erwischt und zur Rede stellt, möchten Sie dort unter Umständen demnächst nicht mehr privat einkaufen.

Um diese Situation zu vermeiden, bietet es sich an, dass Sie sich bei Undercover-Aufträgen Geschäfte aussuchen, in denen Sie nicht regelmäßig einkaufen bzw. die nicht in Ihrer unmittelbaren Umgebung sind. Doch bedenken Sie dabei, dass es sich nicht lohnt, für die Erledigung eines einzelnen Auftrags weite Strecken zurückzulegen – zum einen verursacht dies Fahrtkosten und zum anderen kostet es Zeit. Insbesondere dann, wenn ein Auftrag wiederholt, also in verschiedenen Geschäften durchgeführt werden darf, kann sich eine etwas weitere Wegstrecke lohnen – dann lässt sich sogar eine Fahrtroute planen, die Sie von Job zu Job führt.

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