Geld verdienen als Fahrradkurier: Unser erstes "Jobber-Interview" aus dem Jahr 1999

Antonio Fusaro, Farradkurier und dreifacher Weltmeister im Ironman
Foto: © NEBENJOB-ZENTRALE

Antonio Fusaro, Weltmeister im 3-fachen Ironman und Fahrradkurier, war unser erster Interviewpartner in der Nebenjob-Zentrale.

Unser Gespräch aus dem Jahr 1999 ist zwar mittlerweile einige Jahre her, ist aber dennoch für all diejenigen, die als Fahrradkurier Geld verdienen möchten, ganz sicher immer noch spannend zu lesen. Antonio Fusaro war zum Zeitpunkt des Interviews 39 Jahre alt. Er kombinierte seine Tätigkeit als Fahrradkurier mit seinem damaligen Profisport „Ultra-Distance-Triathlon“.

Antonio, zunächst eine Frage zu Deinem Hobby – Du bist begeisterter Triathlet…

Durch meine Tätigkeit als Fahrradkurier in London bin ich 1993 in die Kreise der Triathleten in London gekommen.

Jährlich findet hier eine Wohltätigkeitsveranstaltung statt: Eine 100 km lange Radfahrt von London nach Brighton. Auch viele Fahrradkuriere nehmen an dieser Wohltätigkeitsveranstaltung teil. Hier sah ich zum ersten Mal eine „Triathlon-Maschine“, die einer der Teilnehmer (ebenfalls ein Fahrradkurier) besaß. Wir kamen ins Gespräch und unterhielten uns über die Sportler auf der Tour de France, über Marathonläufer etc.. Ich meinte, dass diese Sportler für mich wahre Übermenschen seinen. Nein, sagte mein Gesprächspartner, wer in London bei Wind und Wetter als Fahrradkurier tätig ist, der kann auch Triathlon machen.

Also versuchte ich es. Zunächst lernte ich die richtige Technik beim Laufen und Schwimmen. 1993 nahm ich an den ersten „kürzeren“ Wettbewerben teil und 1994 bestritt ich meinen ersten Iron-Man-Wettbewerb – mit sehr gutem Resultat. Ich spezialisierte mich also zunächst auf die Iron-Man-Wettbewerbe. In Grenoble nahm ich an einem 3-fach-Iron-Man teil. Auf dieser inoffiziellen Weltmeisterschaft bin ich auf Anhieb Vierter geworden. Zwei Monate darauf belegte ich bei der WM im 2-fach-Iron-Man den 3. Platz. 1997 nahm ich am 10-fachen Iron-Man teil (38 km Schwimmen, 1800 Km Radfahren, 422 km Laufen, unterwegs ist man mindestens acht Tage). 1998 wurde ich Weltmeister im 3-fachen Iron-Man.

Wie kamst Du auf die Idee, Fahrradkurier zu werden?

Von 1989 bis Mai 1998 habe ich in London gelebt und (zunächst) in der Gastronomie gearbeitet. Der Verdienst war aber relativ schlecht. Ich habe schon immer Spaß am Fahrradfahren gehabt. Als ich nun die Fahrradkuriere der Stadt sah, beschloss ich, mich auch als Fahrradkurier zu versuchen.

1991 habe ich also als Fahrradkurier in London angefangen – und das ohne Stadtkenntnisse. Die Verdienstmöglichkeiten waren sehr gut. Bis zum Mai 1998 bin ich dort tätig gewesen. Es hat mir richtig Spaß gemacht – es ist cool, in London Fahrradkurier zu sein.

Nun bist Du zurück in Deutschland und seit September 1998 in Hamburg als Fahrradkurier tätig. Was braucht man, um Fahrradkurier zu werden?

Zunächst einmal brauchte ich einen Gewerbeschein, da ich da man selbständig tätig bin. Weiterhin ist ein guter Orientierungssinn wichtig. Sportlichkeit ist sicherlich von Vorteil, aber nicht unbedingt Bedingung. Jeder sucht sich ja die Strecken selbst aus, die er übernehmen möchte, und dann wählt man eben die etwas kürzeren, anspruchsloseren.

Ein qualitativ gutes Fahrrad sollte man auch haben. Und professionelle Kleidung für jedes Wetter, ob Regen, Sonne, Schnee. Und dann – abhängig vom Kurierunternehmen, für das man fährt – sollte man noch die folgenden Startinvestitionen einkalkulieren: Einmalig ca. 200 DM für die Teilnahme am Funk. Das Funkgerät selbst wird gegen eine Kaution von z.B. 1.000 DM vom Kurierunternehmen gestellt. Oft benutzt man auch eine Tasche vom Kurierunternehmen (für z.B. 100 DM Kaution).

Was bringt besonders Spaß bei Deiner Tätigkeit als Fahrradkurier?

Es gibt eine Menge Gründe dafür, warum mein Job Spaß bringt. Zunächst vereinbart sich diese Tätigkeit super mit meinem Hobby, dem Profi-Sport. Dann natürlich der reine Spaß am Fahrradfahren. Ich fahre übrigens auch gern bei Regen, obwohl der Verkehr dabei etwas gefährlicher ist. Weiterhin der Punkt, dass ich selbständig bin und damit Entscheidungsfreiheiten habe, die ein Angestellter nicht hat.

Und da ich ein kontaktfreudiger Mensch bin, zählt für mich auch das Argument, , dass ich durch das Kurierfahren mit den verschiedensten Menschen Kontakt bekomme.

Wie organisierst Du Deine Tätigkeiten (den Sport und den Job)?

Ich stehe um fünf Uhr morgens auf und bereite mich auf meine sportlichen Wettkämpfe vor. Als Kurierfahrer habe ich einen festen Kundenstamm, für den ich jeweils zu feststehenden Zeiten am Tag fahre. Um diese festen Touren herum baue ich die Touren, die über Funk ausgerufen und verteilt werden. Ab acht Uhr geht es mit der Fahrtverteilung über den Kurierfunk los – um diese Zeit stelle ich also den Funk an.

Die Touren werden nicht zugeteilt, sondern der Fahrradkurier selbst meldet sich beim Funker, wenn er eine ausgerufene Tour übernehmen möchte. Harte Konkurrenz um die Touren besteht übrigens im Citybereich. Mit meiner Tätigkeit als Fahrradkurier verbringe ich circa siebeneinhalb bis acht Stunden am Tag.

Wie sind die Verdienstmöglichkeiten als Fahrradkurier?

Bei acht Stunden täglich fahre ich persönlich circa 250 DM (ohne Mehrwertsteuer) pro Tag ein. Das Minimum liegt bei 200 DM am Tag. Der Verdienst eines Fahrradkuriers hängt in erster Linie allerdings von jedem selbst ab.

Nimmst Du jede über Funk angebotene Tour an?

Nein, und dafür gibt es verschiedene Gründe: Zum einen bin ich als Selbständiger grundsätzlich völlig entscheidungsfrei.

Weiterhin weiß ich bei manchen Zielorten, die über Funk angebotenen werden, von vornherein, dass die Zielunternehmen schwer zu finden oder schwierig zu erreichen sind.

Hinzu kommt die Belegung der „Rückwege“: Wenn ich mich zu weit vom Zentrum entferne, kann es unter Umständen schwierig werden, eine Tour für den Rückweg zu bekommen, so dass ich entlegene Touren nicht unbedingt annehme. Und ein weiterer Grund ist, dass ich für ganz bestimmte Kunden nicht fahre

Was bringt die Zukunft?

Solange meine Knochen noch mitmachen, die Auftragslage so gut bleibt und auch Herr Lafontaine uns Fahrradkurieren keine Knüppel zwischen die Beine schmeißt, mache ich mit viel Spaß weiter.

Kannst Du zum Abschluss noch eine kleine Geschichte oder Anekdote erzählen?

Oh ja, da fällt mir etwas Gutes ein, was ich während meiner Tätigkeit in London erlebte: Hier muss jede Sendung vom Empfänger quittiert werden. Ich hatte eine Sendung für einen amerikanischen Fotografen, der in einem vornehmen Hotel auf mich wartete. Er hatte es sehr eilig, denn er musste unbedingt zum Flughafen. Ich übergab ihm die Sendung und bat ihn, auf meinem Quittungsblock (auf dem oben mein Name, also „Antonio Fusaro“, eingedruckt war) zu unterschreiben und so den Erhalt zu bestätigen. Der Fotograf unterschrieb mit „Antonio Fusaro“. Ich fand den Spaßvogel gar nicht witzig, denn auch ich hatte es eilig. Also forderte ihn nochmals auf, dieses Mal mit seinem Namen zu unterschreiben. Daraufhin holte er seinen Pass hervor und – er hatte bereits richtig unterschrieben, denn sein Name war ebenfalls Antonio Fusaro. Übrigens bekam ich für diese Tour ein gutes Trinkgeld...

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