Es gibt immer mehr Beschäftigte mit einem Minijob in Hamburg: Katja Karge, DGB-Chefin in der Hansestadt, wünscht sich eine Anlaufstelle für Minijobber und Arbeitgeber, ein rasches Umdenken und eine gesetzliche Neuregelung

Das ist doch mal eine Ansage. Im neuen Minijob-Report des DGB Hamburg fallen Sätze wie „Ein großer Teil der Minijobber hat von Rechten, Pflichten und Folgen dieser Beschäftigungsform keine Ahnung“ und „Minijobs sind keine Brücken in reguläre Beschäftigungen, sondern führen in die Job-Sackgasse“. Weiter ist zu lesen, dass Minijobs zu Minirente führen – und damit direkt in die Altersarmut. Solche Statements dürften den ein oder anderen unter den Millionen von Minijobbern aufhorchen lassen; es scheint Aufklärungsbedarf zu bestehen. Entsprechend kommt Katja Karge, Hamburgs DGB-Vorsitzende, zu dem Schluss, dass in Hamburg eine Anlaufstelle für Minijobber und Arbeitgeber von Minijobs eingerichtet werden soll.

Der Minijob in Hamburg – Zahlen und Fakten

Der im April 2018 veröffentliche Minijob-Report dokumentiert unter anderem, dass sich in der Hansestadt die Zahl derjenigen, die einer geringfügigen Beschäftigung nachgehen, in den letzten 20 Jahren fast verdoppelt hat. Seit 2003 ist die Zahl der Beschäftigten mit Minijob in Hamburg demnach um satte 48 Prozent auf nunmehr (Stand 2017) rund 177.000 Menschen nach oben geschnellt.

60 Prozent, also rund 106.000 Menschen üben außer einem Minijob keine weitere Beschäftigung aus. Ein bemerkenswertes Ergebnis der Studie ist zudem, dass die Hälfte dieser (wir nennen sie einmal) „Ausschließlich-Minijobber“ zwischen 25 und 64 Jahre alt ist. Im Umkehrschluss heißt das, dass es sich bei rund 55.000 Hamburger Minijobbern um Jugendliche bzw. junge Erwachsene handelt oder dass sie bereits im Rentenalter angekommen sind.

Die Entwicklung betrifft wohl nicht nur die Minijobs in Hamburg

Es liegt nahe, dass von diesem enormen Anstieg, den die Minijobs in Hamburg in den vergangenen 20 Jahren durchlaufen haben, auch andere Städte in Deutschland betroffen sein dürften. Kaum jemandem, der sich mit dem Thema Arbeitsmarkt beschäftigt, kann entgangen sein, dass die Zahl der Menschen mit Minijob in den vergangenen Jahren nur eine Richtung kannte – und zwar steil nach oben.

Es gibt viel zu tun in der Hansestadt – auch für Minijobber

Was viele Jobsuchende in Hamburg durchaus freuen könnte, nämlich, dass sie in der Hansestadt schnell und unkompliziert einen Minijob finden können, ist für den DGB durchaus beunruhigend. Und so startet der Gewerkschaftsbund in Hamburg das ambitionierte und durchaus auch lobenswerte Vorhaben, eine Minijob-Beratungsstelle in Hamburg einzurichten. Zudem möchte der DGB diese Form der Beschäftigung eindämmen und so fordert Katja Karger unter anderem, dass Minijobs ab dem ersten Euro in die Sozialversicherung einbezogen werden sollen.

Wer einen Minijob in Hamburg sucht, findet im Einzelhandel fast unzählige Stellenangebote

Zu den Top-Minijobbranchen in Hamburg zählt laut DGB-Report der Einzelhandel mit mehr als 23.000 Minijobs. Wer daran Zweifel hat, kann sich einmal auf den Weg durch die Top-Einkaufsstraßen in Hamburg machen: Allein in der Mönckebergstraße und der parallel verlaufenden Spitalerstraße gibt es wohl kaum einen Einzelhändler, der in den letzten Jahren nicht bereits mit Minijobbern gearbeitet hätte – und das zeigt sich auch an den vielen Stellenangeboten, die dort regelmäßig in den Schaufenstern und Eingangsbereichen zur Schau gestellt werden.

Wir selbst haben auf unseren regelmäßigen Jobtouren in Hamburg feststellen können, dass kein Jobsuchender Schwierigkeiten haben dürfte, zwischen Hauptbahnhof und Rathausmarkt (und in den vielen anderen Einkaufsstraßen und Einkaufspassagen) einen passenden Minijob in Hamburg zu finden. Hier einige Beispiele, wie Unternehmen auf offene Minijobs aufmerksam machen:

H&M

Stellenangebot bei H&M
Stellenangebot bei H&M: Sales Advisor gesucht (Foto: © NEBENJOB-ZENTRALE)

C&A

Minijob-Stellenangebot bei C&A
Aushilfe für Kasse und Verkauf gesucht (Foto: © NEBENJOB-ZENTRALE)

New Yorker

Nebenjob-Stellenangebot bei New Yorker in Hamburg
Aushang im Eingangsbereich einer New Yorker Filiale mit verschiedenen Stellenangeboten (Foto: © NEBENJOB-ZENTRALE)

Esprit

Stellenangebot bei Esprit in Hamburg
Mitarbeiter zur Unterstützung im Store bei Esprit gesucht (Foto: © NEBENJOB-ZENTRALE)

Zara

Stellenangebot bei Zara
Stellenangebot für Teilzeit-Mitarbeiter in einer Zara Filiale in Hamburg

Nike

Stellenangebot bei Nike
Stellenangebot direkt neben dem Eingang des Nike Stores in der Spitalerstraße in Hamburg (Foto: © NEBENJOB-ZENTRALE)

Snipes

Stellenangebot für eine Aushilfe
Dieser Jobaushang war direkt neben dem Eingang zu einer Snipes Filiale angebracht. Wer Interesse an dem Job hatte, wurde gebeten, sich an das Team im Store zu wenden (Foto: © NEBENJOB-ZENTRALE)

Adidas

Stellenangebot im Adidas-Store mit einem Minijob in Hamburg
Aufsteller mit Nebenjob-Stellenangeboten für Verkäufer und als Lageristen bei Adidas (© NEBENJOB-ZENTRALE)

Viele weitere Beispiele für Minijob-Stellenangebote finden Sie in unseren Beiträgen zu unseren Jobtouren vor Ort.

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