Mindestlohn und Nebenjob

Mindestlohn
Foto: © NEBENJOB-ZENTRALE

Welche Auswirkungen hat der gesetzliche Mindestlohn auf Minijobs, Schülerjobs, Ferienjobs oder Praktika?

Seit dem 1. Januar 2015 gibt es in Deutschland den gesetzlichen Mindestlohn – und spätestens seit diesem Datum haben Arbeitnehmer Anspruch auf eine Entlohnung von mindestens 8,50 Euro brutto pro Stunde. Der Mindestlohn muss übrigens nicht nur den Nebenjobbern im gewerblichen Bereich, sondern auch all denjenigen, die als Minijobber in Privathaushalten arbeiten, gezahlt werden.

Leider jedoch gibt es ein paar echte Wermutstropfen für einige Nebenjobber – insbesondere wenn Sie zur Gruppe der minderjährigen Jugendlichen zählen, zu den Zeitungsausträgern gehören oder Langzeitarbeitsloser sind. Denn unter anderem für diese Personengruppen gibt es Ausnahmeregelungen: Sie haben überhaupt keinen oder (bestenfalls) nicht sofortigen Anspruch auf Zahlung des Mindestlohns.

In diesem Artikel haben wir zusammengefasst, was Sie zum Thema Minijob und Mindestlohn wissen sollten.

Was können Sie tun, wenn Ihr Arbeitgeber den Mindestlohn nicht bezahlen will?

Zunächst einmal sollten Sie das Gespräch mit Ihrem Arbeitgeber suchen und ihn darauf hinweisen, dass er seit dem 1. Januar 2015 gesetzlich verpflichtet ist, seinen Angestellten den Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro zu bezahlen. Diese Gehaltszahlung steht bis auf wenige Ausnahmen jedem Arbeitnehmer zu - und das gilt ausdrücklich auch für Minijobs.

TippDas Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat unter der Telefonnummer 030/60 28 00 28 eine Mindestlohn-Hotline eingerichtet. Von Montags bis Donnerstags werden dort zwischen 8 und 20 Uhr Ihre Fragen beantwortet.

Falls Ihr Arbeitgeber sich daraufhin immer noch dagegen sperrt, Ihr Gehalt auf 8,50 Euro brutto anzuheben, können Sie sich an das Bürgertelefon des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales wenden. Dort werden Ihnen Tipps gegeben, wie Sie weiter vorgehen können. Es ist übrigens auch möglich, dass Ihr Hinweis dazu führt, dass Ihr Arbeitgeber von offizieller Stelle auf seine Verpflichtung zur Zahlung des Mindestlohnes hingewiesen wird.

Wichtig Ihre Angaben werden anonym behandelt. Sie brauche keine Angst zu haben, dass Ihr Arbeitgeber davon erfährt, dass Sie es waren, der auf ihn aufmerksam gemacht hat.

Wenn der Mindestlohn ein Bruttolohn ist, was muss dann bei Minijobs mindestens netto ausgezahlt werden?

Wenn Ihr Arbeitgeber damit argumentiert, dass er an Sie als Minijobber nur 7,50 Euro auszahlt, weil Ihr Gehalt inklusive der anfallenden Pauschalabgaben (für Krankenversicherung, Rentenversicherung und Steuern) brutto eigentlich weit über 10 Euro pro Stunde liege und er Sie deshalb weit über dem Mindestlohn bezahle, ist das absolut nicht korrekt.

Zwar handelt es sich bei dem Mindestlohn um eine Brutto-Gehaltsvorgabe. Bei einem Minijob sind die Abzüge für Sozialabgaben und Steuern dennoch äußerst gering. Sofern die Lohnsteuer pauschal berechnet wird (dies also nicht unter Vorlage einer Lohnsteuerkarte erfolgt), darf Ihr Arbeitgeber die pauschale Lohnsteuer in Höhe von 2 % auf Sie umlegen (übrigens machen nur wenige Arbeitgeber machen von diesem Recht Gebrauch, viele Chefs verzichten darauf). Bei einem Stundenverdienst von 8,50 Euro brutto macht die Pauschalsteuer 17 Cent aus.

Wenn Sie als Arbeitnehmer außerdem den Pauschalbeitrag Ihres Arbeitgebers zur Rentenversicherung (15 %) auf den gesetzlichen Rentenversicherungsbeitrag in Höhe von 18,7 % aufstocken, wird Ihnen dieser Differenzbetrag vom auszuzahlenden Gehalt abgezogen. Bei 8,50 Euro Stundenverdienst entspricht der von Ihnen zu tragende Anteil an der Rentenversicherung 31 Cent. Ihr Arbeitgeber darf also von 8,50 Euro nicht mehr als 48 Cent abziehen, so dass Sie mindestens 8,02 Euro pro Stunde ausbezahlt bekommen müssen.

WichtigAußer der Pauschalsteuer dürfen keine weiteren Pauschalbeiträge für Minijobs auf den Arbeitnehmer abgewälzt werden: Die Pauschalabgaben zur Sozialversicherung sind allein Sache des Arbeitgebers und müssen entsprechend von ihm allein getragen werden.

Können Sonderzahlungen wie Urlaubsgeld oder Weihnachtsgeld bzw. Zuschläge wie z.B. für Nachtarbeit oder Sonntagsarbeit auf den Mindestlohn angerechnet werden?

Zu diesem Thema hat das Bundesarbeitsgericht Ende Mai 2016 ein Urteil gefällt. Unter bestimmten Voraussetzungen dürfen Sonderzahlungen auf den Mindestlohn angerechnet werden, nicht aber Zuschläge für besondere Arbeitszeiten. Hintergrundinfos zum Urteil lesen Sie im Artikel: Mindestlohn und Sonderzahlungen – wie sieht's damit im Nebenjob aus?

Vorsicht, wenn der Mindestlohn dazu führt, dass Sie in Ihrem Minijob mehr als 450 Euro im Monat verdienen

Tatsächlich gibt es Fälle, in denen der Minijob durch den Mindestlohn gefährdet werden kann. Wenn Sie bereits jetzt 8,50 Euro oder mehr verdienen, ändert sich für Sie nichts.

Falls Sie zurzeit jedoch noch unter 8,50 Euro pro Stunde verdienen, damit aber monatlich auf einen Gesamtverdienst von 450 Euro kommen, sollten Sie aufpassen. Denn Sie haben den Maximalverdienst für einen 450-Euro-Minijob bereits erreicht und damit wird die Anhebung des Stundenlohns dazu führen, dass Ihr Job nun nicht mehr sozialversicherungsfrei ist. Somit könnte es passieren, dass Sie am Monatsende unterm Strich weniger ausgezahlt bekommen als zuvor.

Eine mögliche Lösung für dieses Problem könnte darin bestehen, dass Sie in Rücksprache mit Ihrem Arbeitgeber Ihre Arbeitsstunden reduzieren, so dass Sie auch nach Anpassung des Stundenverdienstes monatlich nicht mehr als 450 Euro verdienen.

Prüfen Sie also, ob Sie durch eine Gehaltserhöhung bei gleichbleibender Arbeitszeit eventuell mehr als 450 Euro monatlich verdienen – und passen Sie gegebenenfalls (und falls möglich) Ihre Arbeitszeit entsprechend an.

Eine wichtige Ausnahmeregelung betrifft Jugendliche unter 18: Schüler mit Minijob oder Ferienjob erhalten keinen Mindestlohn

Auch beim Thema Mindestlohn gilt: Keine Regel ohne Ausnahmen. Für Auszubildende und minderjährige Jugendliche wird der der Mindestlohn von 8,50 Euro nicht gelten. Die Bundesarbeitsministerin begründet diese Ausnahmeregelung mit dem Argument, dass sich Jugendliche, die noch keine Ausbildung begonnen haben, sich durch das durch den Mindestlohn mögliche Brutto-Monatsgehalt in Höhe von rechnerisch rund 1.450 Euro (bei einer 40-Stunden-Woche) dazu verleiten lassen könnten, gänzlich auf eine Ausbildung zu verzichten und gleich ungelernt in einen Job mit Mindestlohn einzusteigen.

Anders wiederum sieht es aus für Jugendliche unter 18 Jahren, die bereits eine Ausbildung erfolgreich hinter sich gebracht haben: Für diese Gruppe ist der Mindestlohn bindend.

Zeitungsausträger, Azubis, Langzeitarbeitslose etc: Weitere Ausnahmen und Übergangsfristen

  • Auszubildende sind (zumindest im Rahmen ihres Ausbildungsverhältnisses) grundsätzlich vom Mindestlohn ausgenommen. Damit soll verhindert werden, dass Ausbildungsplätze wegfallen.
  • Gleiches gilt für ehrenamtlich Tätige - hier stehen materielle Interessen nicht im Vordergrund - zumindest sollten sie es nicht.
  • Für Zeitungszusteller gelten Übergangsregelungen: Für diese Berufsgruppen wird der Mindestlohn erst stufenweise bis 2017 eingeführt.
  • Auch Langzeitarbeitslose erhalten erst mit zeitlicher Verzögerung den gesetzlichen Mindestlohn: Wer länger als 12 Monate arbeitslos war, dessen Gehalt darf während der ersten sechs Monate einer Beschäftigung unter dem Mindestlohn liegen
  • Auch wer ein Praktikum macht, hat nur in Ausnahmefällen Anspruch auf den Mindestlohn. Denn Pflichtpraktika, die begleitend zu Schule, Ausbildung oder Studium gemacht werden sind ebenso vom Mindestlohn ausgenommen wie freiwillige Praktika, die im Rahmen von Ausbildung oder Studium absolviert werden und maximal drei Monate lang dauern. Bei freiwilligen Praktika, die über einen längeren Zeitraum gehen, besteht dagegen nach Ansicht der Bundesregierung vom ersten Tag an Anspruch auf den Mindestlohn.
  • Außerdem gibt es Branchen, die einen eigenen Mindestlohn (der unter 8,50 Euro liegen kann) in ihrem Tarifvertrag vereinbart haben - hierzu zählen beispielsweise das Friseurhandwerk, Betriebe der Land- und Forstwirtschaft, Wäschereien oder auch die Fleischwirtschaft. Solche tarifvertragliche Regelungen gelten übergangsweise weiter bis 2017, aber spätestens bis zum 1. Januar 2017 muss auf in diesen Fällen der branchenspezifische Mindestlohn bei mindestens 8,50 Euro liegen.

Bleibt es jetzt dauerhaft bei einem Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro?

Nein, die Höhe des Mindestlohns ist nicht unumstößlich. Alle zwei Jahre wird der flächendeckende Mindestlohn durch eine Mindestlohnkommission, die sich aus Vertretern von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zusammensetzt, neu festgesetzt werden.

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