Auf den ersten Blick sind Sonderzahlungen ja etwas Schönes, aber…

Sonderzahlungen wie beispielsweise Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, Jubiläumsgeld oder ähnliches stehen grundsätzlich auch Teilzeitbeschäftigten zu, wenn auch nur anteilig. Denn unabhängig davon, ob Nebenjob, Halbtagsjob oder Fulltime-Beschäftigung: Kollegen müssen gleich behandelt werden und dürfen nicht diskriminiert werden.

Doch was auf den ersten Blick Anlass zur Freude geben könnte, kann sich unterm Strich sogar als äußerst ungünstig herausstellen. Denn der finanzielle Nachteil, den Sie unter Umständen zu erwarten haben, wenn Sie eine Sonderzahlung erhalten, ist mitunter groß.

Aber auch, wenn Sie nun eigentlich auf das Ihnen eigentlich zustehende Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld oder ähnliches verzichten möchte, lösen Sie damit das Problem nicht. Lesen Sie hier, worauf Sie bei Sonderzahlungen in Ihrem Nebenjob achten sollten.

  1. Nebenjob und Weihnachtsgeld:  In diesem Fall kann es teuer werden
  2. Verzicht auf die Sonderzahlung: Auf den Anspruch kommt es an
  3. Lösung: Arbeitseinsatz und damit das monatliche Einkommen reduzieren

Nebenjob und Weihnachtsgeld: In diesem Fall kann es teuer werden

Grundsätzlich können Sie, wenn Sie geringfügig entlohnt beschäftigt sind, monatlich im Durchschnitt bis zu 450 Euro verdienen, ohne sozialabgabenpflichtig zu sein

Der Arbeitgeber führt lediglich 15 Prozent des Arbeitsentgeltes pauschal an die Renten- und 13 Prozent an die Krankenversicherung ab. Daneben zahlt der Arbeitgeber eine einheitliche Pauschalsteuer in Höhe von zwei Prozent auf das Arbeitsentgelt. Sie als Arbeitnehmer im Minijob bekommen also „brutto für netto“.


Doch das kann auch anders aussehen. Nämlich dann, wenn Teilzeitkräften (also auch Ihnen mit Ihrem Nebenjob) Sonderzahlungen wie beispielsweise Urlaubsgeld oder Weihnachtsgeld zustehen. Diese erhöhen das monatliche Entgelt anteilig und die 450-Euro-Grenze kann dadurch überschritten werden. Das Arbeitsverhältnis wird in der Folge sozialversicherungspflichtig und Sie als Arbeitnehmer müssen Steuern entrichten. Unterm Strich kann sich eine Sonderzahlung also finanziell nachteilig auswirken.

Berechnungs-Beispiel, wann sich die Zahlung von Weihnachtsgeld schädlich auf Ihren 450-Euro-Job auswirkt

Sie erhalten in Ihrem Nebenjob zwölf Monate ein Arbeitsentgelt in Höhe von 450 Euro. Im Dezember kommt zusätzlich zum Grundverdienst ein Weihnachtsgeld in Höhe von 150 Euro hinzu:

Monatlicher Grundverdienst (12 Monate) 5.400 EUR
Weihnachtsgeld 150 EUR
Jahreseinkommen 5.550 EUR
: 12 Monate
= monatlicher Durchschnittsverdienst 462,50 EUR

Bedingt durch die Sonderzahlung liegt der monatliche Durchschnittsverdienst also über der Grenze von 450 Euro – damit wird das Einkommen sozialversicherungspflichtig und steuerpflichtig. Sie müssen Ihr Gehalt unter Vorlage einer Lohnsteuerkarte versteuern und der Grundsatz „brutto für netto“ ist damit leider aufgehoben.

Dürfen Sie auf die Sonderzahlung verzichten? Auf den Anspruch kommt es an!

Um einen finanziellen Nachteil zu vermeiden: Wie sieht es mit der Möglichkeit aus, dass Sie freiwillig auf die Sonderzahlung zu verzichten?

Könnten Sie auf diesem Weg vermeiden, dass Ihr Nebenjob versicherungspflichtig wird?

So einfach wie es vielleicht klingen mag, ist es mit dem Verzicht auf Sonderzahlungen nicht.

Die Sozialversicherungsträger gehen selbst dann von einer Versicherungspflicht aus, wenn Sonderzahlungen wie Urlaubsgeld oder Weihnachtsgeld nicht gezahlt wurden. Denn es kommt allein auf den Anspruch – beispielsweise durch eine Regelung im Tarifvertrag an – und eben nicht auf die tatsächliche Zahlung.

Der Europäische Gerichtshof geht sogar noch weiter. Denn steht laut Tarifvertrag nur Vollzeitarbeitskräften eine Sonderzahlung zu, gilt das nach Auffassung des Gerichtshofes anteilig auch für Beschäftigte in Teilzeit und damit auch im Nebenjob.


Ein Verzicht auf Sonderzahlungen ist also nicht ohne weiteres möglich. Was können Sie tun? Reduzieren Sie Ihren Arbeitseinsatz, wie unter dem letzten Punkt beschrieben.

Lösung: Reduzieren Sie den Arbeitseinsatz und damit das monatliche Einkommen

Auch wenn Sie aus Gründen der Gleichbehandlung nicht einfach auf eine Sonderzahlung verzichten können, gibt es eine Lösung

Die Sozialversicherungs- und Steuerpflicht können Sie nur umgehen, wenn Sie die Anzahl der Arbeitsstunden so reduzieren, dass das monatliche Entgelt zuzüglich der Sonderzahlungen durchschnittlich 400 Euro pro Monat nicht übersteigt.

Beispiel zum monatlichen Grundverdienst + Sonderzahlung

Besteht also am Ende des Jahres ein Anspruch auf 150 Euro Weihnachtsgeld, müssen Sie die Arbeitsstunden so weit herunterschrauben, dass Ihr monatliches Grundeinkommen aus dem Nebenjob bei lediglich 437,50 Euro liegt.

Monatlicher Grundverdienst (12 Monate) 5.250 EUR
+ Weihnachtsgeld 150 EUR
= Jahreseinkommen 5.400 EUR
: 12 Monate
= monatlicher Durchschnittsverdienst 450 EUR

„Nicht freiwillige“ Sonderzahlungen und Gewohnheitsrecht

Die zuvor geschilderten Beispiele beziehen sich nicht nur auf den Anspruch eines Weihnachtsgeldes. Diese Regelungen gelten auch für alle anderen Sonderzahlungen, die vom Arbeitgeber nicht „freiwillig“, sondern vielmehr auf Grund eines Vertrages oder des Gewohnheitsrechts geleistet werden.

Gewohnheitsrecht entsteht bereits nach drei vorbehaltlosen Zahlungen. Steht im Vertrag allerdings, dass Sonderzahlungen jedes Jahr unter Vorbehalt gezahlt werden, entfällt das Gewohnheitsrecht.

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