Vom Banker zum Bruzzler

Ein ehemaliger Banker sorgt seit einigen Wochen mit seinem neuen Job für Schlagzeilen. Thomas Brauße, ein erfolgreicher Investmentbanker, verlor in der Finanzkrise seinen Job und verwirklichte eine Idee, die ihm bereits in seinen aktiven Bankerzeiten gekommen war: Er betreibt seit kurzem einen Imbissstand, oder besser gesagt: Imbissbus, mitten im Frankfurter Bankenviertel und versorgt von der „Frankfurter Worscht-Börse“ aus (nicht nur) seine ehemaligen Kollegen mit Currywurst und Pommes.

Vom Banker zum Würstchengriller: Was als Nebenjob geplant war, wurde quasi über Nacht zur Vollexistenz

Der Frankfurter war gelernter Banker und hatte bis dato keine Ahnung von der Gastronomie – das zeigt, dass auch „Quereinsteiger“ mit einer guten Idee eine Chance haben. Die Idee, einen Imbiss zu betreiben, hatte Brauße bereits vor Jahren – allerdings war das ganze quasi als Nebenjob – eben als 2. Standbein – geplant. Nun ist aus dem Wunsch von damals Wirklichkeit geworden. Ein guter Freund aus der Gastronomiebranche stand dem Neu-Unternehmer mit Rat und Tat zur Seite und– was wahrscheinlich Gold wert war – er hatte aus alten Bankerzeiten noch die Telefonnummer des Besitzers des Grundstückes, auf welchem heute sein Imbissbus platziert ist.

Imbissstand mit gehobener Ausstattung

Der Imbiss-Bus steht inmitten der Wolkenkratzer im Frankfurter Bankenviertel und ist die Anlaufstelle für alle, die sich in der Mittagspause etwas Handfestes gönnen möchten. Dennoch ist der Imbiss von Thomas Brauße nicht unbedingt das, was man sich unter einer Würstchenbude vorstellt – alles ist etwas edler. Bei der „Frankfurter Worscht-Börse“ handelt es sich um einen 11 Meter langen Linienbus, den der Existenzgründer auf eBay ersteigert hat. Anschließend wurde der Bus mit einer professionellen Küche ausgestattet und von außen mit Aluminium verkleidet. Die Gäste machen es sich auf einem Holzpodest bequem, auf welchem Biertische und Bänke aufgebaut sind – auch geschmackvolle Sonnenschirme fehlen nicht an der Ausstattung.

Geld verdienen mit einem Imbiss – ist das ganze tatsächlich so einfach?

Sicher haben in der Vergangenheit schon viele derjenigen, die auf der Suche nach einem Nebenjob oder einer Geschäftsidee sind, auch darüber nachgedacht, sich mit einem Imbiss oder Kiosk selbstständig zu machen. Denn wenn die Lage, die Qualität der angebotenen Waren und der Service stimmt, kann sich ein solches Projekt durchaus zum Geld verdienen eignen – mancherorts ist daraus sogar eine Goldgrube geworden. Die Aussage „Essen und Trinken geht immer“ ist gar nicht so falsch.

Nachgefragt bei der Handelskammer und beim Ordnungsamt

Die Artikel über Thomas Brauße machten uns neugierig und wir wollten wissen, ob es tatsächlich so einfach ist, mitten in der Großstadt einen Imbiss zu eröffnen, wie es die Geschichten über den Frankfurter vermuten ließen.

Als erstes erkundigten wir uns bei der Handelskammer in Frankfurt. Hier sprachen wir mit Frau Reichert, die so freundlich war, uns einige Grundsätzlichkeiten zu erklären. Natürlich können Sie einen festen Verkaufsplatz nicht einfach irgendwo, wo es Ihnen passt, hinstellen und loslegen. Neben allen anderen zu klärenden Dingen ist sicherlich die Schlüsselfrage, wo Sie sich platzieren dürfen und was Sie dieser Standort kostet. Und diese Standortfrage, so erklärte uns Frau Reichert weiter, wird durch das jeweils zuständige Ordnungsamt geklärt.

Also fragten wir beim Ordnungsamt in Frankfurt nach. Dort bestätigte uns Herr Schauer, dass tatsächlich eines der größten Hindernisse bei der Eröffnung eines Imbissstandes der geeignete Standort ist. Die Schwierigkeit bestehe darin, einen geeigneten Platz zu finden und anschließend die bau- und gewerberechtlichen Vorschriften abzuklären bzw. einzuhalten. Bei der Standortfindung bestehen grundsätzlich zwei Möglichkeiten, sagte uns Herr Schauer. Der einfachere Weg wird sicherlich der sein, sich für einen Standort zu entscheiden, der sich auf Privatgelände befindet. In diesem Fall ist eine Einigung mit dem Eigentümer erforderlich. Als alternative Möglichkeit bietet sich ein Standort auf öffentlicher Fläche an – allerdings ist die Umsetzung hierbei unter Umständen schwieriger, da häufig keine Genehmigungen mehr erteilt werden. Denn Standorte in guter Lauflage sind kaum noch zu finden, da hier häufig bereits genügend Gastronomie vorhanden ist.

Aber auch, nachdem die Standortfrage geklärt ist, gibt es weiteren  Klärungsbedarf, bevor Sie loslegen können – so beispielsweise die Einholung der erforderlichen Baugenehmigungen, Konzessionen etc. , fügte Herr Schauer abschließend hinzu.

Unser Fazit zur Gründung eines Imbissstandes

Die Umsetzung eines solchen Vorhabens ist also komplexer, als es auf den ersten Blick erscheinen mag und sicherlich nicht ganz einfach. Dennoch zeigt das Beispiel von Thomas Brauße, dass, wer eine gute Idee hat, auch vermeintlich schwierige Vorhaben kreativ und erfolgreich in die Tat umsetzen kann.

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