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Sozialerhebung: Studium ja – aber nicht ohne Nebenjob

Von Nebenjob am 12-07-2018
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Im vergangenen Jahr veröffentlichte das Deutsche Studentenwerk (DSW) die inzwischen 21. Ausgabe der Sozialerhebung zur wirtschaftlichen und sozialen Lage von Studierenden in Deutschland. Die Ergebnisse nach den Auswertungen von mehr als 55.000 Datensätzen: Studieren wird teurer, eine Erwerbstätigkeit neben Lehrveranstaltungen und Selbststudium immer dringlicher.

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Der Stand der Dinge

Seit 1951 führt das DSW in regelmäßigen Abständen seine Erhebung durch, die aktuelle 21. Sozialerhebung umfasst Daten aus dem Sommersemester 2016. So lässt sich die Situation von Studierenden mittlerweile über Generationen hinweg vergleichen, während außerdem aktuelle Entwicklungen dargestellt werden können. Die behandelten Themengebiete sind dabei sehr vielfältig, abgefragt werden im Grunde genommen alle Facetten, die das studentische Leben ausmachen.

Dazu gehören selbstverständlich auch die Fragen, wie das Studium und der Lebensunterhalt ganz allgemein überhaupt finanziert werden, wie es um die Erwerbstätigkeit der Studenten bestellt ist und wie diese mit dem Zeitaufwand für das Studium vereinbart werden kann. Berücksichtigt werden aber auch die Wohnsituation, gesundheitliche Aspekte, das Studium mit einem Kind sowie die generelle soziale Zusammensetzung der Studierenden in Deutschland (immerhin sind das inzwischen rund 2,25 Millionen) und die Möglichkeiten, Zugang zur Hochschulbildung zu erhalten.

Alles in allem ergibt sich durch die Sozialerhebungen ein recht genaues und detailliertes Bild von der Lebenssituation der Studenten innerhalb des deutschen Hochschulsystems. Hier soll es in erster Linie um die Resultate rund um die Studienfinanzierung und die studentische Erwerbstätigkeit gehen.

 

Haben und Soll

Wie viel braucht ein Student zum Leben? Das ist natürlich keine so leicht zu beantwortende Frage, weil schon die grundsätzlichen Lebenshaltungskosten sehr vom Wohnort und nicht zuletzt von den persönlichen Bedürfnissen abhängt. Dennoch gibt die Düsseldorfer Tabelle (hier die aktuelle Ausgabe für das Jahr 2018) einen ersten Anhaltspunkt darüber, wie hoch ein „angemessener Gesamtunterhaltsbedarf“ für einen Studierenden ausfallen darf, der nicht mehr bei seinen Eltern wohnt. Die Antwort laut Tabelle auf die eingangs gestellte Frage: 735 Euro monatlich, inklusive eines Anteils von 300 Euro, von dem Miete, Nebenkosten und Heizung bestritten werden sollen.

Die gute Nachricht vorweg: Die Sozialerhebung zeigt auf, dass den Studierenden im Durchschnitt deutlich mehr Geld zur Verfügung steht. Die Einnahmen liegen bei durchschnittlich 918 Euro, was im Vergleich zum Sommersemester 2012 eine Steigerung von 76 Euro bedeutet. Hält man dazu die Entwicklungen an, die der Verbraucherpreisindex in diesen vier Jahren zwischen den Befragungen durchlaufen hat, steht am Ende immer noch ein realer Zuwachs der Einnahmen um sechs Prozent.

Folgende Punkte dürfen dabei aber nicht übersehen werden:

  • Der Höchstsatz für finanzielle Unterstützung nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) ist erst kürzlich den Einschätzungen der Düsseldorfer Tabelle angeglichen worden. Im Sommersemester 2016 erhielten Studierende maximal 670 Euro im Monat.
  • Die Höhe der Einnahmen variiert stark nach verschiedenen Regionen. Der Unterschied zwischen westdeutschen (im Durchschnitt 930 Euro) und ostdeutschen (im Durchschnitt 839 Euro) Ländern ist erheblich – auch wenn gerade in den ostdeutschen Bundesländern ein stärkerer Anstieg der Einnahmen zu verzeichnen ist.
  • Ebenso spielt das Alter der Studierenden eine Rolle, wenn es um die monatlichen Einkünfte geht. Der Unterschied zwischen der ältesten Altersgruppe (30 Jahre und mehr) und der jüngsten Altersgruppe (bis 21 Jahre) liegt nämlich bei stolzen 20 Prozent – das macht rund 170 Euro im monatlichen Budget aus.

Darüber hinaus ist auch die Bildungsherkunft relevant für die monatlichen Einnahmen. Die Unterschiede sind zwischen den in der Studie angesetzten vier Bildungsniveaus zwar nicht so gravierend wie im Fall von Region oder Alter. Trotzdem verfügen Studenten, die aus einem Elternhaus mit hohem Bildungsniveau stammen, im Durchschnitt über 42 Euro mehr als diejenigen aus den niedrigeren und mittleren Herkunftsgruppen.

Wenn es um die Frage der studentischen Erwerbstätigkeit geht bzw. um die ausgeübten Tätigkeiten, ist das Elternhaus ebenfalls ein Faktor. Das legen zumindest die Ergebnisse einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW) nahe. Die grundlegende Erkenntnis: Studierende aus einfachen Verhältnissen (auf das Bildungsniveau bezogen) gehen häufiger einfachen Erwerbstätigkeiten nach. Das bedeutet im Umkehrschluss wiederum nicht, dass etwa Studierende mit Akademikereltern anspruchsvollere Nebenjobs haben – sie gehen vielmehr seltener überhaupt einer Erwerbstätigkeit nach.

Immerhin: Bei der Suche nach einem qualifizierten, studienbezogenen Job bestehen die Unterschiede nicht. Unabhängig vom Elternhaus haben hier alle Studenten dieselben Chancen, fündig zu werden.

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Eine Beobachtung, die beide Studien teilen, betrifft die Notwendigkeit, neben dem Studium Geld zu verdienen. Die Untersuchung des DIW konnte in diesem Zusammenhang aufzeigen, dass die meisten Studenten bereits nach ihrem ersten Studienjahr einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Ähnlich fällt auch das Urteil der Sozialerhebung aus, die einen Anstieg der Einnahmen aus regelmäßiger Erwerbstätigkeit nachweisen konnte. Der eigene Verdienst lag damit 2016 bei durchschnittlich 385 Euro im Monat, das sind 85 Euro mehr als vier Jahre zuvor.

Bleibt trotzdem die Frage, ob diese Einnahmen wirklich zum Leben reichen. Dabei hilft ein Blick auf die Ausgaben, die Studierende laut der 21. Sozialerhebung im Sommersemester 2016 für ihren Lebensunterhalt zu bestreiten hatten. Nicht sonderlich überraschend ist der Anteil der Miete an den monatlichen Kosten, die im Durchschnitt bei 323 Euro liegt und damit den größten Posten in der Gesamtaufstellung ausmacht.

Es folgen Ausgaben für:

  • Essen und Trinken: 168 Euro
  • Auto und/oder öffentliche Verkehrsmittel: 94 Euro
  • Krankenversicherung, Arztkosten und Medikamente: 80 Euro
  • Freizeit, Kultur, Sport: 61 Euro
  • Kleidung: 42 Euro
  • Kommunikation (d.h. Telefon, Internet usw.): 31 Euro
  • Lernmittel: 20 Euro

Insgesamt kommt so eine monatliche Belastung von durchschnittlich 819 Euro zusammen. In Anbetracht eines durchschnittlichen Einkommens von 918 Euro entsteht auf den ersten Blick tatsächlich der Eindruck, als könnten die Studenten sogar noch über ein gewisses Polster verfügen. Allerdings fließen individuelle Lebensumstände nicht in die Auflistung der monatlichen Ausgaben ein – ein guter Teil regelmäßiger und unregelmäßiger Ausgaben ist daher gar nicht berücksichtigt. Die Kosten für Versicherungen, für die Körperhygiene oder für größere Anschaffungen wie einen Computer sorgen aber sehr schnell dafür, dass das vermeintliche Polster zusammenschmilzt.

 

Die finanzielle Situation und daraus resultierende Notwendigkeiten

Trotz insgesamt steigender Einnahmen gilt es für Studierende also weiterhin, mit dem ihnen zur Verfügung stehenden Geld auszukommen. Eine wichtige Lektion ist in diesem Zusammenhang sicherlich das richtige Wirtschaften während der Studienzeit, bei dem alle verfügbaren Mittel eingesetzt werden, um die finanzielle Situation so entspannt wie möglich zu gestalten. Eine besondere Rolle kommt dabei einerseits den Eltern, andererseits den bereits angesprochenen Erwerbstätigkeiten zu.

Diese sind zwar in gewisser Weise eine Selbstverständlichkeit geworden, allerdings müssen Nebenjobs sowohl hinsichtlich des Aufwands wie auch des zeitlichen Umfangs in das Studium integriert werden. Denn obwohl die Verdienste aus eigener Arbeit immer wichtiger werden (mit einem Anteil von inzwischen 26 Prozent), um den Lebensunterhalt bestreiten zu können, wird das Studium deswegen nicht vernachlässigt.

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Das führt zu der Situation, dass ein Großteil der Studenten vielfach eine deutliche Doppelbelastung schon während ihrer Studienzeit aushalten müssen. Bei 68 Prozent liegt die Quote derer, die auch während der Vorlesungszeit erwerbstätig sind. Unterm Strich bedeutet das: Zu den 33 Stunden, die Studierende der Universitäten und Fachhochschulen im Durchschnitt pro Woche für ihr Studium aufwenden, kommen noch einmal mehrere Stunden wöchentlich – auch wenn es hierfür Obergrenzen gibt –, in denen das Budget aufgestockt wird. „Nebenjob“ ist in diesem Fall tatsächlich die richtige Bezeichnung, weil das Studium einer Vollzeitbeschäftigung gleichkommt.

Wie sehen die Studenten selbst ihre finanzielle Situation? Auch bei dieser Frage spielt die Bildungsherkunft eine erhebliche Rolle. Studierende aus Familien mit hohem Bildungsniveau betrachten ihre wirtschaftliche Lage nämlich mit einem Prozentsatz von 81 Punkten für gesichert. Ein ganz anderes Bild zeichnet sich hingegen bei den Studenten mit einem niedrigeren Bildungshintergrund. Hier sind es lediglich 51 Prozent, die ihre Situation als wirtschaftlich gesichert bezeichnen würden – trotz durchschnittlich steigender Einnahmen.

Ob sich das durch die Reform des BAföG wirklich nachhaltig verbessert, ist allerdings fraglich. Von der Erhöhung des Höchstsatzes profitieren schließlich nur wenige, ausgezahlt werden die 735 Euro längst nicht an alle Studenten. Daher wird es wohl auch in Zukunft weiterhin bei der Notwendigkeit bleiben, die finanziellen Mittel eigenhändig aufzustocken. Möglichkeiten dazu gibt es immerhin, hier sind in jedem Fall die 30 besten Studentenjobs aufgeführt, mit denen das monatliche Budget aufgepolstert werden kann.

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