Machen Sie Ihr Unternehmen offiziell, auch wenn Sie es zunächst “nur” als Nebenjob planen

Die Weichen sind gestellt, alle Vorbereitungen sind getroffen. Ihr Start-up kann nun mit der Gewerbeanmeldung auch offiziell losgehen. Die Einzelunternehmung ist die häufigsten gewählte Rechtsform von Unternehmensgründern, insbesondere bei Gründungen, die im Nebenjob gestartet werden. Sie ist besonders für kleinere und mittlere Unternehmen geeignet und hier trägt der Alleininhaber alle Rechte und auch alle Pflichten der Unternehmung.

Wenn auch Sie sich dafür entschieden haben, Ihr Unternehmen als Einzelunternehmer zu bestreiten, dann wird es für Sie mit der Gewerbeanmeldung konkret. Mit der Anmeldung gehören Sie zum Kreis der Unternehmer in Deutschland. Lesen Sie nachfolgend, was Sie für die Gewerbeanmeldung brauchen, welches Ausnahmeregelung für Freiberufler besteht und was nach der Gewerbeanmeldung passiert.

Update In unserer Ratgeber-Rubrik, insbesondere in den beiden Artikeln Muss ich für meinen Nebenjob ein Gewerbe anmelden? Und kann ich das auch rückwirkend machen? und Für den Nebenjob ein Gewerbe anmelden: Das müssen Sie wissen finden Sie viele aktuelle und detaillierte Infos rund um die Gewerbeanmeldung für einen Nebenjob. 

Wie melden Sie ein Gewerbe an und was brauchen Sie dafür?

Ein Gewerbe anzumelden, ist im Grunde keine schwierige Angelegenheit. Also: Keine Angst vor der Gewerbeanmeldung. Den Gewerbeschein bekommen Sie bereits für 15 bis 30 Euro beim Ordnungs- oder Wirtschaftsamt.

Das Gewerbe müssen Sie dort anmelden, wo Ihr Unternehmen seinen Hauptsitz haben wird. Wenn Sie Ihre nebenberufliche Selbstständigkeit zunächst von zu Hause aus starten wollen, so gilt ist Ihr Wohnsitz-Gewerbeamt zuständig für Ihre Gewerbeanmeldung.

Was müssen Sie zur Gewerbeanmeldung mitbringen?

Bei der Gewerbeanmeldung brauchen Sie zwingend…

  • Ihren Personalausweis bzw. Reisepass
  • Je nach dem Gewerbe, was Sie anmelden möchten, gegebenenfalls Nachweise wie beispielsweise Meisterbrief, Ausbildungsnachweis, Konzession o.ä.

Prinzipiell darf in der Bundesrepublik als Gewerbe alles betrieben werden, was man kann – solange man nachweisen kann, dass man es kann.

Das bedeutet nichts anderes, als dass Sie beispielsweise als Geschäftsführer bzw. Gründer eines Handwerksbetriebes zum Teil im Besitz eines Meisterbriefes oder als Gastwirt einer Konzession sein müssen.

Fragen Sie vor einer Gewerbeanmeldung beim Ordnungsamt, der Handwerks- oder Handelskammer, dem Arbeitsamt oder den Berufsgenossenschaften nach, welche Voraussetzungen Sie für Ihr Gewerbe erfüllen und welche Nachweise Sie erbringen müssen.

Gewerbeanmeldung? Nicht für Freiberufler!

Sofern Sie Ihre selbstständige Tätigkeit auf Basis einer freiberuflichen Tätigkeit ausüben dürfen, brauchen Sie kein Gewerbe anzumelden. Eine schriftliche, formlose Mitteilung an Ihr Finanzamt (ein Musterschreiben finden Sie untenstehend) reicht völlig aus.

Eine freiberufliche Tätigkeit hat Vorteile

Die Vorteile der freiberuflichen Tätigkeit kommen insbesondere dann zum Tragen, wenn Sie als Gewerbetreibender gewisse Gewinn- und Umsatzgrenzen überschreiten. Unabhängig von Ihrem Jahresumsatz und dem erzielten Gewinn dürfen Sie als Freiberufler Ihren Gewinn auf Basis der einfachen Einnahme-Überschuss-Rechnung ermitteln. Sie brauchen keine doppelte Buchführung und entsprechend auch keine Bilanzen und keine Gewinn- und Verlustrechnung zu erstellen. Sie unterliegen nicht der Gewerbesteuer – und auch das unabhängig von der Höhe Ihres jährlichen Gewinns. Weiterhin steht es Ihnen frei, das sogenannte Ist-Besteuerungs-Verfahren wählen, nach dem Sie Umsatzsteuer erst zu dem Zeitpunkt an das Finanzamt abführen müssen, wenn die Kundenzahlung bei Ihnen eingegangen ist.

Sicherlich werden Sie als Existenzgründer – zumal als nebenberuflicher – ebenfalls wie die freiberuflich Selbstständigen behandelt, denn Ihr Gewinn und Ihr Umsatz wird wahrscheinlich noch unterhalb der vorgegebenen Grenzen liegen. Sobald Ihr Geschäft jedoch «brummt», verlieren Sie Ihre Eigenschaft als Kleingewerbetreibender und damit entfällt der Vorteil, dass Sie steuerlich wie ein Freiberufler behandelt werden.

Je nach der Höhe Ihres Gewinns bzw. Umsatzes kann es also für Sie sehr von Vorteil sein, als Freiberufler anstatt als Gewerbetreibender selbstständig zu sein – sofern Sie es dürfen. Denn nur bestimmte Tätigkeiten zählen zu den Freien Berufen.

Die Abgrenzung: Sind Sie Freiberufler oder Gewerbetreibender?

Die freiberufliche Tätigkeit ist im Einkommensteuergesetz (EStG) geregelt. Dennoch sind die gesetzlichen Vorschriften zur Abgrenzung des Freiberuflers vom Gewerbetreibenden nicht unbedingt eindeutig. Letztlich entscheidet allein Ihr Finanzamt, ob Sie als Freiberufler eingestuft werden – die Sachlage sollten Sie demnach in jeden Fall mit Ihrem Finanzamt klären (aber auch die IHK kann weiterhelfen).

Laut § 18 Abs. 1 EStG sind freiberufliche Tätigkeiten…

  • freie künstlerische Tätigkeiten
  • freie wissenschaftliche Tätigkeiten
  • freie schriftstellerische Tätigkeiten
  • freie unterrichtende Tätigkeiten
  • freie erzieherische Tätigkeiten

Die letztliche Abgrenzung, wann zum Beispiel es sich bei einer künstlerischen Tätigkeit um einer freiberufliche handelt oder aber als Gewerbe betrieben wird, ist Auslegungssache und hängt vom Einzelfall ab. An dieser Stelle ist zu raten, Ihren konkreten Fall jeweils mit Ihrem Finanzamt, der IHK oder gegebenenfalls auch mit Ihrem Steuerberater zu klären.

„Freie Berufe“

Die Ausübung der folgenden freien Berufe in selbstständiger Tätigkeit ist durchgängig als freiberufliche Tätigkeit einzustufen.

  • Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Dentisten, Heilpraktiker und Krankengymnasten
  • Ingenieure, Architekten, Vermessungsingenieure sowie Handelschemiker
  • Journalisten, Bildberichterstatter, Dolmetscher, Übersetzer und Lotsen
  • Rechts- und Patentanwälte, Notare, vereidigte Buchprüfer und vereidigte Bücherrevisoren, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Steuerbevollmächtigte sowie beratende Volks- und Betriebswirte

Muster: Schreiben an das Finanzamt

Sie dürfen als Freiberufler selbstständig tätig werden und wollen es auch? Dann entfällt für Sie die  Gewerbeanmeldung. Sie müssen lediglich innerhalb eines Monats nach Aufnahme Ihrer freiberuflichen Tätigkeit dies dem Finanzamt schriftlich mitteilen. Am Besten in einem kurzen formlosen Schreiben an Ihr Finanzamt. In diesem Schreiben sollte Ihre bisherige Steuernummer, das Datum der Aufnahme Ihrer freiberuflichen Tätigkeit, den Ort Ihrer Tätigkeit und Ihre Tätigkeit selbst aufgeführt sein.

Ihr Anschreiben könnte wie folgt aussehen (Muster):

An das Finanzamt
[Adresse Ihres zuständigen Finanzamtes]

Steuernummer [Ihre Steuernummer]

Sehr geehrte Damen und Herren,
am [Datum des Beginns Ihrer Tätigkeit] werde ich in [komplette Anschrift] meine freiberufliche Nebentätigkeit als [Bezeichnung bzw. Beschreibung der geplanten Tätigkeit] aufnehmen.

Ich würde mich freuen, wenn Sie mir den Betriebseröffnungsbogen zusenden würden.

Bei Rückfragen stehe ich jederzeit gern zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Was passiert nach der Gewerbeanmeldung?

Mit der Anmeldung Ihres Gewerbes setzen sich die Behördenmühlen in Gang. Das liegt daran, dass Gewerbeamt wird einige andere Institutionen über Ihre Gewerbeanmeldung informieren wird . Und von diesen Einrichtungen werden Sie in der Folgezeit Post bekommen, die Sie entsprechend bearbeiten müssen.

Post vom Finanzamt…

Das Finanzamt erteilt Ihnen eine Steuernummer und sendet Ihnen den Betriebseröffnungsbogen, auf denen Sie Angaben über Ihr Unternehmen zu machen haben. Weitere Informationen zum Betriebseröffnungsbogen finden Sie unter dem Thema Finanzamt und Steuern.

…und von der Berufsgenossenschaft…

Die Berufsgenossenschaft ist für gewisse Berufsgruppen wie beispielsweise das Handwerk eine Pflichtversicherung. Die Berufsgenossenschaft möchte Ihren Mitgliedsbeitrag einschätzen und dazu bekommen Sie natürlich einen Fragebogen.

…von der Industrie- und Handelskammer (IHK)…

Die Industrie- und Handelskammer schickt Ihnen einen Fragebogen, denn je nach Gewerbe und Wirtschaftszweig, haben Sie einen Handelskammerbeitrag zu entrichten.

…oder der Handwerkskammer…

Die Handwerkskammer möchte das gleiche wie die IHK, nur mit dem Unterschied, dass sie ausschließlich für das Handwerk zuständig ist. Alle anderen Betriebsarten werden der IHK zugeordnet.

… unter Umständen auch vom Arbeitsamt…

Sofern Sie als Arbeitgeber Personal beschäftigen erteilt Ihnen das Arbeitsamt eine Betriebsnummer und schickt Ihnen – wie soll es anders sein – einen Fragebogen.

…und gegebenenfalls vom Handelsregister-Gericht

Das Handelsregister-Gericht fordert gegebenenfalls eine Eintragung und schickt Ihnen – Sie ahnen es – einen Fragebogen.

Andere Absender bzw. Einrichtungen

Das Amt für Arbeitsschutz (oder ähnliche Institutionen) wird unter Umständen ebenfalls aktiv. Welche Behörde sich bei Ihnen melden wird, hängt von Ihrem Gewerbe ab und ob Sie Personal beschäftigen. Auch von dieser Stelle bekommen Sie einen Fragebogen.

Das alles klingt nicht nur arbeitsintensiv – das ist es auch. Sie werden feststellen, dass die Behörden nicht mit Fragebögen geizen. Erledigen Sie alle Anforderungen möglichst umgehend. Bei Fragen – und die werden ganz sicher aufkommen – bitten Sie die entsprechenden Behörden um Rat und Hilfe oder fragen Sie Ihren Steuerberater.

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