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Abgezockt
- Vorsicht vor...
Der Praxistest
Anonyme Unternehmen,
Infobänder und Broschüren
Es
gibt sie zuhauf: Anzeigen, die in erster Linie erst
einmal darauf abzielen, in höchstem Maße
Ihr Interesse zu wecken.
Es ist die Rede von «hohen
Verdienstmöglichkeiten», «geringem
Arbeitsaufwand», «freier Zeiteinteilung»,
«Spaß an der Arbeit», «von zu
Hause aus einen Spitzenverdienst erzielen zu können»
usw.. Wohlüberlegte Sätze, die Sie erst einmal
dazu verleiten sollen, zum Telefonhörer zu greifen.
Um welches Unternehmen
es sich handelt, ist aus diesen Anzeigen meist nicht
zu entnehmen.
Eine nicht neue, aber in
den letzten Wochen und Monaten wieder viel praktizierte
Masche sind Anzeigen mit Telefonnummern, hinter denen
sogenannte Infobänder laufen. Im Gegensatz zu den
teuren 0190- oder 0180-Nummern wird hier mit ganz anderen
Methoden gearbeitet. Solche Anzeigen wecken natürlich
auch unser Interesse. Also beschlossen wir, bei einer
dieser besagten Nummern einmal anzurufen.
Ein freundliche Stimme vom
Band bedankte sich erst einmal für unseren Anruf.
Und dann kam genau das, was vielleicht schon auch Sie
aus Dutzenden von Anzeigen kennen.
Das Infoband informierte
uns zwar darüber, dass dies unsere «persönliche
Chance zum Erfolg» sei und dass wir es mit einem
«weltweit vertretenen Erfolgskonzept» zu
tun haben. Wir wurden darauf hingewiesen, dass «jeder
erfolgreich werden kann», natürlich auch
wir. Nach ähnlichen Sätzen wie diesen wurden
wir freundlich aufgefordert, unseren Namen und Adresse
zu hinterlassen, damit uns eine erste Informationsbroschüre
zugesendet werden könne. Aber um welches Unternehmen
es sich handelt, das bereits seit Jahren schon so erfolgreich
am Markt ist, wurde uns auch auf dem Infoband noch nicht
verraten...
Bereits nach wenigen Tagen
erhielten wir unsere Infobroschüre. Um es
kurz zu machen: Auch diese Infobroschüre klärte
uns darüber auf, dass wir schnell erfolgreich werden
können. Im beiliegenden Anschreiben wurde uns zwar
ein Ansprechpartner genannt, aber um welches Unternehmen
es sich handelte, wurde uns auch hier noch nicht verraten.
Aber etwas anderes wurde
uns verraten: Nämlich eine Telefonnummer,
unter der wir anrufen könnten, wenn auch wir den
«Wunsch nach persönlicher und finanzieller
Unabhängigkeit» hätten.
Jetzt wollten wir es genau
wissen und riefen auch bei dieser Rufnummer einmal an.
Wieder einmal gerieten wir an ein Infoband, wo uns erklärt
wurde, dass dies unsere persönliche Chance zum
Erfolg sei. Auch wir würden erkennen, dass jede
Person, ganz gleich, mit welchem sozialen oder auch
beruflichen Hintergrund, erfolgreich werden könne.
Nach diesen und ähnlichen Sätzen wurde uns
auf dem Infoband erklärt, dass uns weitere schriftliche
Unterlagen und eine Video- und eine Audiokassette für
weitere Informationen und ein «besseres Kennenlernen»
zugesendet würden.
Für die gesamten
Unterlagen sollten wir eine «kleine, einmalige
Gebühr» bezahlen, die per Nachnahme erhoben
werde.
Sollten wir mit dem angeforderten
Material aus irgend einem Grund nicht zufrieden sein,
hätten wir die Möglichkeit, die kompletten
Unterlagen, selbstverständlich in «einwandfreiem
Zustand», zurück zu senden. Von einer 30-Tage-Geld-zurück-Garantie
war die Rede, woraufhin uns unser Geld zurück erstattet
werden sollte, allerdings würden die angefallenen
Portokosten einbehalten.
Auf dem Infoband wurden
wir weiterhin darüber unterrichtet, dass wir also
überhaupt kein Risiko hätten und dass selbstverständlich
ein solcher «Selektionsprozess» stattfinden
müsse, um überhaupt die ernsthaft interessierten
Personen, nämlich diejenigen, die tatsächlich
nach einer finanziellen Chance suchen, heraus zu filtern.
Man werde sich freuen, schon
sehr bald persönlich mit uns zu sprechen. Jedoch
natürlich erst dann, nachdem wir unser Infopaket
durchgearbeitet hätten. Nach diesem Gespräch
sollten wir dann dieses Mal völlig kostenlos
ein weiteres Infopaket erhalten. Zu guter Letzt
wurden wir darüber unterrichtet, dass wir doch
diesen kleinen Schritt in eine möglicherweise große
Zukunft wagen sollten und man schloss mit dem Satz:
«Sie haben nichts zu verlieren».
Wir sind der Meinung,
dass es sehr wohl etwas zu verlieren gibt: Nämlich
mindestens die Portogebühr, Zeit, Nerven und das
Vertrauen in solcherlei Stellenanzeigen.
Zusammenfassend

Dieses Unternehmen gab sich nicht in der geschalteten
Stellenanzeige bekannt.
Es gab sich wiederum auch
nicht auf unseren Anruf hin auf dem Infoband zu erkennen.
In der Informationsbroschüre,
die wir uns daraufhin zusenden ließen, war das
Unternehmen ebenfalls noch nicht bereit, seine Identität
preiszugeben im beiliegenden Anschreiben wurde
lediglich der Name eines Ansprechpartners genannt.
Unter der Telefonnummer
des Ansprechpartners, die unbedingt angerufen werden
sollte, lief wiederum lediglich ein Infoband
es wurde uns aber immer noch nicht verraten, um welches
Unternehmen es sich handelt.
Wir wissen zwar nicht,
was Unternehmen dazu veranlasst, so lange mit ihrem
Unternehmensnamen hinterm Berg zu halten, wir sind jedoch
der Meinung, dass jeder für sich allein darüber
entscheiden muss, ob er zum Erhalt einfacher Informationen
derart in Vorkasse zu treten will.
Wir taten es jedenfalls
nicht.
Wir möchten anmerken,
dass wir auf anderem Weg erfahren haben, um welches
Unternehmen es sich handelt.
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