Politesse als Nebenjob –  geht das?

Jeder kennt sie, jeder hat sie schon live erlebt, aber nicht jeder freut sich über die Begegnung mit den – meist weiblichen – Knöllchenschreiberinnen. Denn jeder, der Politessen auf der Straßen begegnet, überlegt zunächst, ob sein Fahrzeug auch richtig und zeitgerecht geparkt ist. Politessen sind im Auftrag von Städten und Gemeinden unterwegs und sorgen für Ordnung und Sicherheit im ruhenden Verkehr.

Lässt sich dieser Job auch als Nebenjob ausüben? Wir wollten es wissen und sprachen mit Herrn Finster aus der Personalabteilung der Stadtverwaltung Norderstedt (bei Hamburg). Es war interessant, was Herr Finster uns erzählen konnte.

Nebenjob als Politesse: Die Aufgaben

Überwiegend – das liegt auf der Hand – sind Politessen im Außendienst zur Feststellung von Rechtsverstößen tätig. Sie achten beispielsweise darauf, dass Halteverbote und Parkverbote beachtet werden, wichtige Anfahrtszonen (z.B. Feuerwehrzufahrten) nicht blockiert werden und dass Parkzeiten nicht überschritten werden. Allerdings, so klärte uns Herr Finster auf, werden die Mitarbeiterinnen auch in der Sachbearbeitung tätig, denn die festgestellten Daten müssen anschließend für die weitere verwaltungsmäßige Bearbeitung aufgearbeitet und weitergeleitet werden.

Wie Herr Finster uns sagte, sind Politessen aus Gründen der Sicherheit und der Beweislage meistens zu Zweit unterwegs. Ihr Aufgabenbereich liegt hauptsächlich in der Parkraumüberwachung. Im Zuge dessen erteilen sie Verwarnungen und stellen Strafmandate aus.

Qualifikationen: Was muss eine Politesse können?

Wer in diesem Job tätig werden möchte, der sollte belastbar sein und gut mit Menschen umgehen können, sagte uns Herr Finster. Das ist gut nachvollziehbar, denn nicht jeder ertappte Parksünder reagiert gelassen, wenn er einen Strafzettel hinter dem Scheibenwischer klemmen sieht. Daneben sei ein, wie Herr Finster es nannte, „gewisses Verwaltungsgeschick“ erforderlich, denn wie oben beschrieben, müssen die erhobenen Daten für die Weiterbearbeitung aufgearbeitet werden.

Die Arbeitszeiten als Politesse

Die grundsätzliche Frage, ob Politessen auch im Rahmen eines Minijobs bei der Stadtverwaltung tätig werden können, musste Herr Finster verneinen. Allerdings kann diese Tätigkeit als Teilzeitbeschäftigung ausgeübt werden, denn die Arbeitszeit beträgt in der Regel mindestens 19,25 Stunden in der Woche.

Die Mitarbeiterinnen arbeiten im Schichtdienst – auch an Samstagen. Wer nun glaubt, dass er abends für’s Falschparken kein Knöllchen mehr erhält, der irrt. Denn die Arbeitszeiten der Politessen sind recht flexibel aufgeteilt, so dass Parksünder nicht nur tagsüber, sondern auch abends – beispielsweise beim Falschparken während eines Kino- oder Restaurantbesuchs – ertappt werden.

Geld verdienen: Wie wird der Job bezahlt?

Wie Herr Finster schon sagte, sind Politessen bei der Stadtverwaltung Norderstedt versicherungspflichtig beschäftigt. Das Bruttogehalt beträgt rund 12 Euro pro Stunde, wobei Ansprüche auf eine zusätzliche Altersversorgung erworben werden.

Übrigens gibt es, so Herr Finster, entgegen mancher Vermutungen, keine Erfolgsquote für Politessen. Es gilt keinesfalls das Motto: Je mehr Parksünder erfasst werden, desto höher der Verdienst.

Die Kleidung der Politessen wird gestellt, damit die Erkennbarkeit gewährleistet ist, denn immerhin, so Herr Finster, sind Politessen im offiziellen Einsatz.

Wie finden Sie einen Nebenjob als Politesse?

Auch wenn sich Politessen vermutlich den ein oder anderen nicht ganz passenden Kommentar anhören müssen und der Job auch nicht konfliktfrei ist, gibt es nach Angaben von Herrn Finster viele Interessenten für diesen Job. Die Jobs sind also begehrt, die Fluktuation aber laut Herrn Finster gering; entsprechend klein ist das Angebot an offenen Stellen.

Oftmals werden die Jobs über eine Vormerkliste vergeben – wer also Interesse hat, sollte sich initiativ bewerben und kann sich bei Interesse gegebenenfalls auf eine Warteliste setzen lassen.

Falls doch einmal Stellen frei sein sollten, werden diese auf den Internetseiten der Stadt oder in den Tageszeitungen ausgeschrieben.

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