Was viele nicht wissen: Auch im Nebenjob haben Sie Anspruch auf bezahlten Urlaub

Wir werden häufig gefragt, wie es sich mit der Urlaubsregelung von Teilzeitkräften, zu denen auch 450-Euro-Kräfte gehören, verhält. Es  zeigt sich immer wieder, dass weder Arbeitgeber noch Arbeitnehmer über die gesetzlichen Regelungen informiert sind: Die Unsicherheit ist groß. Im schlimmsten Falle nutzen Arbeitgeber die Unwissenheit ihrer Beschäftigten sogar aus. Dabei ist der Urlaubsanspruch im Bundesurlaubsgesetz klar definiert. Lesen Sie hier die Regelungen und wie Sie den Urlaubsanspruch, den Sie in Ihrem Nebenjob haben, ganz einfach berechnen.

  1. Jeder Arbeitnehmer hat Anspruch auf Urlaub – auch im Nebenjob
  2. Was sind eigentlich „Werktage“? „Werktage“ sind nicht „Arbeitstage“!
  3. Wann kann erstmals Urlaub genommen werden? Diese Regeln gelten
  4. Bei Teilzeit und im Nebenjob: Der Urlaubsanspruch wird umgerechnet
  5. Sie arbeiten im Nebenjob unregelmäßig, also nicht an festen Tagen
  6. Wie ist es mit dem Urlaubsgeld – wie viel gibt es im Nebenjob?
  7. Weitere Regeln zum Urlaub im Nebenjob
  8. 12 Fragen und Antworten zum Thema Urlaub und Arbeitsrecht

Jeder Arbeitnehmer hat in jedem Jahr einen gesetzlichen  Anspruch auf bezahlten Urlaub – auch im Nebenjob

Als Arbeitnehmer gelten in diesem Sinne Arbeiter und Angestellte sowie Auszubildende. Der gesetzliche Urlaubsanspruch beträgt mindestens 24 Werktage – also vier Wochen pro Jahr. Dieser Anspruch kann auch nicht durch Ihren Arbeitsvertrag oder durch Tarifverträge verkürzt werden. Meist sind in diesen Verträgen ohnehin längere Urlaubsansprüche vereinbart, die dann ausschlaggebend für den jeweiligen Urlaubsanspruch sind.

Wer in Teilzeit oder in einem Nebenjob arbeitet, hat ebenso grundsätzlich Anspruch auf Urlaub wie die in Vollzeit beschäftigten Kollegen, denn der Gesetzgeber unterscheidet bei der Regelung des gesetzlichen Urlaubsanspruchs nicht zwischen Voll- und Teilzeitbeschäftigten.

Es gilt ebenso wie bei Überstundenregelungen oder Sonderzahlungen die Maxime: Gleiches Recht für alle.

„Werktage“, „Arbeitstage“ und der Urlaubsanspruch

Der gesetzliche Urlaubsanspruch drückt sich in „Werktagen“ aus – was aber ist, wenn in ihrem Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag „Arbeitstage“ genannt sind? Als Werktage gelten alle Kalendertage außer Sonntage und gesetzliche Feiertage – also auch der Samstag (der meist arbeitsfrei ist). Der Gesetzgeber geht also bei Werktagen von sechs Tagen aus.


„Werktage“ sind also nicht nicht „Arbeitstage“ Es können in Ihrem Arbeits- oder Tarifvertrag aber auch „Arbeitstage“ genannt sein. Dabei kommen Sie, wenn Ihrem Vertrag eine 5-Tage-Woche zugrunde liegt, auf einen anderen Urlaubsanspruch als bei der Festlegung des Urlaubsanspruches in „Werktagen“. Denn als Arbeitstage gelten in einer 5-Tage-Woche auch tatsächlich fünf Tage. Das bedeutet also, dass Sie, sofern Arbeitstage bei einer 5-Tage-Woche festgelegt sind, einen längeren Urlaubsanspruch haben als bei einer Festlegung von Werktagen.

Wann kann erstmals Urlaub genommen werden?

Prinzipiell kann der volle Urlaub erstmals sechs Monate nach Bestehen eines Beschäftigungsverhältnisses in Anspruch genommen werden. Was passiert aber, wenn Ihr Nebenjob weniger sechs Monate andauert?

Im Fall einer Saisonbeschäftigung oder Ausscheiden während der Probezeit:

Das Beschäftigungsverhältnis einer Saison-Aushilfe (vorab vereinbarte Beschäftigungsdauer zwei Monate) endet vor Ablauf der sechs Monate. Der Arbeitnehmer schafft im Kalenderjahr nicht die Mindestarbeitszeit und scheidet aus dem Betrieb aus, weil die Probezeit vielleicht nicht überstanden wurde. Die Berechnung des Urlaubsanspruchs für solche Fälle ist geregelt.

Berechnung des Urlaubsanspruchs bei weniger als sechs Monaten Beschäftigungsdauer

Wer vor Ablauf der sechsmonatigen Frist aus dem Betrieb ausscheidet, hat Anspruch auf ein Zwölftel des Jahresurlaubes für jeden vollen Monat, den er in dem Betrieb beschäftigt war. Also hat beispielsweise die Saison-Aushilfe bei einer Beschäftigung von zwei Monaten einen Anspruch auf vier Tage bezahlten Urlaub.

Dieser Anspruch berechnet sich wie folgt:

24 Tage gesetzlicher Urlaubsanspruch/Jahr
: 12 Monate
x 2 Monate Beschäftigung
  = 4 Tage Urlaubsanspruch

Bei Teilzeit – also auch bei einem Nebenjob – wird der Urlaubsanspruch umgerechnet

Für Mitarbeiter, die nicht in Vollzeit arbeiten, wird der Urlaubsanspruch anteilmäßig umgerechnet. Dabei hilft die Urlaub-Umrechnungsformel. Denn natürlich kann es  nicht sein, dass Sie als Teilzeitkraft zum Beispiel drei Tage pro Woche tätig sind, eine Woche Urlaub nehmen (also von Montag bis Sonntag) und dabei nur drei Tage Ihres beispielsweise tariflich zugesicherten Urlaubsanspruches von 30 Tagen „verbrauchen“, wird der Urlaubsanspruch von Teilzeitbeschäftigten umgerechnet. Ansonsten würden Sie praktisch mehr bezahlten Urlaub machen als Sie arbeiten.

Häufig sind solche Umrechnungen in den für Sie geltenden Tarifverträgen bereits geregelt. Sollte das nicht der Fall sein, kommt die Urlaubs-Umrechnungsformel zum Zuge.

Ein Beispiel zur Urlaubs-Umrechnungsformel

Ihren vollzeitbeschäftigten Kollegen steht bei einer 5-Tage-Woche ein Urlaubsanspruch von 30 Arbeitstagen zu. Sie selbst arbeiten an drei festen Tagen pro Woche.

Ihr jährlicher Urlaubsanspruch ergibt sich daraus wie folgt:

30 Urlaubstage/Jahr
: 5 Tage/Woche betriebliche Arbeitszeit
x 3 Tage/Woche tatsächliche Arbeitszeit
= 18 Urlaubstage pro Jahr

Das entspricht sechs Wochen Urlaub pro Jahr:
(18 Tage Jahresurlaub : 3 Arbeitstage/Woche = 6 Wochen Urlaub/Jahr).

Und das ist genauso viel, wie den Vollzeitkräften zusteht:
(30 Tage Jahresurlaub : 5 Arbeitstage/Woche = 6 Wochen Urlaub/Jahr).

Wenn sich aus der Umrechnung des Urlaubsanspruches eine ungerade Zahl ergibt

Ein Beispiel: Die Arbeitszeit beträgt zwei Tage in der Woche bei einem Urlaubsanspruch von 26 Tagen:

26 Tage Urlaubsanspruch
: 5 Tage/Woche x 2 tatsächliche Arbeitstage
= 10,4 Tage Anspruch

Wenn sich bei der Umrechnung Bruchteile von Urlaubstagen ergeben und diese Bruchteile mindestens einen halben Tag betragen, ist der Urlaubsanspruch laut Bundesurlaubsgesetz auf volle Tage aufzurunden. Dies lässt sich allerdings durch tarifvertragliche Regelungen umgehen, so dass das obige Beispiel abgerundet würde.

Natürlich ist es auch möglich, dass im Tarifvertrag vorgesehen ist, Bruchteile von Urlaubstagen grundsätzlichaufzurunden.Dann würden sich aus dem obigen Fall 11 Urlaubstage pro Jahr ergeben.

Wenn weder aufgerundet noch abgerundet wird, werden die – nennen wir sie einmal: „Nachkomma-Urlaubstage“ – im errechneten Umfang gewährt.


Wenn Sie in Ihrem Nebenjob unregelmäßig, also nicht an festen Tagen arbeiten: So wird der Urlaubsanspruch berechnet

Wie wird der Urlaubsanspruch also berechnet, wenn Sie nicht an feststehenden Tagen in der Woche arbeiten, sondern je nach Arbeitsanfall eingesetzt werden? Denn auch das kommt häufig genug vor.  Natürlich haben Sie auch in diesem Fall Urlaubsanspruch – aber wie wird dieser berechnet? Hier erfolgt in der Praxis die Umrechnung auf Basis einer Durchschnittsermittlung. Häufig erstreckt sich die Durchschnittsberechnung über einen Zeitraum von drei Monaten.

So berechnen Sie den Urlaubsanspruch im Nebenjob über die Durchschnittsermittlung:

Wie viele Arbeitstage pro Woche waren Sie während eines Zeitraums von drei Monaten im Unternehmen tatsächlich tätig? Dabei ist es nicht wichtig, wie viele Stunden Sie wöchentlich gearbeitet haben, sondern an wie vielen Tagen. Diese derart ermittelten Durchschnitts-Arbeitstage pro Woche werden nun für die Ermittlung des Jahresurlaubs nach der Urlaubs-Umrechungsformel zugrunde gelegt.

Urlaubsgeld im Nebenjob – in diesen Fällen haben Sie Anspruch darauf

In manchen Fällen haben Sie auch Anspruch auf Urlaubsgeld – zumindest anteilmäßig. Wenn Sie Glück haben, besteht neben dem bezahlten Urlaubsanspruch aufgrund von tarifvertraglichen Regelungen oder einer Betriebsvereinbarung ein zusätzlicher Anspruch auf die Zahlung von Urlaubsgeld. Auch in diesem Fall, wie bei jeder anderen Sonderzahlung auch – werden Sie ebenso gleichberechtigt behandelt wie Ihre in Vollzeit beschäftigten Kollegen – auf diese Gleichbehandlung haben Sie Anspruch. Ihr Anspruch ergibt sich hier allerdings nicht aus Ihren Wochenarbeitstagen, sondern aus der Wochenarbeitszeit.

Beispiel für die Berechnung des Urlaubsgeldes im Nebenjob

Ihre vollzeitbeschäftigten Kollegen haben eine 38-Stunden-Woche und erhalten 250 Euro Urlaubsgeld. Sie selbst arbeiten acht Stunden in der Woche. Sie haben somit Anspruch auf:

250 EUR : 38 Std. x 8 Std. = 52,63 EUR Urlaubsgeld

Abschließend noch einige weitere Regeln zum Thema Urlaub im Nebenjob

  • Ihr Urlaubsanspruch muss von Ihnen persönlich genommen werden. Er ist nicht abtretbar und auch nicht pfändbar.
  • Der während eines Kalenderjahres erworbene Urlaubsanspruch muss auch in diesem Kalenderjahr genommen werden, spätestens aber bis zum 31. März des darauffolgenden Jahres.
  • Bereits erhaltener Urlaub kann vom Arbeitgeber nicht zurückgefordert werden, auch wenn der Arbeitnehmer seinen gesamten Jahresurlaub bereits genommen hat und nun vorzeitig aus dem Betrieb ausscheidet!
  • Bei der Berechnung Ihres Urlaubsanspruches ist es nicht wichtig, wie viele Stunden pro Tag Sie arbeiten. Es kommt lediglich auf die Anzahl der Arbeitstage pro Woche an.
  • Mehrere befristete Arbeitsverträge bei ein und demselben Unternehmen werden zusammengerechnet, denn hier liegt ein sogenanntes „ununterbrochenes Arbeitsverhältnis“ vor (hierzu zählt auch, wenn Sie als Aushilfskraft mehrmals auf der Basis sozialversicherungsfreier kurzfristiger Beschäftigungsverhältnisse ohne Lohnsteuerkarte bei einem Arbeitgeber tätig waren).

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