Regeln für Arbeitnehmer mit Nebenjob und Hauptjob

S. Egger
2018-10-17

 

Grundsätzlich musst du deinem Hauptarbeitgeber nicht über deinen Nebenjob informieren.

Alles, was du nach Feierabend machst, ist deine Privatsache. Wenn du also in deinem Arbeitsvertrag eine Klausel findest, die besagt, dass du keinen Nebenjob haben darfst, ist diese meist ungültig. Ausgenommen sind hiervon Beamter oder Angestellte des öffentlichen Dienstes.

Im Normalfall darf dir dein Arbeitgeber deinen Nebenjob nicht verbieten. Er kann jedoch eine Klausel im Arbeitsvertrag platzieren, die dich dazu verpflichtet, dass du ihm vom zweiten Job erzählst, bevor du ihn beginnst. Wenn du diese Phrase in deinem Vertrag findest, musst du ihn unbedingt informieren, selbst wenn es sich um einen unbezahlte oder ehrenamtliche Nebentätigkeit handelt. Du hast eine Informationspflicht, der du nachgehen musst.

Wichtig ist aber zu wissen, dass selbst, wenn du deinen Arbeitgeber zu informieren hast, kann er dir nicht einfach sagen, dass du den Nebenjob nicht annehmen darfst. Er kann nur einen Einwand haben, wenn es seine Interessen berührt.

 

Wann werden die "Interessen des Arbeitgebers" durch den Nebenjob verletzt?

Durch das Arbeitszeitgesetz wird die Gesamt-Arbeitszeit festgelegt, welche nicht überschritten werden darf. Du darfst in deinem Nebenjob und Hauptjob nicht mehr als 8 Stunden pro Werktag (Montag bis Samstag) beziehungsweise 48 Stunden pro Woche arbeiten. In Ausnahmefällen ist es möglich 10 Stunden pro Tag zu arbeiten, wenn du im Durchschnitt innerhalb von 6 Monaten jedoch die 8 Stunden pro Werktag nicht überschreitest. Es ist außerdem wichtig, dass du die vorgeschriebenen Pausenzeiten einhältst. Du darfst nicht länger als 6 Stunden ohne Pause arbeiten. Wenn du beispielsweise einen 9 Stunden Tag hast, musst du mindestens 30 Minuten dazwischen Pause machen. Bei mehr als 9 Stunden sind es mindestens 45 Minuten. Nach Feierabend musst du zusätzlich 11 Stunden Ruhezeit haben. Übrigens: Eine tägliche bzw. wöchentliche Höchstarbeitszeit musst du nicht beachten, wenn du deine Nebentätigkeit auf selbstständiger Basis ausübst.

Eine weitere Verletzung der Interessen des Arbeitgebers ist es, wenn deine Arbeitsfähigkeit durch deinen Nebenjob beeinflusst wird. Wenn du beispielsweise als Kellner die ganze Nacht arbeitest, kannst du dich am nächsten Tag bei dem Bürojob nicht mehr konzentrieren und machst dadurch Fehler, die ohne den zweiten Job vermeidbar wären.

Außerdem soll dein Urlaub zur Erholung dienen. Wenn du dich durch deine Nebentätigkeit also nicht ausreichend erholen kannst, kann dir dein Arbeitgeber diesen Job verbieten.

Auch wenn du krankgeschrieben bist, sollst du dem Nebenjob nicht nachgehen, da dieser den Genesungsprozess behindert. Du riskierst dadurch eine fristlose Kündigung.

Wenn du durch deinen Nebenjob zur Konkurrenz wirst, widerspricht auch das dem Interesse des Arbeitgebers. Du darfst in keinem Betrieb arbeiten, der im direkt Wettbewerb mit dem Hauptarbeitgeber steht.

 

Unser Tipp: Informiere immer deinen Arbeitgeber, selbst wenn es nicht im Arbeitsvertrag steht, denn so vermeidest du einen Konflikt.

Ja, du bist nicht dazu verpflichtet, aber es ist sehr empfehlenswert. Die meisten Arbeitgeber haben prinzipiell nichts gegen einen Nebenjob. Sie wollen nur gefragt werden, damit nichts hinter ihrem Rücken abläuft. Informiere deinen Vorgesetzten im Vorhinein über deinen zweiten Job und lass ihn dir genehmigen, auch wenn du es eigentlich nicht musst. Es lohnt sich nicht, einen Streit riskieren, denn schließlich willst du ja auch deinen Hauptjob behalten. Es ist immer wichtig, dass du die Einverständniserklärung schriftlich hast, damit du, wenn dein Arbeitgeber seine Meinung ändert, einen Beweis hast.

 

Musterbrief: So informierst du deinen Arbeitgeber schriftlich

Um es immer Beweisen zu können, solltest du deinen Arbeitgeber schriftlich informieren. Wir haben dir einen Musterbrief für dich geschrieben:

Sehr geehrte Damen und Herren,
freiwillig möchte ich Sie informieren, dass ich ab dem [Datum] die Aufnahme einer Nebentätigkeit plane.

Bei der Nebentätigkeit handelt es sich um [Beschreibe deine Tätigkeit]

Es ist für mich selbstverständlich, dass ich ungeachtet dieser Nebentätigkeit meinen Verpflichtungen aus dem zwischen uns geschlossenen Arbeitsvertrag weiterhin ohne Einschränkungen nachkommen werde.

Mit freundlichen Grüßen,
[Dein Name]

 

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