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Nebenverdienst und Hartz 4

Von E. Bröckl am 22-10-2018
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Wer Hartz 4 bezieht und Nebenverdienste erzielt, muss eine Menge beachten. Zu allem gibt es Regeln:

Obwohl es den Begriff Hartz 4 im Gesetz gar nicht gibt, sprechen die meisten, die die Grundsicherung nach dem Sozialgesetzbuch II (SGB II) meinen, nicht vom Arbeitslosengeld II, sondern von Hartz 4. Klingt ja auch viel einfacher – ist es in der Realität aber leider nicht.

Dass das Arbeitslosengeld diesen Namen bekommen hat, ist Peter Hartz zu verdanken. Er leitete die „Hartz-Kommission“, die der Bundesregierung im Jahr 2002 Vorschläge unterbreitete, wie die Arbeitspolitik in Deutschland wirkungsvoller und nachhaltiger gestaltet werden könne. Die vorgeschlagenen Maßnahmen wurden in den Jahren 2003 bis 2004 schrittweise im Rahmen von Einzelgesetzen, die kurz als „Hartz I", "Hartz II", "Hartz III" und schließlich “Hartz IV” bezeichnet wurden, umgesetzt. Hartz 4 war also zunächst einmal der umgangssprachliche Name für ein Gesetz, dass in seiner korrekten Bezeichnung das „Vierte Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt“ heißt. Heute meint aber eigentlich jeder, der von Hartz 4 spricht, die finanzielle Unterstützung, die der Staat hilfebedürftigen und erwerbsfähigen Personen gewährt.

Info: Anspruch auf Hartz 4 haben Personen, die sowohl hilfebedürftig als auch erwerbsfähig sind. Wer (beispielsweise aufgrund seines Alters oder wegen einer Krankheit) nicht mehr erwerbsfähig ist und in Bedarfsgemeinschaft mit einem Erwerbstätigen lebt, bekommt, wenn er hilfebedürftig ist, das so genannte „Sozialgeld“.

Ein Mann bearbeitet viele vor sich liegende Dokumente

Darf jemand, der Hartz 4 bezieht, überhaupt einen Nebenjob haben?

Zurzeit bekommen ungefähr 4,4 Millionen Menschen in Deutschland Hartz 4. Es wäre mehr als fragwürdig, wenn all diesen Menschen verboten würde, neben ihrem Hartz 4 Bezug zusätzlich ein wenig Geld zu verdienen – der ein oder andere findet auf diese Weise unter Umständen sogar zurück ins Erwerbsleben. Deshalb ist es (natürlich) auch erlaubt, einen Nebenjob auszuüben, wenn man Arbeitslosengeld bekommt. Mancher Arbeitslose empfindet es allerdings als bittere Pille, wenn er erfährt, dass er nicht den gesamten Zuverdienst für sich behalten darf. Welcher Teil des Verdienstes aus deinem Nebenjob jeweils anrechnungsfrei bleibt, erfährst in diesem Artikel. Aber auch, wie mit Nebenverdiensten aus beispielsweise ehrenamtlichen Tätigkeiten, Ferienjobs der Kinder, Sachgeschenken oder Geldgeschenken, Nachbarschaftshilfe oder Geldgewinnen umgegangen wird, kannst du im Folgenden nachlesen.

 

Du beziehst Hartz 4 und hast einen Nebenjob? So viel von deinem Nebenverdienst darfst du behalten.

Pauschal erst einmal 100 Euro – und dieser Freibetrag auf das „Erwerbseinkommen“ gilt auf jeden Fall. Der Verdienst, der darüber hinausgeht, wird auf Ihren Leistungsbezug angerechnet. Wenn du einen Minijob ausübst und die vollen 450 Euro verdienst, kannst du als Erstes die Pauschale in Höhe von 100 Euro für dich behalten. Von den übrigen 350 Euro, die du verdient hast, darfst du 20% behalten – das sind 70 Euro. Wer also 450 Euro verdient, darf 170 Euro behalten. Der Rest, also 280 Euro, wird dir vom Hartz 4 abgezogen. Wenn du nicht für 450 Euro arbeitest, sondern beispielsweise nur 250 Euro im Monat verdient hast, dann kannst du entsprechend den Grundfreibetrag in Höhe von 100 Euro plus 20% von den restlichen 150 Euro (das sind 30 Euro) und damit insgesamt 100 Euro plus 30 Euro - also 130 Euro für dich behalten.

Tipp: Sobald du weißt, dass du einen Nebenjob ausüben wirst, musst du dein Jobcenter darüber informieren – und das innerhalb von drei Tagen.

 

Wie sieht es aus, wenn du mehr als 450 Euro aus einem Minijob verdienst?

Vom Verdienst, der über den pauschalen Freibetrag von 100 Euro hinausgeht, bleiben bis zu einem Bruttoeinkommen in Höhe von 1.000 Euro monatlich 20 Prozent anrechnungsfrei auf den Hartz 4 Bezug. Wer mehr als 1.000 Euro, höchstens aber 1.200 Euro verdient, darf von diesem zusätzlichen Verdienst 10 Prozent behalten.

Tabelle mit Zahlen über Hartz 4Rechenbeispiel zur besseren Veranschaulichung

Du kannst also bei einem Verdienst von maximal 1.200 Euro 300 Euro deines Gehalts anrechnungsfrei für dich behalten. Auch wenn die Abzüge den Stundenverdienst erheblich schrumpfen lassen können, solltest du dich dennoch durch die Höhe der Abzüge nicht grundsätzlich davon abhalten lassen, einen Nebenjob auszuüben – vor allem, wenn dir die Tätigkeit Spaß machen würde. Denn es kann sich durchaus lohnen, nicht nur die finanzielle Seite zu sehen: In der Regel zahlt es sich aus, im Arbeitsleben zu bleiben – und selbst, wenn es „nur“ durch einen Nebenjob ist.

 

  • Ehrenamt: Hartz 4-Bezieher, die ihren Nebenjob ehrenamtlich ausüben, dürfen mehr von ihrem Zusatzverdienst behalten: Die anrechnungsfreie Pauschale bei einem Ehrenamt liegt bei 200 Euro.

 

Vorsicht: Wer parallel einen Minijob und ein Ehrenamt ausübt, sollte gegebenenfalls auf eine dieser Nebentätigkeiten verzichten, denn zwei Freibeträge lassen sich nicht gleichzeitig in Anspruch nehmen. Es gilt also die Regel: Entweder- Oder.

 
  • Ferienjobs der Kinder: Wie viel Geld dürfen Schüler während der Ferien verdienen – und behalten? Kinder in Hartz 4-Familien, die Schüler an allgemeinbildenden oder berufsbildenden Schulen sind, dürfen während der Ferien jobben – und mit einem Einkommen von insgesamt 1.200 Euro dürfen sie dabei auch relativ viel Geld verdienen, das sie behalten dürfen. Allerdings darf ein solcher Ferienjob nicht länger als vier Wochen im Kalenderjahr dauern und außerdem müssen die Kinder unter 25 Jahre alt sein. Außerdem darf jedes Kind monatlich bis zu 100 Euro (den Grundfreibetrag) hinzuverdienen, ohne dass die Leistungen gekürzt wird.

 

Wichtig: Wessen Kind das Geld nicht ausgibt, sondern lieber auf sein Konto einzahlt, sollte im Hinterkopf behalten, dass der Vermögensfreibetrag für minderjährige Kinder in Hartz 4-Bedarfsgemeinschaften jeweils 3.850 Euro (Freibetrag 3.100 Euro plus 750 Euro Ansparbetrag) beträgt, die Ersparnisse des Kindes also nicht darüber liegen sollten.

 
  • Geldgeschenke und Sachgeschenke: Bei Geldgeschenken gilt grundsätzlich die Maxime, dass Schenkungen ohne einen Anlass als Einkommen zählen. Es sieht allerdings anders für die Kinder aus, die in einem Hartz 4-Haushalt leben. Wenn die Kinder zum Geburtstag oder zu Weihnachten Geldgeschenke bekommen, die im „Rahmen des Üblichen“ liegen, müssen diese dem Jobcenter nicht mitgeteilt werden. Sofern jedoch größere Summen fließen, muss nachgewiesen werden, dass diese Geschenke für eine außergewöhnliche Aufwendung, beispielsweise für den Erwerb des Führerscheins, vorgesehen sind. Zusätzlich dürfen Kinder zu religiösen Festen wie Konfirmation oder Kommunion 3.100 Euro geschenkt bekommen, ohne dass sich dies nachteilig auf den Bezug des Arbeitslosengeldes auswirkt. Wer Sachgeschenke in Form einer Reise, ein Wohnzimmerschrank oder eine gebrauchte Stereoanlage bekommt, kann aufatmen: Solche Geschenke sind nicht anrechnungspflichtig!
 
  • Bezahlte Nachbarschaftshilfe: Wenn du deinem Nachbarn beispielsweise bei Gartenarbeiten, beim Aufräumen oder beim Einkaufen unterstützt und dein Nachbar dir im Gegenzug ein finanzielles Dankeschön zukommen lässt, darf dieser Geldbetrag nicht über 10 Euro im Monat liegen.
 
  • Werden Geldgewinne angerechnet? Wenn du bei einer Tombola, im Lotto oder auf sonstigen Wegen Geld gewinnst, wird dies als Einkommen angesehen und auf deine Hartz 4-Leistungen angerechnet.
 
  • Darf ein Hartz 4-Bezieher Trinkgeld behalten? Nur in gewissem Rahmen: Wer im Nebenjob beispielsweise kellnert oder Zeitungen austrägt und dafür Trinkgeld erhält, darf 10 Euro im Monat anrechnungsfrei für sich behalten.
 

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