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Trotz Krankschreibung im Nebenjob arbeiten und Geld verdienen: Darf ich das?

Von N. Fittkau am 28-02-2017
2 Kommentare | 36909 Aufrufe

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Hast du ein schlechtes Gefühl dabei, in deinem Nebenjob zu arbeiten, wenn du eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vom Arzt bekommen hast? Dann geht es dir wie vielen unserer Leser.

Regelmäßig wird uns von Lesern wieder die Frage gestellt, ob sie es riskieren können, ihren Nebenjob auszuüben, obwohl sie eigentlich offiziell krankgeschrieben sind und aufgrund dieser Krankschreibung nicht in ihrem Hauptjob arbeiten.

Beispielhaft solche Fragestellungen haben uns in der Vergangenheit per E-Mail erreicht:
quote-zitat.pngGuten Tag, ich wüsste gerne, ob ich im Nebenjob arbeiten darf, obwohl ich für den Hauptjob eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung eingereicht habe."
quote-zitat.png" Wenn ich in meinem Hauptjob (Rohrschlosser und Schweißer) nicht bettlägerig krankgeschrieben bin, darf ich trotzdem in meinem Nebenjob geringfügig arbeiten?"

Die Antwort auf solche Fragen ist relativ knifflig, da es kein generelles "Ja" oder "Nein" gibt. Die Beantwortung beginnt grundsätzlich mit einem "Es hängt davon ab, …".

In diesem Artikel stellen wir die verschiedenen Aspekte, von denen die Einschätzung der jeweiligen Situation abhängt, dar. Außerdem möchten wir dir mögliche Vorgehensweisen und einige Denkanstöße an die Hand geben, die dir die Entscheidung für oder gegen deinen Nebenjob während deiner Krankheit leichter machen soll.

 

Im Grundsatz gilt: Wer krankgeschrieben ist und sich "genesungswidrig" verhält, riskiert - mindestens - eine Abmahnung

Wenn der Arzt dich krankschreibt, bekommst du als offizielle Bescheinigung hierfür die "Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung" (kurz "AU"), die du deinem Arbeitgeber vorlegst. Eine solche Krankschreibung erfüllt allerdings nicht nur den Zweck, deinem Arbeitgeber zu bestätigen, dass du nicht in der Lage bist zu arbeiten, sondern auch dazu, die Voraussetzung für deine Genesung zu schaffen. Gleichzeitig hast du als Krankgeschriebener die Verpflichtung, alles zu unterlassen, was verzögern oder verhindern könnte, dass du gesund wirst. Wenn dein Nebenjob also deiner Gesundung im Weg steht, könnte dies deinen Arbeitgeber dazu veranlassen, dir dein vertragswidriges Verhalten unmissverständlich klarzumachen, dich abzumahnen und dir die Kündigung anzudrohen.

Falls du mit deinem Nebenjob ohnehin schon, also auch ohne, dass du krankgeschrieben bist und deine Gesundung gefährdest, gegen arbeitsvertragliche Regelungen verstößst (beispielsweise weil du nebenbei bei der Konkurrenz jobbst), kann dein Chef dir sogar fristlos kündigen.

 

Trotzdem: Einem Nebenjob trotz Krankheit nachzugehen, ist nicht zwingend ein vertragswidriges bzw. gesundheitswidriges Verhalten

Eine wichtige Rolle bei der Beurteilung, ob du trotz Krankschreibung nebenbei jobben darfst, spielt der Grund, aus dem du krankgeschrieben bist und welches Verhalten von dir dazu führen würde, dass du nicht gesund wirst.

Wenn du zum Beispiel in deinem Hauptjob Paketzusteller bist und du krankgeschrieben bist, weil du dir den Fuß gebrochen hast, dürfte einem Nebenjob, bei dem du beispielsweise am heimischen PC Texte für die Lokalzeitung schreibst, nichts im Wege stehen.

Anders stellte es sich in einem Fall dar, den das Arbeitsgericht Köln im Dezember 2014 (Aktenzeichen 2 Ca 4192/13) entschieden hat. Der Arbeitgeber hatte einem krankgeschriebenen Beschäftigten, der während seiner Arbeitsunfähigkeit (wegen gesundheitlicher Folgen von Mobbing am Arbeitsplatz) nachtsüber seinem Nebenjob als DJ nachgegangen war und dabei Alkohol konsumiert hatte, fristlos gekündigt. Der Arbeitnehmer erhob Kündigungsschutzklage, das Gericht allerdings entschied, dass die Kündigung rechtmäßig sei. Das Gericht beurteilte die Nachtarbeit und den Konsum von Alkohol als nicht gesundheitsfördernd – vor allem nicht bei einer Krankschreibung aufgrund von psychischen Problemen.

In einem anderen Fall, dieses Mal vor dem Landesarbeitsgericht Köln, war ein Arbeitnehmer wegen eines Leistenbruchs krankgeschrieben und half trotz der Krankschreibung abends eine Stunde lang bei der Verladung von Zeitungspaketen aus. Der Arbeitgeber kündigte fristlos; er unterstellte, dass der Arbeitnehmer seine Arbeitsunfähigkeit nur vorgetäuscht habe bzw. sich genesungswidrig verhalten habe. Vor Gericht bestätigte der krankschreibende Arzt, dass der Beschäftigte tatsächlich arbeitsunfähig war. Das Gericht beurteilte zwar den Nebenjob des Krankgeschriebenen als Pflichtverstoß, allerdings sei dieser Pflichtverstoß nicht derart schwerwiegend, dass er eine fristlose Kündigung rechtfertige (Aktenzeichen 11 Sa 915/12).

Du siehst: Es hängt immer vom Einzelfall ab, wie die Situation zu beurteilen ist und ob eine Abmahnung oder sogar fristlose Kündigung durch die Ausübung des Nebenjobs gerechtfertigt ist. Dass in der Vergangenheit nicht wenige Streitfälle vor Gericht (und das zum Teil über mehrere Instanzen) landeten, veranschaulicht die Schwierigkeit, solche Fälle rechtssicher zu beurteilen.

 

Unterschätze nicht den emotionalen Aspekt bei Chef und Kollegen, wenn du trotz Krankschreibung im Nebenjob weiterarbeitest

Daneben solltest du dir darüber im Klaren sein, dass selbst in dem Fall, dass dein Nebenjob deiner Genesung nicht im Wege stände, dein Arbeitgeber dennoch unter Umständen mit Unverständnis auf dein fortlaufendes Nebenjobben reagiert und sich wahrscheinlich – gelinde ausgedrückt – wenig begeistert davon zeigen wird. Deinem Chef könnten echte Zweifel an deiner Arbeitsunfähigkeit kommen und falls du bislang ein unverkrampftes und gutes Verhältnis zu deinem Arbeitgeber hast, solltest du dir überlegen, ob du es durch den Nebenjob nicht eventuell zu stark strapazierst.

Sofern dir außerdem die Meinung deiner Arbeitskollegen wichtig ist, solltest du dir auch darüber Gedanken machen, wie dein Nebenjob von ihnen aufgenommen wird. Möglicherweise werden deine Kollegen es nicht verstehen, warum du einerseits zu krank bist, um im Hauptjob zu arbeiten (und deine Arbeit dort liegenbleibt bzw. von anderen miterledigt werden muss), du dich jedoch bei einem anderen Arbeitgeber engagieren kannst.

 

Warum meldest du dich mit der Krankschreibung nicht auch in deinem Nebenjob krank?

Leider wissen viele Minijobber nicht, dass sie im Krankheitsfall auch bei einem Minijob Anspruch auf Lohnfortzahlung haben. Hast du Bedenken, den Chef deines Minijobs auf die Lohnfortzahlung anzusprechen? Wenn dein nebenberuflicher Arbeitgeber weniger als 30 Angestellte hat, mache ihn darauf aufmerksam, dass er einen großen Teil der geleisteten Lohnfortzahlung von der Minijob-Zentrale erstattet bekommt, denn genau zu diesem Zweck führt er eine monatliche Umlage an die Minijob-Zentrale ab.

Kommentare

  • Minijobber:

    03-12-2018

    Woher soll denn der AG wissen, ob man im Nebenjob im Krankheitsfall weiterarbeitet ?

  • Marion Wessels:

    09-10-2018

    Ich bin krank geschrieben, habe aber zur Zeit, Urlaub in meinem Nebenjob. Da ich den noch nicht so lange habe, möchte ich mich dort nicht krankmelden. Das Ergebnis wäre ja eigentlich das Selbe, ich bin zu Hause und kuriere mich aus. Darf ich das, oder muss ich unbedingt meinem Arbeitgeber vom Nebenjob hierüber informieren.


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