Springen Sie über Ihren eigenen Schatten

Für viele Menschen ist es geradezu eine Qual vor eine Gruppe zu treten und einen Vortrag zu halten. Sie sind schon lange vorher aufgeregt und nervös bis Sie kurz vorher von einer großen Unsicherheit übermannt werden. Am liebsten würden sie einen Rückzieher machen und sich wie all die anderen unters Volk mischen – nur nicht im Mittelpunkt stehen und alle Aufmerksamkeit auf sich richten!

Viele kennen diese Unsicherheit bereits aus der Schule. Gehörten Sie auch zu diesen Kandidaten, die grundsätzlich gut in der Schule waren, denen aber immer wieder angelastet wurde, sie würden sich nicht aktiv am Unterricht beteiligen? Warum war das damals so? Die meisten hatten sicherlich Angst davor, etwas Falsches zu sagen, ausgelacht zu werden, sich in den Vordergrund zu stellen oder Nervosität zuzugeben. Es hätte ja als Schwäche ausgelegt werden können.

Das ist sehr schade. Denn häufig zieht sich ein solches Verhalten wie ein roter Faden durch den Rest des Lebens. Die Betroffenen haben auch noch im Erwachsenenalter Angst davor, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Sie sind unsicher in ihrem Auftreten und stehen sich dabei häufig selbst im Weg. Denn eigentlich möchten sie doch ganz anders sein. Sie bewundern andere für ihren Mut und ihre Selbstsicherheit. Doch bei näherer Betrachtung unterscheiden sich diese beiden Typen nur unwesentlich voneinander. Die einen haben lediglich gelernt, über ihren eigenen Schatten zu springen.

Selbstsicherheit ist kein Geschenk des Himmels

Wer glaubt, sicheres Auftreten werde uns in die Wiege gelegt, ist auf dem Holzweg. Wie vieles in unserem Leben müssen wir uns auch dies erarbeiten. Und das ist gut so. Denn so hat jeder die gleiche Chance, etwas für seine Selbstsicherheit zu tun. Niemand ist dazu auserwählt, sich ewig im Hintergrund zu halten. Jeder kann aus sich herauskommen – solange der Wille dazu da ist.

Das Interessante ist, dass fast jeder, der sich in einer größeren Gruppe zu Wort meldet oder einen Vortrag hält, die gleichen Empfindungen hat, wie diejenigen, die von sich selbst behaupten, dass könnten sie nie. Im Grunde hat  jeder Mensch Angst davor, nicht ernst genommen zu werden, die Zuhörer zu langweilen oder sich die Nervosität anmerken zu lassen. Auch diejenigen, die häufiger vor eine Gruppe treten und im Mittelpunkt stehen, sind im Vorweg aufgeregt – auch wenn es nicht so scheint und so unglaublich souverän und routiniert wirkt. Vom Lampenfieber sind Manager ebenso betroffen wie alle anderen. Sie sind es nur gewohnt, sich mit diesem Gefühl auseinanderzusetzen.

Die Angst vor dem, was uns erwartet, blockiert

Häufig machen sich die Menschen die schlimmsten Gedanken darüber, was sie wohl erwarten wird und was alles passieren kann, wenn sie vor eine Gruppe Menschen treten und etwas sagen. Werden sie ernst genommen, wird man ihnen zuhören, werden sie respektiert werden oder ausgelacht? Die Betroffenen denken ständig darüber nach, wie sie auf andere wirken und was diese wohl von ihnen denken könnten. Wir alle wollen respektiert und ernst genommen werden. Doch was wäre wenn… – wer ständig nur darüber nachdenkt, wird es nie erfahren.  Erfahrungen sammeln wir nur durch unser Tun und Handeln.

Wir können vorher nie wissen, was uns erwarten wird. Hinterher sind wir immer schlauer. Aber eben auch nur hinterher. Und das macht uns Angst. Wir fürchten uns davor, Situationen ausgeliefert zu sein, deren Verlauf wir nicht erwartet haben. Da aber niemand vorher weiß, was ihn erwarten wird, sitzen alle im gleichen Boot. Jeder ist vor einem Vortrag, einem großen Meeting oder einer Präsentation aufgeregt – mit dem Unterschied, dass sich die einen der Herausforderung stellen und die anderen sich lieber im Hintergrund halten. Schade…!

 Sicherheit geben Sie sich selbst

Was Furcht oder Unbehagen auslöst, wird auf die sogenannte “lange Bank” geschoben. Das ist schade und nutzlos zugleich. Während die einen nach dem Motto: “Je eher daran, desto eher davon!” verfahren, haben andere die Eigenschaft, unangenehme oder lästige Dinge vor sich her zu schieben, anstatt sich den Herausforderungen zu stellen.

Was Furcht oder Unbehagen auslöst, wird auf die sogenannte “lange Bank” geschoben. Schade und unnütz zugleich, denn in den seltensten Fällen erledigen sich die Dinge von selbst. So wenden die Betroffenen viel Energie und Kraft auf, um in der Theorie nach Lösungsansätzen zu suchen, anstatt die Herausforderung einfach anzunehmen. Hinzu kommt das schlechte Gewissen, das um so stärker wird, je länger die Bewältigung der Aufgabenstellung dauert. Denn die “Drückeberger” wissen durchaus um ihre Aufschiebetaktik und machen sich obendrein noch Selbstvorwürfe – “Hätte ich doch bloß gleich …”, “Warum habe ich nicht schon längst …?”, “Ich wollte doch eigentlich …”!

So kommen zum schlechten Gewissen nicht nur die Selbstvorwürfe, sondern auch der Verlust der Selbstachtung. Denn die Betroffenen nehmen sich in der Regel immer wieder aufs Neue vor, beim nächsten Mal alles anders zu machen und sich der Herausforderung gleich zu stellen. Verschieben sie dann wieder alles auf morgen, verachten sie sich selbst – das Selbstbewusstsein sinkt. Ein Teufelskreis, der schnellstens unterbrochen werden sollte.

Und das können nur die Betroffenen selbst. Nur Sie können sich den berühmten Tritt verpassen und für den nötigen Antrieb sorgen. Werden Sie aktiv und Sie werden sehen, dass Ihre Befürchtungen und Ängste viel größer sind, als das, was Sie wirklich erwartet. Wie oft haben Sie sich schon selbst sagen hören “Das war ja gar nicht so schlimm …!”? Oft? Das ist auch kein Wunder. Denn so schrecklich wie unsere Phantasie ist die Realität nur selten.

Geben Sie sich also einen Schubs und treten Sie in Aktion. Geben Sie Ihrem Selbstbewusstsein eine Chance. Sie werden überrascht sein, wie gut Sie sein können, wenn Sie wollen. Den letzten Schliff müssen Sie sich selbst geben. Denn das Selbstbewusstsein kann uns niemand einreden. Höchstens gut zureden kann man Ihnen, doch Ihr Tun bestimmen Sie selbst.

 Nervosität ist nicht gleich Unsicherheit

Viele Menschen sind der Meinung, ihre Nervosität sei ein Zeichen für Unsicherheit – falsch gedacht. Denn mit  dieser Annahme liegen sie völlig daneben. Oder glauben Sie vielleicht, Manager und Politiker, die Pressekonferenzen geben und Konzepte vor Ausschüssen präsentieren, seien nicht nervös, nur weil sie scheinbar vor Selbstbewusstsein strotzen?

Auch Menschen mit einem ausgeprägten Selbstbewusstsein werden hin und wieder von Nervosität und Unruhe heimgesucht. Niemand ist auf Dauer cool und kann sich seiner inneren Ruhe sicher sein. Manager und Politiker haben von Berufswegen lediglich gelernt, mit diesen Situationen umzugehen. Das können Sie auch.

Steht also wieder einmal ein Meeting oder gar ein Vortrag an, dem Sie mit Entsetzen entgegenblicken, nehmen Sie Ihre Nervosität als das hin, was sie ist – nämlich ganz natürlich. Lassen Sie die Aufregung zu und akzeptieren Sie sie, anstatt ständig verzweifelte Versuche zu unternehmen, diese zu unterdrücken. Das wird Ihnen in den seltensten Fällen gelingen. Und das ist auch gut so! Denn die Nervosität rührt meist daher, dass wir nicht wissen, was uns erwartet. Und trotzdem wollen wir unsere Sache so gut wie möglich machen. Unser Ehrgeiz ist also ein ganz wesentlicher Stressfaktor. Denn wäre es uns egal, wie wir unsere Sache machen und auf andere wirken, würden wir gar nicht erst in Stress geraten und wären von Nervosität weit entfernt. Aber wären wir auch gut?

Häufig ist es gerade die Nervosität, die uns über uns selbst hinauswachsen lässt. Denn sie ist es, die uns oft dazu veranlasst, uns optimal auf unsere Herausforderungen vorzubereiten, so dass unvorhergesehenes uns wenig anhaben kann. Sollten Sie sogar so nervös sein, dass Sie eins und eins nicht mehr zusammenzählen können, ist das auch kein Grund zur Panik. Das Zauberwort heißt Autogenes Training oder ähnliche Entspannungsübungen. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Puls wieder normales Tempo einnimmt und konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche – in der Ruhe liegt die Kraft!

Das in Verbindung mit einer guten Vorbereitung ist das Geheimrezept für einen souveränen, selbstsicheren Auftritt. Versuchen Sie es und Sie werden sehen, wie schnell Sie Ihre Ängste ablegen werden.

 Fordern Sie sich selbst heraus

“Jetzt erst recht!”- diesen Satz sollten Sie sich ganz groß auf die Fahne schreiben. Denn indem Sie über Ihre Ängste und Unsicherheiten nachdenken, haben Sie bereits den ersten Schritt zur Besserung getan. Nun machen Sie auch den zweiten Schritt und stellen Sie sich den Situationen, die Ihnen Unbehagen verursachen. Kaum einem Menschen mangelt es auf der ganzen Linie an Selbstbewusstsein. Doch in den Bereichen, in denen es uns an dem gewünschten sicheren Auftreten fehlt, können wir etwas ändern – solange wir es wollen!

Erinnern Sie sich, wie aufgeregt Sie bei Ihrer Führerscheinprüfung waren? Haben Sie deshalb auf den Führerschein verzichtet? Wahrscheinlich nicht. Sie haben sich der Situation gestellt und Ihr Ziel erreicht. Wie waren danach die ersten Fahrten alleine im Straßenverkehr? Vermutlich wollten die meisten von Ihnen vor Aufregung nicht mehr ans Lenkrad. Die Angst davor nicht schnell genug zu reagieren, den Überblick zu verlieren und ausgebuht zu werden. Eine schreckliche Vorstellung. Und wie steht es heute mit dem Autofahren? Wahrscheinlich kein Problem mehr, denn es ist Routine geworden. Sie haben dazu gelernt. Hätten Sie sich der Situation allerdings damals nicht gestellt, würden Sie noch heute mit Bus und Bahn fahren.

Es ist gar keine Frage, dass uns manche Dinge mehr liegen als andere. Doch nur weil wir uns manchen Herausforderungen nicht auf Anhieb gewachsen fühlen, ist es kein Grund, zu kapitulieren und zu sagen: “Das kann ich nicht!” Wenn Sie etwas wirklich wollen, können Sie es auch. Es wird Sie vielleicht etwas mehr Energie und Bemühungen kosten als andere. Aber dafür liegen Ihre Stärken auf anderen Gebieten, mit denen andere ihre Schwierigkeiten haben.

Zu guter Letzt noch einige abschließende Tipps, wie Sie Ihr Selbstbewusstsein stärken können

  • Um an einem sicheren Auftreten zu arbeiten, ist unumgänglich, sich diesen Situationen immer wieder ganz bewusst zu stellen. Fordern Sie sich selbst heraus. Setzen Sie sich konkrete Ziele.
  • Steht ein Meeting an, nehmen Sie sich fest vor, dieses Mal aktiv zu werden, indem Sie sich an der Diskussion beteiligen. Bringen auch Sie Ihre Vorstellungen und Gedanken ein.
  • Die Angst sich mitzuteilen, hat ihren Ursprung meist in der Befürchtung nicht ernst genommen und mit negativen Reaktionen konfrontiert zu werden. Aber sind diese Ängste berechtigt? Können Sie wirklich mit Bestimmtheit sagen, Sie werden auf Grund Ihrer Nervosität nicht ernst genommen oder niemand hört auf das, was Sie sagen, wenn Sie es nicht probiert haben?
  • Herausfinden können Sie das nur, wenn es “testen”. Springen Sie über Ihren eigenen Schatten.
  • Der Erfolg ist Ihnen in der Regel schon jetzt sicher. Doch eines dürfen Sie dabei auf keinen Fall vergessen: Nehmen Sie Ihre Erfolge auch wahr. Registrieren Sie Ihre Fortschritte und seien Sie stolz auf sich.
  • Und jeder Schritt nach vorne wird Ihnen ein stärkeres Selbstbewusstsein bescheren.
  • Erfolg brauchen wir Ihnen schon nicht mehr zu wünschen. Denn dadurch, dass Sie an sich arbeiten, haben Sie bereits gewonnen – an Erfahrung, Erfolg und vor allen Dingen Selbstbewusstsein. So einfach ist das.

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