NEBENJOB ZENTRALE RATGEBER

Girl at construction site

Viel scheint sich auf dem Arbeitsmarkt nicht zu ändern. Schaut man sich die Entwicklungen und Zahlen der letzten Jahre an, kann da schon mal Frust aufkommen. Vor allem als junge Frau mit den ersten Schritten in die Arbeitswelt. Dabei würde es nicht nur uns zugutekommen, wenn sich endlich etwas verändern würde. Der demografische Wandel bringt einen gravierenden Fachkräftemangel mit sich, dem wir trotz enormer Zuwanderung in den letzten Jahren kaum etwas entgegenzusetzen haben. Dennoch liegt der Anteil der arbeitenden Frauen nach wie vor unter dem der Männer, Frauen finden sich noch immer eher in Teilzeitstellen oder Minijobs wieder als Männer und sind außerdem stärker von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen. Wir schöpfen unsere Möglichkeiten nicht aus. Warum? Weil wir uns alle  immer noch von “geschlechtstypischen” Zuschreibungen einschränken lassen und die notwendigen Rahmenbedingungen für eine gleichberechtigte Teilhabe am Arbeitsleben fehlen.

 

Viermal so viel Teilzeit

Die Zahl der arbeitenden Frauen hat in den letzten Jahren zugenommen, aber das liegt nicht daran, dass mehr von uns einer Vollzeittätigkeit nachgehen. Stattdessen arbeiten wir noch mehr in Teilzeit und in Minijobs als je zuvor. Das bringt eine Menge Schwierigkeiten und Gefahren mit sich, nicht zuletzt Altersarmut, die im Rentenalter auf uns wartet. Viermal so viele Frauen wie Männer arbeiten in Teilzeit, zwei Drittel der Minijobber sind Frauen. Sie arbeiten vor allem im Dienstleistungssektor und im Sozial- und Gesundheitswesen, also in Jobs, die in der Regel wesentlich schlechter bezahlt sind als “althergebrachte Männerdomänen”. Durchschnittlich verdienen Männer knapp 500€ mehr im Monat. In Köln entspricht das der Miete einer 30qm-Einzimmerwohung. Jahrzehntelange Sozialisierung und der Glaube, dass wir Frauen das mit den Kindern schon besser könnten, sorgen bis heute für diese Diskrepanz bei der Berufswahl und der Arbeitszeit, die sich am Ende auf der Lohnabrechnung bemerkbar macht. Kein Wunder also, dass so viele Frauen in Teilzeit arbeiten, denn wenn sich Paare festlegen müssen, wer sich um die Kinderbetreuung kümmert, dann entscheidet in der Regel das Einkommen - und das ist bei Frau meistens niedriger.

Father and child

 

Von Chancen und Dämpfern

Die Gründe, warum jemand in Teilzeit arbeitet, gehen zwischen Männern und Frauen weit auseinander. 57 Prozent der Männer geben Aus- und Fortbildungen und nicht vorhandene Möglichkeiten in Vollzeit zu arbeiten als Gründe für ihre Teilzeitbeschäftigung an. Bei den Frauen sind es nur 18 Prozent, während ihre Hauptgründe die Betreuung von Kindern oder die Pflege Angehöriger sind. Dabei kann sich Mann genauso gut kümmern; die Elternzeit macht es mittlerweile auch für Väter möglich aus dem Berufsleben ganz oder in Teilen auszusteigen, um sich um den Nachwuchs zu kümmern. Seit der Einführung 2007 hat sich der Anteil der Männer, die diese Möglichkeit nutzen, auch enorm gesteigert, doch ist ihre Zahl noch längst nicht auf einem wünschenswerten Niveau angekommen - nämlich so, dass sich der gesetzlich festgelegte Mutterschutz und ein vorübergehender Berufsausstieg der Frau nicht mehr auf ihre Karrierechancen auswirken. Während Männer also vorwiegend dann in Teilzeit arbeiten, wenn sie sich fortbilden und so ihre Karrierechancen erhöhen, erhält die berufliche Planung von Frauen durch eine Teilzeittätigkeit in der Regel einen gehörigen Dämpfer.

 

Wertigkeit von Arbeit und Bildung

Wer in Teilzeit arbeitet, wird vom Arbeitgeber oft schlechter bewertet als ein Vollzeitler, was natürlich die Aufstiegschancen verringert. Das überdurchschnittlich viele Frauen in Teilzeit arbeiten, macht sich hier also ganz klar bemerkbar und ist einer der Gründe, warum in Deutschland immer noch so wenige Frauen Führungspositionen besetzen. Dabei hat vor allem die junge Generation ihre männlichen Mitstreiter in Sachen Bildung schon längst überholt. Aktuell sieht die Arbeitswelt noch so aus: Mehr Männer mit abgeschlossener Hochschulausbildung. Schaut man sich an, wer heute arbeitet, dann ist verständlich woher das kommt, denn der Löwenanteil der Arbeitnehmer liegt altersmäßig irgendwo zwischen 40 und Rente. In diesen Generationen machen sich “geschlechtstypische Bildungswege” noch viel stärker bemerkbar. Doch wer heute als junger Mensch auf den Arbeitsmarkt strömt, ist in der Regel jung, extrem gut gebildet - und weiblich. Wir Frauen legen uns ins Zeug und doch müssen wir bei der Besetzung von Führungspositionen noch immer zurückstecken, obwohl wir mittlerweile genauso gut und häufig sogar besser qualifiziert sind als unsere männlichen Mitstreiter.

Frau

 

Benachteiligung bei der Jobsuche

Doch nicht nur bei der Besetzung von Führungspositionen macht sich ein Fokus auf Männer bemerkbar. Auch in den Jobcentern und bei der Agentur für Arbeit liegt das Hauptaugenmerk häufig auf dem Mann als Hauptverdiener. Gemessen an ihrem Anteil bei der Arbeitslosigkeit entspricht die Beteiligung von Frauen an der Förderung durch sogenannte arbeitsmarktpolitische Maßnahmen nicht ihrer Betroffenheit von Arbeitslosigkeit. Der Gesetzgeber hat festgelegt, dass eine Mindestbeteiligung von 42,5 Prozent für die Förderung von Frauen bestehen muss. 2017 wurde dieser nicht erreicht, obwohl Frauen viel stärker von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen sind. Hinzu kommt, dass Frauen außerdem die meisten arbeitslosen Alleinerziehenden stellen, aber mit der Doppelbelastung von Arbeitssuche und Kinderbetreuung häufig allein gelassen werden, denn wer kümmert sich um den Nachwuchs, wenn die Mutter in einer Fördermaßnahme sitzt? Vorbehalte von Arbeitgebern gegenüber Alleinerziehenden erschweren den Wiedereinstieg in den Beruf zusätzlich. Wenn Frau dann doch endlich eine Stelle bekommen hat, ist sie allerdings wesentlich besser darin, sich diese dauerhaft zu sichern als ihre männlichen Kollegen.



Was tun?

Wir sagen gerne: Es ist 2019, müssen wir immer noch darüber diskutieren? Ja, denn es braucht noch immer eine Menge Veränderung, um wirkliche Gleichberechtigung zu erlangen. Natürlich kann unsere Lösung für den herrschenden Fachkräftemangel nicht sein, dass jetzt plötzlich alle mehr arbeiten, denn schließlich hat man ja auch noch ein Leben. Doch dass der Bedarf an Erwerbstätigen die tatsächliche Anzahl an Arbeitenden um ein Weites übersteigt, ist hinlänglich bekannt. In Teilen könnten wir dem entgegenwirken, wenn wir als Frauen mehr in Vollzeit arbeiten könnten, statt uns mit Teilzeit zufrieden zu geben oder uns in Teilzeit hineindrängen zu lassen. Am Ende sollte es eine persönliche Entscheidung sein, wie und wie viel ich arbeite. Doch diese Entscheidung kann nicht gerecht gefällt werden, wenn die notwendigen Rahmenbedingungen fehlen und uns die Wahl häufig genommen wird, weil es so und nicht so eben besser passt - Stichwort Paare, Einkommen, Kinderbetreuung. Vor allem von letzterer brauchen wir mehr. Hinzu kommt bessere Bezahlung für Fachkräfte. Und schlussendlich sollten wir uns endlich ein für alle Mal von dem Glauben verabschieden, dass es Männer- und Frauenberufe gibt.

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