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Die Zusammenrechnung mehrerer Nebenjobs

Von Nebenjob am 23-04-2007
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Wenn jemand mehr als eine geringfügige Beschäftigung ausübt, stellt sich eher früher als später die Frage nach der Zusammenrechnung dieser Nebenjobs.

Geringfügige Beschäftigungen, also die Minijobs auf 450-Euro-Basis und die von vornherein befristeten Nebenjobs als Saisonbeschäftigung (auch als kurzfristige Minijobs bezeichnet), die von vornherein befristet sind, sind unter sozialversicherungsrechtlichen und steuerrechtlichen Aspekten besonders vorteilhaft. Nun stellt sich für viele, die ihren Nebenjob auf geringfügiger Basis ausüben die Frage, ob es erlaubt ist, mehrere Nebenjobs parallel zu haben, wie viel insgesamt im Nebenjob verdient werden darf, wie und ob die Nebenjobs zusammen gerechnet werden etc.

Hier finden Sie die Grundsätze und einige Beispiele aus der Praxis zur Zusammenrechnung von Nebenjobs.

Geringfügige Beschäftigung: Die Regeln zur Zusammenrechnung

  1. Zusammenrechnung mehrerer Minijobs: Zwei Beispiele
  2. Zusammenrechnung Minijob + Saisonbeschäftigung: Ein Beispiel
  3. Achtung: Minijob bei Hauptbeschäftigung: Nur ein Minijob ist möglich

Die Grundsätze bei der "geringfügigen Beschäftigung": Welche Nebenjobs werden zusammengerechnet?

Geringfügige Beschäftigung gibt es als "geringfügig entlohnte" Minijobs oder als "kurzfristige" Minijobs

Zu den so genannten „geringfügigen Beschäftigungen“ zählt eine Beschäftigung dann, wenn sie entweder „geringfügig entlohnt“ (also ein so genannter Minijob bis 450 Euro Monatsverdienst) oder aber "kurzfristig" (und damit eine Saisonbeschäftigung) ist. Welche Regeln gelten bei der Zusammenrechnung solcher Tätigkeiten?

Denn es kommt durchaus vor, dass ein Arbeitnehmer mehrere Nebenjobs parallel ausübt. Diese Nebenjobs dürfen allerdings nicht bei demselben Arbeitgeber ausgeübt werden. Durch diese Regelung soll verhindert werden, dass eine eigentlich sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufgespalten wird, um Sozialversicherungsbeiträge zu sparen.

Die Kombinationsmöglichkeiten von Nebenjob + Nebenjob sind verschieden

  • Minijob (450-Euro-Job) + Minijob (450-Euro-Job)
  • Minijob (450-Euro-Job) + Saisonbeschäftigung (kurzfristiger Minijob)
  • Saisonbeschäftigung + Saisonbeschäftigung

Es gibt feste Regeln, wann und wie der Verdienst aus den einzelnen Beschäftigungen zusammengerechnet wird.

Die Grundsätze bei der Zusammenrechnung von Nebenjobs

Bei der Zusammenrechnung von mehreren Nebenjobs als geringfügige Beschäftigung gelten folgende Grundsätze:

  • Mehrere geringfügig entlohnte Minijobs (450-Euro-Jobs) werden zusammengerechnet
  • Mehrere kurzfristige Minijobs (Saisonbeschäftigung) werden zusammengerechnet
  • Ein geringfügig entlohnter Minijob (450-Euro-Job) ist nicht mit einem kurzfristigen Minijob (Saisonbeschäftigung) zusammenzurechnen.

Die Folgen der Zusammenrechnung: Bestätigung vom Arbeitgeber

Wenn Sie mehrere Nebenjobs ausüben, werden Sie in der Praxis nicht an der Prüfung der Zusammenrechnung durch die Bundesknappschaft vorbei kommen. Sofern sich bei einer Zusammenrechnung heraus stellt, dass die Beschäftigungen nicht mehr im Rahmen der Geringfügigkeit liegen, werden Beitrags-Nachzahlungen zur Sozialversicherung fällig – für Sie und für Ihren Arbeitgeber in gleicher Höhe.

Um dies zu vermeiden, lassen sich viele Arbeitgeber von ihren geringfügig Beschäftigten schriftlich bestätigen, ob und in welchem Umfang sie weitere Nebenjobs ausüben, um entsprechend darauf reagieren zu können.

 Die Zusammenrechnung mehrerer 450-Euro-Minijobs

Nachfolgend erklären wir die  Zusammenrechnung mehrerer "geringfügig entlohnter Minijobs", also mehrerer  45- Euro-Minijobs, anhand von zwei praktischen Beispielen.

Beispiel 1:  Petra S. hat drei geringfügig entlohnte Minijobs in drei verschiedenen Unternehmen

[notiz]Unternehmen A: Verdienst 75 Euro im Monat
Unternehmen B: Verdienst 110 Euro im Monat
Unternehmen C: Verdienst 90 Euro im Monat

Verdienst aus allen drei Minijobs: Insgesamt 275 Euro im Monat

Ergebnis der Zusammenrechnung: Alle drei Beschäftigungsverhältnisse sind sozialversicherungsfrei.

Der Grund liegt einfach darin, dass Petra S. insgesamt nicht mehr als 450 Euro im Monat verdient. Die Arbeitgeber führen pauschale Kranken- und Rentenversicherungsbeiträge auf das Gehalt ab.

Steuerlich bestehen die Möglichkeiten der Pauschalversteuerung des Entgelts (zwei Prozent durch den Arbeitgeber) oder der Vorlage jeweils einer Lohnsteuerkarte bei den Arbeitgebern.

Beispiel 2: Anders sieht es aus für Lutz B. - er hat zwei Nebenjobs auf 450-Euro-Basis in zwei verschiedenen Unternehmen:

[notiz]Unternehmen A: Verdienst 300 Euro im Monat
Unternehmen B: Verdienst 160 Euro im Monat

Verdienst aus beiden Minijobs: Insgesamt 460 Euro im Monat

Fazit: Beide Beschäftigungsverhältnisse sind sozialversicherungspflichtig.

Obwohl jedes der beiden Beschäftigungsverhältnisse für sich gesehen geringfügig sind, wird bei der Zusammenrechnung die monatliche Höchstverdienstgrenze von 450 Euro überschritten. Es sind für beide Jobs volle Sozialversicherungsbeiträge zu zahlen, jeweils zur Hälfte vom Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Ein Beispiel zur Zusammen­rechnung eines 450-Euro-Minijobs mit einer Saison­beschäftigung

In diesem Beispiel hat Kerstin V. einen unbefristeten Minijob auf 450-Euro-Basis und übernimmt zusätzlich eine Urlaubsvertretung als Saisonbeschäftigung (auch "kurzfristiger Minijob" genannt).

Unternehmen Arbeitszeit Verdienst
A (Minijob auf 450 Euro Basis) 10 Std./Woche 315 Euro/Monat
B (kurzfristiger Minijob / Saisonbeschäftigung) 1.6. bis 30.7. (5-Tage-Woche) 850 Euro

Ergebnis der Zusammenrechnung: Beide Beschäftigungsverhältnisse sind sozialversicherungsfrei.

Der Grund liegt darin, dass keine Zusammenrechnung der Arbeitszeiten und der Entgelte stattfindet. Bei der Tätigkeit bei Arbeitgeber A handelt es sich um einen sozialversicherungsfreien geringfügig entlohnten Minijob, da der Verdienst nicht mehr als 450 Euro monatlich beträgt.

Bei der Tätigkeit im Unternehmen B handelt es sich um eine kurzfristige Beschäftigung (=kurzfristiger Minijob) und die Dauer des Beschäftigungsverhältnisses war von vornherein auf zwei Monate beschränkt. Kerstin V. ist daher auch in dieser Beschäftigung, unabhängig von der Höhe ihres Einkommens während dieser Zeit, von der Sozialversicherung befreit.

Steuerrechtlich gilt, dass Kerstin V. dem Arbeitgeber B eine Steuerkarte (Klasse I) vorlegen muss. Eine pauschale Versteuerung des Gehalts ist nicht möglich, da das Arbeitsverhältnis mehr als 18 zusammenhängende Arbeitstage umfasst. Das Gehalt aus dem Beschäftigungsverhältnis A kann der Arbeitgeber pauschal versteuern, da nicht mehr als 450 Euro im Monat verdient werden

Achtung, wenn Sie bereits einen Minijob zusätzlich zu Ihrer versicherungs­pflichtigen Haupt­beschäftigung ausüben

Wer bereits einen Hauptjob, also eine versicherungspflichtige Hauptbeschäftigung ausübt, kann nur einen Minijob versicherungsfrei ausüben

Eine Zusammenrechnung von Minijobs kommt nicht in Frage, wenn ein Arbeitnehmer bereits einen versicherungspflichtigen Hauptjob ausübt.

In diesem Fall darf nicht mehr als ein Minijob versicherungsfrei ausgeübt werden - auch wenn im ersten Minijob die 450-Euro-Grenze noch nicht ausgeschöpft ist. Jeder weitere Minijob ist versicherungspflichtig und muss unter Vorlage einer zweiten Lohnsteuerkarte versteuert werden - dies gilt auch für den Fall, wenn das Einkommen aus den Minijobs zusammenrechnet unter 450 Euro monatlich liegt.

Welcher der Minijobs versicherungspflichtig ist, kann man sich übrigens nicht selbst aussuchen. Bei der Bestimmung des versicherungspflichtigen Minijobs gilt die Regel, dass immer der zuletzt aufgenommene Job unter die Versicherungspflicht fällt.

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