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Ihr Urlaubsanspruch im Nebenjob

Von S. Egger am 10-10-2018
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Vater und Sohn am Strand

Wusstest du, dass du auch im Nebenjob ein Recht auf bezahlten Urlaub hast?

Häufig werden wir gefragt, wie es denn mit dem Urlaubsanspruch im Teilzeit Job aussieht. Es scheint, als ob weder Arbeitnehmer noch Arbeitgeber über die gesetzlichen Regelungen ausreichend informiert sind. Wenn der Arbeitgeber dann doch mehr als der Angestellte wissen, nutzen dieser die Unwissenheit aus. Die Verunsicherung zu diesem Thema ist groß, dabei ist die Gesetzeslage zum Urlaubsanspruch ganz eindeutig. Laut dem Bundesurlaubsgesetz hat nämlich jeder Arbeitnehmer egal ob Minijob, Nebenjob oder Hauptjob einen Anspruch auf Urlaub. In diesem Artikel haben wir alle Regelungen rund um den Urlaub im Nebenjob für dich zusammengefasst.

 

Du hast jedes Jahr einen gesetzlichen Urlaubsanspruch - auch im Nebenjob.

Laut dem Bundesurlaubsgesetz hat jeder Arbeitnehmer einen Anspruch auf bezahlten Urlaub. Als Arbeitnehmer gelten Arbeiter, Angestellte sowie Personen, die sich in Ausbildung befinden. Pro Jahr stehen dir mindestens 24 Werktage also 4 Wochen Urlaubsanspruch zu. Diese Dauer kann auch nicht durch Arbeits- oder Tarifverträge verkürzt werden. Meist ist in diesen Verträgen aber sowieso ein längerer Urlaubsanspruch vereinbart.

Anders als die Meisten vermuten, hast du auch in deinem Teilzeit Job, Nebenjob und Minijob denselben gesetzlichen Anspruch auf Urlaub wie deine Kollegen, die Vollzeit beschäftigt sind. Der Gesetzgeber sieht hier keinen Unterschied.

Übrigens: Dasselbe gilt auch für Überstundenregelungen oder Sonderzahlungen: Gleiches Recht für alle.

 

Was ist der Unterschied zwischen Werktagen und Arbeitstagen?

Der gesetzliche Urlaubsanspruch ist in Werktagen festgelegt, aber was passiert, wenn im Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag Arbeitstage angegeben sind? Werktage sind alle Tage außer Sonntage und Feiertage - also grundsätzlich 6 Tage pro Woche. Auch der Samstag, der meist arbeitsfrei ist, gilt folglich als Werktag. Werktage sind also nicht das gleiche wie Arbeitstage. In deinem Arbeitsvertrag beziehungsweise Tarifvertrag kann dein Urlaubsanspruch auch in Arbeitstagen angegeben sein. Bei einer 5-Tage-Woche macht es einen Unterschied ob dein Anspruch auf Urlaub in Arbeitstagen oder Werktagen angegeben wird. In deiner 5-Tage-Woche gelten nämlich nur die 5 Tage als Arbeitstage. Das bedeutet also, dass du, sofern Arbeitstage bei einer 5-Tage-Woche festgelegt sind, einen längeren Urlaubsanspruch hast als bei einer Festlegung von Werktagen.

 

Wann kann du dir den Urlaub nehmen?

Prinzipiell kannst du dir den vollen Urlaubsanspruch nach 6 Monaten in deinem neuen Job nehmen. Was passiert jedoch, wenn dein Nebenjob weniger als 6 Monate andauert? Wenn du in eine kurzfristige Beschäftigung beziehungsweise einen Saisonjob hast, endet dein Job bereits vor dem Ablauf der 6 Monate. Es kann jedoch passieren, dass dein Job bereits in der Probezeit beendet wird. In diesen Fällen wird der Urlaubsanspruch wie folgt berechnet.

Berechnung deines Urlaubsanspruchs bei weniger als 6 Monaten Beschäftigungsdauer

Wenn du vor Ablauf der Frist von 6 Monaten deinen Job beendest - egal ob vorhergesehen oder nicht - hast du Anspruch auf ein Zwölftel des Jahresurlaubs für jeden vollen Monat, den du im Unternehmen gearbeitet hast. Bei einer befristeten Beschäftigung (2 Monate) hast du einen Urlaubsanspruch von 4 Tagen.

Dieser Anspruch berechnet sich wie folgt:
24 Tage/Jahr : 12 Monate = 2 Tage Anspruch auf Urlaub/Monat
2 Tage Anspruch auf Urlaub/Monat x 2 Monate Beschäftigung = 4 Tage Urlaubsanspruch

Hängematte

 

Wenn du im Nebenjob Teilzeit beschäftigt bist, wird dein Urlaubsanspruch umgerechnet.

Wenn du nicht Vollzeit arbeitest, wird dein Urlaubsanspruch anteilsmäßig berechnet. Bei dieser Berechnung hilft dir die Urlaub Umrechnungsformel. Natürlich wäre es nicht fair deinen Vollzeit Kollegen gegenüber, dass du wenn du beispielsweise 3 Tage pro Woche arbeitest und dir eine Woche frei nehmen würdest, nur 3 Tage deines tariflichen Urlaubsanspruch benötigst. Es wäre also so, dass du mehr bezahlten Urlaub haben würdest, als du arbeitest.

Häufig sind die Umrechnungen bereits in den geltenden Tarifverträgen festgelegt. Wenn das nicht der Fall ist, kommt die Urlaub Umrechnungsformel zum Einsatz.

Berechnung mit der Urlaub Umrechungsformel

Beispiel 1
Deine vollzeitbeschäftigten Kollegen haben bei einer 5-Tage-Woche ein Urlaubsanspruch von 30 Arbeitstagen. Du arbeitest an 3 festen Tagen pro Woche.

30 Urlaubstage/Jahr : 5 Tage/Woche betriebliche Arbeitszeit x 3 Tage/Woche tatsächliche Arbeitszeit = 18 Urlaubstage pro Jahr

Dir stehen also pro Jahr 18 Tage Urlaub zu. 18 Urlaubstage mit einer Arbeitszeit von 3 Tagen pro Woche bedeutet 6 Wochen Urlaub pro Jahr. Das sind also genau die 6 Wochen, die auch den Vollzeit Angestellten zustehen (30 Urlaubstage/Jahr : 5 Arbeitstage/Woche = 6 Wochen Urlaub).

Beispiel 2
Du arbeitest 2 Tage pro Woche bei einem Urlaubsanspruch von 26 Tagen.

26 Urlaubstage/Jahr : 5 Tage/Woche betriebliche Arbeitszeit x 2 Tage/Woche tatsächliche Arbeitszeit = 10,4 Urlaubstage pro Jahr

Wenn bei der Berechnung keine volle Zahl als Ergebnis herauskommt und die Zahl nach dem Komma mindestens 5 (also 0,5 = ein halber Tag), wird der Anspruch auf Urlaub auf einen vollen Tag aufgerundet. Durch Tarifverträge kann allerdings festgelegt werden, dass eine Abrundung erfolgt. Natürlich kann auch festgelegt sein, dass man generell aufgerundet. Ohne Vereinbarung im Tarifvertrag würdest du bei diesem Beispiel 10 Tage Urlaubsanspruch haben.

 

Wie wird der Urlaubsanspruch berechnet, wenn du flexibel und je nach Arbeitsanfall eingesetzt wirst?

Natürlich hast du auch in diesem Fall einen Anspruch auf bezahlten Urlaub. Dieser wird jedoch anders berechnet. In der Praxis wird die Umrechnung auf Basis einer Durchschnittsermittlung angewandt. Die Durchschnittsberechnung erfolgt meist über einen Zeitraum von 3 Monaten.

Du musst also errechnen, wie viele Arbeitstage pro Woche du tatsächlich während eines Zeitraums von 3 Monaten gearbeitet hast. Dabei ist es nicht wichtig, wie viele Stunden du wöchentlich gearbeitet hast, sondern an wie vielen Tagen. Die Ermittlung des Durchschnittes ist nun die Grundlage für die Urlaub Berechnungsformel.

 

Urlaubsgeld im Nebenjob? In diesen Fällen hast du einen Anspruch darauf.

In machen Fällen hast du auch im Nebenjob einen Anspruch auf ein Urlaubsgeld - zumindest anteilsmäßig. Wenn du Glück hast, besteht neben dem bezahlten Urlaubsanspruch durch den Tarifvertrag oder eine Betriebsvereinbarung ein zusätzlicher Anspruch auf Urlaubsgeld. Wenn in einem dieser Dokumente eine Sonderzahlung festgelegt wurde, hast du aufgrund der Gleichbehandlung auch in deinem Nebenjob ebenso wie deine Kollegen, die Vollzeit tätig sind, Anspruch darauf. Dein Anspruch ergibt sich in diesem Fall jedoch aufgrund deiner Wochenarbeitszeit und  nicht durch deine Wochenarbeitstage.

Berechnung des Urlaubsgeldes im Nebenjob

Deine Vollzeit Kollegen bekommen 250 Euro Urlaubsgeld. Sie arbeiten 38 Stunden pro Woche. Du arbeitest 8 Stunden pro Woche.

250 Euro : 38 Stunden x 8 Stunden = 52,63 Euro Urlaubsgeld

Du hast einen Anspruch auf 52,63 Euro.

 

Weitere Regeln zum Thema Urlaub im Nebenjob

  • Dein Urlaubsanspruch ist ein persönliches Recht. Nur du kannst den Urlaub geltend machen. Du kannst in nicht an Kollegen abtreten und er ist nicht pfändbar.
  • Der während des Kalenderjahres erworbene Anspruch auf Urlaub muss auch während des Kalenderjahres genommen werden. Spätestens muss er jedoch bis zum 31. März des nächsten Jahres eingelöst werden.
  • Bei der Berechnung des Urlaubsanspruchs spielt es keine Rolle, wie viele Stunden pro Tag du arbeitest. Hier kommt es lediglich auf die Arbeitstage pro Woche an.
  • Mehrere befristete Arbeitsverträge bei ein und demselben Unternehmen werden zusammengerechnet, denn hier liegt ein sogenanntes „ununterbrochenes Arbeitsverhältnis“ vor (hierzu zählt auch, wenn du als Aushilfskraft mehrmals auf der Basis sozialversicherungsfreier kurzfristiger Beschäftigungsverhältnisse ohne Lohnsteuerkarte bei einem Arbeitgeber tätig warst).

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