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Mindestlohn und Nebenjob

Von S. Egger am 08-10-2018
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Gehaltsverhandlung

Seit dem 1. Januar 2015 gibt es in Deutschland den gesetzlichen Mindestlohn. Bei der Einführung lag dieser bei 8,50 Euro pro Stunde. Nach 2 Jahren wurde er Anfang 2017 auf 8,84 Euro erhöht. Dieses Minimum gilt übrigens nicht nur für den Nebenjob im gewerblichen Bereich, sondern wird auch für Minijobs im Privathaushalt angewandt. Eine schlechte Nachricht gibt es für einige Personengruppen. Minderjährige Jugendliche, Zeitungsausträger und Langzeitarbeitslose haben unter anderem keinen Anspruch auf die Zahlung des Mindestlohns.

In diesem Artikel findest du alles, was du über Minijob und Mindestlohn wissen musst.

 

Was kannst du tun, wenn der Arbeitgeber den Mindestlohn nicht bezahlen will?

Als erstes solltest du mit deinem Arbeitgeber reden. Weise ihn darauf hin, dass er seit 2015 gesetzlich dazu verpflichtet ist, den Mindestlohn zu bezahlen.  Derzeit (2018) liegt er bei 8,84 Euro pro Stunde. Dieser Betrag steht bis auf wenige Ausnahmen jedem Arbeitnehmer zu. Er gilt folglich auch für Minijobs.

Falls sich dein Arbeitgeber nach dem klärenden Gespräch noch immer weigert, dir den Mindestlohn von 8,84 Euro zu zahlen, solltest du dich an das Bürgertelefon des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales wenden. Dort bekommst du Tipps, wie du weiter handeln solltest. Nach deinem Anruf kann es übrigens möglich sein, dass dein Arbeitgeber offiziell darauf hingewiesen wird, dass er verpflichtet ist den Mindestlohn zu zahlen. Deine Angaben werden natürlich anonym behandelt. Du musst dir also keine Sorgen machen, dass dein Chef davon erfährt, dass du dort angerufen hast.

Unser Tipp: Bei Problemen solltest du dich an die Hotline des Bundesministerium für Arbeit und Soziales (030 60 28 00 28) wenden. Von Montag bis Donnerstag zwischen 8 und 20 Uhr werden dir dort deine Fragen beantwortet.

 

Telefonat

 

Wenn der Mindestlohn ein Bruttolohn ist, was muss mir dann bei meinem Minijob mindestens als Nettolohn ausgezahlt werden?

Dein Arbeitgeber sagt, dass du in deinem Minijob nur 7,50 Euro ausgezahlt bekommst, weil dein Gehalt inklusive der Pauschalabgaben (Krankenversicherung, Rentenversicherung und Steuern) brutto eigentlich weit über 10 Euro pro Stunden liegt? Er sagt also, dass er dir weit mehr als des Mindestlohn pro Stunde bezahlt? Das ist absolut nicht korrekt. Es stimmt zwar, dass der Mindestlohn eine Bruttogehalt Vorgabe ist, dennoch sind bei einem Minijob die Abzüge für Sozialabgaben und Steuern sehr gering. Wenn die Lohnsteuer pauschal berechnet wird, also nicht über deine Lohnsteuerkarte abgerechnet wird, ist sie nur 2 % hoch. Der Arbeitgeber kann die 2 % pauschale Lohnsteuer von deinem Gehalt abziehen. Von diesem Recht machen aber die wenigsten Gebrauch, denn bei einem Stundenlohn von 8,84 Euro beträgt die Lohnsteuer lediglich 18 Cent. Wenn du als Minijob Arbeitnehmer dann noch den Pauschalbeitrag zur Rentenversicherung (15 %), den der Arbeitgeber bezahlt, auf den gesetzlichen Mindestbeitrag zur Rentenversicherung (18,6 %) aufstockst, werden dir bei bei einem Gehalt von 8,84 Euro 32 Cent abgezogen. Dein Arbeitgeber muss dir also selbst bei allen Abzügen einen Mindestlohn von 8,34 pro Stunde (Stand 2018) auszahlen.

 

Werden Sonderzahlungen wie Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld beziehungsweise Zuschläge (für Nachtarbeit oder Sonntagsarbeit) auf den Mindestlohn angerechnet?

Genau zu diesem Thema gibt es ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts von Mai 2016. Unter bestimmten Voraussetzungen dürfen Sonderzahlungen auf den Mindestlohn angerechnet werden. Das gilt jedoch nicht für Zuschläge für besondere Arbeitszeiten  

Wichtig: Außer der Pauschalsteuer (Lohnsteuer und Aufstockung zur Rentenversicherung) dürfen keine weiteren Pauschalbeiträge auf den Minijob Arbeitnehmer abgewälzt werden. Die Pauschalabgaben Sozialversicherung sind allein vom Arbeitgeber zu tragen.

 

Achtung: In manchen Fällen führt die Anpassung des Mindestlohns dazu, dass du im Minijob mehr als die erlaubten 450 Euro pro Monat verdienst.

Es kann tatsächlich vorkommen, dass durch die Anhebung des Mindestlohns die maximale Verdienstgrenze überschritten wird. Falls du durch die Erhöhung die 450 Grenze überschreitest, solltest du aufpassen, denn wenn du mehr als 450 Euro pro Monat verdienst, ist dein Job nicht mehr sozialversicherungsfrei. Es kann also passieren, dass du am Ende des Monats weniger ausbezahlt bekommst als zuvor. Du kannst dieses Problem lösen, indem du deine Arbeitsstunden reduzierst. Bei 8,84 Euro Stundenlohn sind es knapp 51 Stunden (genau sind es 50 Stunden und 54 Minuten) pro Monat - länger kannst du in deinem Minijob nicht arbeiten. Prüfe also bei jeder Erhöhung des Mindestlohns, ob du nicht über die 450 Euro Grenze kommst. Passe gegebenenfalls die Arbeitszeit entsprechend an.

 

Wichtig für alle Jugendlichen unter 18: Schüler haben keinen Anspruch auf einen Mindestlohn im Minijob oder Ferienjob!

Wie immer gilt es: Es gibt keine Regelung ohne Ausnahme - das trifft auch auf den Mindestlohn zu. Für alle, die sich in Ausbildung befinden, und minderjährige Jugendliche gilt der Mindestlohn von 8,84 Euro nicht. Laut Bundesarbeitsministerin gilt die Ausnahmeregelung, weil es sein könnte, dass Jugendliche, die das Bruttomonatsgehalt von 1.520 Euro erhalten, möglicherweise komplett auf ihre Ausbildung verzichten. Es könnte also sein, dass sie sich dazu entschließen, ungelernt einen Mindestlohn Job nachzugehen. Solltest du jedoch bereits deine Ausbildung abgeschlossen haben, gilt das Mindestgehalt für dich, selbst wenn du noch nicht 18 Jahre alt bist.

 

Für Zeitungsausträger, Auszubildende, Langzeitarbeitslose und Co. gibt/gab es Ausnahmen und Übergangsfristen.

  • Für Personen, die sich in Ausbildung befinden, gilt der Mindestlohn nicht. Damit soll verhindert werden, dass die Ausbildungsplätze wegfallen.
  • Auch ehrenamtliche Tätigkeiten sind von der Regel ausgenommen, weil hier das Geld verdienen nicht im Vordergrund steht.
  • Für Langzeitarbeitslose gilt das gesetzliche Minimum erst mit zeitlicher Verzögerung. Solltest du länger als 12 Monate arbeitslos gewesen sein, kann es sein, dass du während der ersten sechs Monate weniger als 8,84 Euro pro Stunde verdienst.
  • Für ein Praktikum gilt folgendes: Du hast nur in Ausnahmefällen einen Anspruch auf den Mindestlohn. Bei einem Pflichtpraktikum, welches begleitend zur Schule, Ausbildung oder dem Studium ist, ist ebenso wie die Ausbildung selbst, ausgenommen von der Regelung. Auch wenn du freiwillig ein Praktikum während deines Studiums absolvierst, welches nicht länger als 3 Monate dauert, bekommst du kein Mindestgehalt. Sollte dein freiwilliges Praktikum jedoch länger als 3 Monate dauern, hast du vom ersten Tag an Anspruch auf 8,84 pro Stunde.
  • Für einige Berufsgruppen wie den Zeitungszusteller gab es eine Übergangsregelung. Seit dem 1. Januar 2018 muss jedoch auch an die Arbeitnehmer in diese Berufsgruppen der Mindestlohn von 8,84 bezahlt werden.

 

Wie lange bleiben die 8,84 Euro? Wann gibt es die nächste Anpassung des Mindestlohns?

Der Mindestlohn wird regelmäßig deutschlandweit angepasst. Alle 2 Jahre trifft sich die Mindestlohnkommission, die aus Vertretern von Arbeitgebern und Arbeitnehmern besteht, um das neue Minimum festzulegen. Da die letzte Anpassung des Mindestlohns am 1. Januar stattfand, wird die nächste Änderung am 1. Januar 2019 sein.

 

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