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Maximale Arbeitszeit: Wie viele Stunden im Nebenjob sind zusätzlich erlaubt?

Von S. Egger am 18-11-2018
3 Kommentare | 27854 Aufrufe

Nebenjob

 

Ist es ein Verstoß gegen das Arbeitszeitgesetz, wenn du nach deinem Vollzeitjob noch drei Stunden täglich einem Nebenjob nachgehst?

Auch die Arbeitszeit reiht sich in die Dinge ein, die in Deutschland durch gesetzliche Regelungen vorgeschrieben werden. Durch das Arbeitszeitgesetz werden die Rahmenbedingungen für die Gestaltung der betrieblichen Arbeitszeit festgelegt.

Besonders für die vielen Arbeitnehmer, die direkt nach ihrem Vollzeitjob noch ein paar Stunden bei einem anderen Arbeitgeber einen Nebenjob ausüben, sind die gesetzlichen Regelungen, die die Arbeitszeit begrenzen, von großer Bedeutung. Denn die Arbeitszeit von Hauptjob und Zweitjob werden zusammengerechnet und auch die Pausenzeiten müssen unter Berücksichtigung beider Jobs eingehalten werden.

 

Der Mindestlohn hat bei den Minijobs eine Arbeitszeit-Debatte ausgelöst

Grundsätzlich ist das Thema Arbeitszeit in Haupt- und Nebenjob immer schon von Bedeutung gewesen und die Grenzen hinsichtlich der maximal möglichen Arbeitszeit haben sich auch nicht geändert. Durch das Mindestlohngesetz jedoch sind Arbeitgeber seit 2015 dazu verpflichtet, für Minijobber detaillierte Stundenaufzeichnungen zu führen. Das sorgt (abgesehen vom bürokratischen Aufwand) für viel Verwirrung bei Nebenjobbern und bei deren Arbeitgebern.

Wir haben in der Vergangenheit eine Vielzahl von Zuschriften bekommen, in denen uns beispielsweise solche Fragen gestellt wurden:

Ich arbeite im Nebenjob in der Gastronomie, sporadisch, wenn eine Veranstaltung stattfindet. Durch die Mindestlohn- und Arbeitszeitdebatte stellt sich mir die Frage: Darf ich zusammen mit Haupt- und Nebenjob wirklich nur zehn Stunden am Tag arbeiten?

oder

Ich arbeite im öffentlichen Dienst und habe seit Jahren eine Genehmigung zur Nebenbeschäftigung als Aushilfsbedienung. Diese Tätigkeit führe ich unter der Woche zwei Mal (zwischen drei bis fünf Stunden) nach meinem Vollzeitjob aus. Am Wochenende arbeite ich nicht. Jetzt wurde mir mitgeteilt, dass ich dies durch die neue Regelung Vollzeitjob + Minijob nicht mehr dürfe. Laut DEHOGA dürfe man nach einem Vollzeitjob nur noch einen Minijob mit 2 Stunden pro Tag ausüben. Der Zoll würde nicht nur die Bezahlung von € 8,84 überprüfen, sondern auch die tägliche Arbeitszeit.

Lies im folgenden, wie lange du laut Arbeitszeitgesetz im Nebenjob tätig sein darfst, nachdem du bereits acht Stunden in deinem Hauptjob gearbeitet hast.

 

Für Arbeitnehmer mit Hauptjob und Nebenjob gelten die folgenden Grenzen bei den Arbeitszeiten

Wörtlich heißt es im Arbeitszeitgesetz:

Die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer darf acht Stunden nicht überschreiten.

Daraus ergibt sich:

  • Die maximale Arbeitszeit pro Woche beträgt 48 Stunden

Weiter heißt es:

Sie kann auf bis zu zehn Stunden nur verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden.

Aus diesem zweiten Satz ergibt sich folgendes:

  • Eine (zeitweilige) Erhöhung der Wochenarbeitszeit auf bis zu 60 Stunden ist möglich, wenn innerhalb eines halben Jahres die Wochenarbeitszeit auf durchschnittlich 48 Stunden ausgeglichen wird.

Außerdem ist in einer Broschüre des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zum Thema Arbeitszeit zu lesen:

Im Durchschnitt acht Stunden – aber nicht mehr als zehn

Grundsätzlich also dürfen höchstens acht Stunden pro Werktag (= Montag bis Samstag) gearbeitet werden. Die Tages-Arbeitszeit darf auf bis zu zehn Stunden verlängert werden – hierbei wird allerdings vorausgesetzt, dass die verlängerte Arbeitszeit innerhalb eines Halbjahreszeitraums ausgeglichen wird.

 

Acht oder zehn Stunden: Wie lange darfst du also längstens pro Tag arbeiten?

Tatsächlich ist die Verunsicherung groß. Wir haben mit der Hotline des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales über die arbeitszeitrechtlichen Regelungen gesprochen. Gemeinsam sind wir zu dem Fazit gelangt, dass das Arbeitszeitgesetz zwar am Grundsatz des Acht-Stunden-Tages festhält, die Arbeitszeit aber flexibel verteilt werden kann. Ohne weiteres kann also bis zu zehn Stunden (selbst an sechs Werktagen) gearbeitet werden, wenn innerhalb eines halben Jahres ein Ausgleich auf werktäglich acht Stunden erfolgt.

Das heißt also, dass die Wochenarbeitszeit maßgeblich ist. Bei einer 5-Tage-Woche beispielsweise bleibt entsprechend ein „Zeitpuffer“ von acht Wochenstunden (da acht Stunden an sechs Werktagen, also 48 Wochenarbeitsstunden in Ordnung gehen). Wer also nur an fünf Tagen in der Woche seinem Vollzeitjob nachgeht und im Anschluss an den Hauptjob noch vier Mal pro Woche jeweils zwei Stunden einem Nebenjob nachgeht, ist auf der rechtlich sicheren Seite, obwohl er ja im Grunde länger als acht Stunden am Tag arbeitet. Fazit: Eine Ausweitung der täglichen Höchstarbeitszeit auf zehn Stunden ist möglich, wenn du die Pausenzeiten und die Ruhezeiten einhältst.

Mann im Nebenjob

 

Ist das wirklich praktikabel: Höchstens zwei Stunden am Tag für den Nebenjob?

Mit den Fragen der beiden Leser, die wir eingangs beispielhaft angeführt haben, wird plausibel, dass eine tägliche Höchstarbeitszeit von zehn Stunden kaum zweckmäßig sein kann. Wenn acht Wochenarbeitsstunden für den Nebenjob in Konformität mit dem Arbeitszeitgesetz zur Verfügung stehen, würden manche Nebenjobber wahrscheinlich lieber an zwei Wochentagen drei oder vier Stunden „dranhängen“, anstatt an vier Wochentagen jeweils zwei Stunden ihrem Zweitjob nachzugehen.

Tipp Sofern dein Vollzeitjob auf einer Fünf-Tage-Woche basiert, kannst du (um mit dem Arbeitszeitgesetz konform zu gehen) den Samstag frei nutzen, um deinem Nebenjob nachzugehen.

Nicht ausschließlich, aber natürlich auch im Gastronomiegewerbe stellt sich die Frage nach der täglichen Höchstarbeitszeit. So fragt beispielsweise die DEHOGA-Geschäftsführerin Ingrid Hartges, ob das Arbeitszeitgesetz nicht an die Wirklichkeit angepasst werden müsse. Die DEHOGA beispielsweise regt an, die tägliche Höchstarbeitszeit von zehn auf zwölf Stunden anzuheben. Es gehe dabei nicht um eine Verlängerung der Gesamtarbeitszeit, betont Ingrid Hartges.

Wahrscheinlich wäre es auch im Sinne aller Nebenjobber, wenn diese freiwillig länger als zehn Stunden am Tag arbeiten dürften, wenn dabei die maximal zulässige Arbeitszeit nicht überschritten würde – dies entnehmen wir zumindest aus den Zuschriften unserer Leser.

 

Achtung: Auch Pausenzeiten bzw. Ruhezeiten müssen zwingend beachtet werden

Zwischen Arbeitsende und dem Arbeitsbeginn müssen mindestens elf Stunden Ruhepause eingehalten werden. Fakt ist also: Ob du am Tag zuletzt im Nebenjob oder im Vollzeitjob arbeitest – nach Feierabend musst du dich ohne Pause elf Stunden lang ausruhen.

 

Welche Konsequenzen hat es, wenn du die Grenzen hinsichtlich der Arbeitszeiten nicht einhältst?

Wenn du mit Haupt- und Nebenbeschäftigung zusammen die maximal möglichen Arbeitszeiten nicht einhältst, kann das unter Umständen schwerwiegende Folgen für dich haben. Denn dein Hauptarbeitgeber hat dafür Sorge zu tragen, dass die Regelungen des Arbeitszeitgesetzes eingehalten werden und kann dir entsprechend deinen Nebenjob verbieten.

Falls dies nicht der Fall sein sollte, drohen deinem Arbeitgeber zum Teil empfindliche Bußgelder.

Kommentare

  • Kristin:

    13-02-2019

    Hallo, darf mein Hauptarbeitgeber einen Stundennachweis von mir anfordern? Vielen Dank im Voraus!

  • Stephanie | NebenJob Zentrale:

    20-11-2018

    Hallo Jochen, Du darfst deine Urlaubstage durchaus für einen Nebenjob nutzen. Der Urlaub soll jedoch zur Erholung dienen und dein Nebenjob darf dies nicht beeinflussen. In diesem Artikel findest du mehr dazu: https://www.nebenjob.de/ratgeber/2477-regeln-fur-arbeitnehmer-mit-nebenjob-und-hauptjob Liebe Grüße, Stephanie

  • Jochen:

    18-10-2018

    Wie sieht es bitte mit meinen Urlaubstagen aus? Darf ich meinen Urlaub für meinen Nebenjob nutzen? Herzlichen Dank und viele Grüße!


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