NEBENJOB ZENTRALE
RATGEBER


​Artikel

Minijob und Krankenversicherung: Das sollten Sie wissen

Von Nebenjob am 18-07-2016
0 Kommentare | 9323 Aufrufe

20180905-30461-1keh85l_1536128818.jpg

Durch einen Minijob sind Sie nicht automatisch krankenversichert. Für Ihre Krankenversicherung müssen Sie also anderweitig sorgen – wir zeigen Ihnen, wie es geht


Im Hinblick auf die Regeln bei der Sozialversicherung und der Versteuerung sind die Minijobs auf 450-Euro-Basis ganz besondere Beschäftigungsverhältnisse, denn für die Krankenversicherung und Rentenversicherung führt der Arbeitgeber pauschale Beiträge ab - und auch die Steuer wird im Regelfall pauschal erhoben.

Nun aber kommt häufig einmal wieder die Frage auf, ob man denn durch einen Minijob krankenversichert sei. Die Antwort ist einfach: Nein, sind Sie nicht. Als Minijobber müssen Sie also auf einem anderen Weg für Ihre Krankenversicherung sorgen. Wie Sie dies machen können und und weitere Tipps zum Thema Minijob und Krankenversicherung lesen Sie in diesem Artikel.

Brutto gleich Netto: Ein Minijob hat viele Vorteile


Den wahrscheinlich größten Vorteil bei dieser Jobart sehen die meisten Minijobber in der Tatsache, dass der Verdienst fast gänzlich ohne Abzüge ausbezahlt wird. Denn in der Regel werden Minijobs mit 2% pauschal versteuert, also nicht über eine Lohnsteuerkarte abgerechnet und selbst diesen Betrag (es sind "nur" 9 Euro beim vollen Verdienst von 450 Euro) trägt in den meisten Fällen der Arbeitgeber.



Mit den Beiträgen zur Sozialversicherung läuft es ganz ähnlich wie mit der Steuer. Zwar führt der Arbeitgeber (unter anderem) einen Pauschalbeitrag zur Krankenversicherung (in Höhe von zurzeit 13%) an die Minijob-Zentrale ab, anders jedoch als bei '"normalen" sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen werden die Beiträge jedoch von Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht zu gleichen Teilen getragen, sondern der Arbeitgeber ist verpflichtet, diese Kosten in voller Höhe allein zu tragen.


 

Auch interessant:

 

Mit Online-Umfragen oder als Produkttester Geld verdienen mehr lesen







Ähnlich verhält es sich bei der Rentenversicherung – wer sich von der Rentenversicherungspflicht im Minijob befreien lässt, zahlt als Arbeitnehmer gar nichts, wer nicht darauf verzichtet, trägt lediglich einen kleinen Differenzanteil von zurzeit 3,6%.


Trotz der pauschalen Beiträge zur Krankenversicherung sind Sie durch den Minijob nicht krankenversichert: Hier greifen Familienversicherung & Co.


Es mag vielleicht paradox klingen, aber obwohl Ihr Chef Beiträge zur Krankenversicherung abführt, sind Sie dadurch nicht automatisch versichert. Dieser Sachverhalt stellt allerdings für die meisten Minijobber überhaupt kein Problem dar, denn sie sind bereits auf anderem Weg krankenversichert.

Zum einen gibt es die große Gruppe der Zweitjobber, die bereits durch ihren sozialversicherungspflichtigen Hauptjob krankenversichert sind. Wer ohne Hauptjob ist, beispielsweise Hausfrauen (oder -Männer) oder auch Studenten, sind oftmals über die kostenlose Familienversicherung ihres Ehepartners oder der Eltern mitversichert.



Studenten, für die eine kostenlose Familienversicherung nicht mehr möglich ist, haben es relativ leicht, für ihren Versicherungsschutz zu sorgen: Für sie ist eine Alternative der Abschluss einer günstigen studentischen Krankenversicherung.

Bei Arbeitslosen, die Arbeitslosengeld bekommen, trägt die Bundesagentur für Arbeit die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung. Das geht automatisch, sobald der Leistungsbescheid für Arbeitslosengeld bewilligt wurde.

Doch was ist in dem Fall, wenn Sie trotz all dieser Möglichkeiten nicht in den Genuss einer Krankenversicherung kommen? Auch für diesen Fall gibt es eine Lösung – und die lautet "Midijob".

Wer keine Krankenversicherung hat, sollte darüber nachdenken, ob ein Midijob nicht die bessere Lösung darstellt


Wer über kein geregeltes Einkommen verfügt, nicht familienversichert ist, keine studentische Krankenversicherung abgeschlossen hat und auch nicht arbeitslos (und damit über die Agentur für Arbeit versichert) ist, muss die Sache selbst in die Hand nehmen. Und in solchen Fällen ist es oftmals besser, anstelle eines Minijobs lieber sozialversicherungspflichtig in einem Midijob zu arbeiten.

Denn um eine Krankenversicherung kommen Sie nicht herum: Seit 2009 besteht in Deutschland die Verpflichtung, für den persönlichen Krankheitsschutz zu sorgen und sich, falls notwendig, in Eigenregie bei einer gesetzlichen oder privaten Krankenkasse zu versichern – und das gilt eben auch für alle Minijobber ohne bestehende Krankenversicherung. Und in dem Fall, dass Ihr Einkommen geringer sein sollte: Der Gesetzgeber setzt ein Minimum von 1.015 Euro (Stand 2018) als fiktives Mindesteinkommen an, das der Beitragsberechnung zugrunde gelegt wird. Und so ergibt sich eine Mindestbelastung von rund 148,19 Euro monatlich.

Diese Kosten lassen sich relativ einfach vermeiden. Ein monatlicher Mehrverdienst von einem Euro führt dazu, dass aus dem sozialversicherungsfreien Minijob ein sozialversicherungspflichtiger Midijob wird. Dieser Umstand ist zwar von vielen Minijobbern nicht gewollt, für alle jedoch, die keine Möglichkeit haben, auf anderen Wegen für ihre Krankenversicherung zu sorgen, kann er die ideale Lösung aus dem Krankenversicherungs-Dilemma sein.

Denn Jobs, bei denen der Verdienst in der Gleitzone zwischen 451 (streng genommen bei 450,01) und 850 Euro liegt (übrigens auch "Gleitzonenjob" oder "Niedriglohn-Job" genannt), werden grundsätzlich über eine Lohnsteuerkarte abgerechnet. Auch die Beiträge zur Sozialversicherung werden nicht mehr pauschal wie bei einem Minijob, sondern von beiden Seiten, also vom Arbeitgeber und vom Arbeitnehmer, getragen. Allerdings ist der Beitragsanteil für den Arbeitnehmer reduziert und steigt innerhalb der Gleitzone bis zu einem Gehalt von 850 Euro progressiv an, der Anteil des Arbeitgebers dagegen liegt beim immer gleichen Prozentsatz. Der Vorteil bei einem solchen Niedriglohn-Job liegt auf der Hand: Durch einen Midijob sind Sie voll krankenversichert, ohne dass volle Versicherungsbeiträge fällig werden.

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar.


Kommentar hinzufügen