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Selbstständiger Nebenjob: Was kann ich von der Steuer absetzen?

Von Nebenjob am 08-08-2017
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Fahrtkosten, Arbeitszimmer, Arbeitsmittel, Telefonkosten etc. - wer im Zweitjob als Selbstständiger Geld verdient, kann verschiedene Kosten als Betriebsausgabe geltend machen


Der Minijob auf 450 Euro Basis ist unbestritten immer noch ein Klassiker unter den Möglichkeiten, wie sich ein Nebenverdienst erarbeiten lässt. Und trotzdem ist es so, dass die Zahl der alternativen Jobvarianten, mit denen jedermann, der einen PC oder ein Handy besitzt, nebenberuflich ohne Minijob und Arbeitgeber Geld verdienen kann, tagtäglich zunimmt. Man denke nur an die vielen Blogger, YouTuber, Shopbetreiber, Instagramer etc. und beispielsweise auch an all die Menschen, die im Direktvertrieb nebenbei Geld verdienen.

Eines hat diese Gruppe von Nebenjobbern gemeinsam: Sie verdienen ihr Geld auf selbstständige und eigenbestimmte, aber eben auch auf eigenverantwortliche Weise - und das, obwohl viele von ihnen gar keinen selbstständigen Nebenjob in Sinn hatten. Möglich wurden viele der neuen, eigenständigen Jobs übrigens erst durch das Internet – genauso wie vieles andere, das vor einiger Zeit noch völlig undenkbar war.

Ein selbstständiger Nebenjob bringt nicht nur Verpflichtungen, sondern auch Vorteile mit sich


Sie erkennen sich an dieser Stelle als selbstständiger Nebenjobber wieder und angesichts der Tatsache, dass Sie als Selbstständiger eingestuft werden, bricht leichte Panik bei Ihnen aus? Selbst, wenn Sie Verpflichtungen wie einer Gewerbeanmeldung oder dem Ausweis des nebenberuflichen Gewinns in Ihrer Steuererklärung lieber aus dem Weg gehen möchten, sollten Sie jetzt keinesfalls so weit gehen, Ihren Nebenerwerb in Frage zu stellen.

Denn es gibt einige nicht zu unterschätzende Vorteile, wenn Sie einen selbstständigen Nebenjob ausüben anstelle eines Minijobs. Ein großer Pluspunkt ist für viele selbstständige Zweitjobber, dass sie relativ frei selbst darüber bestimmen können, ob, wann, wo und wieviel sie arbeiten. Mit dem Pro und Contra eines selbstständigen Nebenerwerbs im Vergleich zu einem Minijob haben wir uns im Detail bereits im Artikel Online Geld verdienen oder Minijob? Das fragen sich Jobsuchende immer häufiger befasst.

Doch darum soll es in diesem Artikel nicht gehen. Diesen Beitrag widmen wir dem steuerlichen Aspekt der nebenberuflichen Selbstständigkeit. Welche Kosten lassen sich von der Steuer absetzen bzw. als Betriebsausgabe verbuchen?

Auch wer "nur" nebenbei selbstständig ist, muss seinen Gewinn ermitteln – und so geht's


Keine Angst, die Gewinnermittlung für die so genannten Kleinunternehmer, die im Jahr unter 17.500 Euro einnehmen, ist gar nicht kompliziert. Denn Sie müssen keine Einnahmen-Überschuss-Rechnung oder eine komplizierte Buchführung praktizieren.



Für die Gewinnermittlung reicht es aus, wenn Sie den Regeln der "einfachen Buchführung" folgen – und die einfache Buchführung ist tatsächlich einfach. Die Vorgehensweise können Sie sich ähnlich vorstellen, wie es ist, ein Haushaltsbuch zu führen: Sie listen Ihre Einnahmen und Ausgaben chronologisch auf und bewahren alle damit im Zusammenhang stehenden Zahlungsbelege sowie die Korrespondenz auf.

Nachdem das geklärt ist, wollen wir uns damit befassen, was Sie denn als Ausgaben geltend machen können.


Acht Dinge, die Sie bei einem selbstständigen Nebenjob von der Steuer absetzen können


Natürlich möchten Sie mit einem Nebenjob Geld verdienen und nicht, dass der Nebenjob Geld kostet. Also hört es sich vielleicht erst einmal nicht ganz so gut an, wenn Sie Ihren Gewinn aus dem selbstständigen Nebenjob in Ihrer Steuererklärung angeben müssen. Gewinn heißt allerdings auch, wie gerade beschrieben, dass Sie Ihre Ausgaben absetzen können. Entsprechend haben wir nachfolgend eine Liste der Ausgaben zusammengestellt, die Sie Ihren Einnahmen aus dem selbstständigen Nebenjob entgegensetzen können.

Nutzen Sie für Ihren selbstständigen Nebenjob ein Arbeitszimmer in Ihrem Zuhause?


Wenn Sie für Ihre Nebentätigkeit in Ihrer Wohnung ein separates Arbeitszimmer nutzen, (das allerdings von Ihrem privaten Wohnraum räumlich abgegrenzt sein muss, eine Schreibtischecke im Schlafzimmer beispielsweise reicht nicht aus), dann können Sie die Kosten, das heißt die anteiligen Ausgaben für Strom, Gas, Wasser, Miete etc., als Betriebsausgabe geltend machen.

Wenn Sie einen Hauptjob als Angestellter ausüben, werden Sie höchstwahrscheinlich jedoch den überwiegenden Teil Ihrer Arbeitszeit bei Ihrem Hauptarbeitgeber ableisten und nicht in Ihrem häuslichen Arbeitszimmer. In diesem Fall ist das Arbeitszimmer der Mittelpunkt Ihrer gesamten beruflichen Tätigkeit (angestellt und selbstständig) und damit sind die absetzbaren Kosten auf eine Gesamthöhe von 1.250 Euro im Jahr gedeckelt.

Kein Arbeitszimmer zu Hause? Auch die Kosten für ein Coworking Space sind Betriebsausgaben


Coworking ist inzwischen nicht mehr nur ein Trend, sondern Normalität geworden – und das gilt auch für viele Nebenberufler. Wer sich zeitweise in einem Coworking Space einmietet, kann diese Kosten als Betriebsausgabe geltend machen.

Arbeitsmittel: Von der Büroklammer bis zum Notebook


Sofern Arbeitsmittel erster Linie, das heißt zu mindestens 90%, für die Arbeit, also den selbstständigen Nebenerwerb eingesetzt werden, sind sie als Betriebsausgabe absetzbar.

Während die nicht ganz so kostenintensiven Arbeitsmittel, die bei der Anschaffung bis zu 410 Euro netto gekostet haben, sofort – also noch im Anschaffungsjahr – als Kosten gegengerechnet werden können, müssen teurere Arbeitsmittel über einen längeren Zeitraum abgeschrieben werden.

Fortbildung kann nicht nur persönlich, sondern auch steuerlich etwas bringen


Natürlich kann es auch unabhängig von steuerlichen Aspekten sehr sinnvoll sein, in Weiterbildung zu investieren. Wenn die Weiterbildung jedoch einen reellen Sachbezug zu Ihrem selbstständigen Nebenjob hat, lassen sich die Kosten hierfür sogar als Betriebsausgabe absetzen.

Telefonkosten


Sofern Sie Ihren privaten Telefonanschluss auch betrieblich nutzen, können Sie die Kosten hierfür als Ausgabe von Ihrem Gewinn abziehen. Damit das gelingt, können Sie beispielsweise Ihre beruflich geführten Gespräche über einen Einzelverbindungsnachweis geltend machen und die tatsächlich entstandenen Kosten absetzen. Wenn Ihnen das zu umständlich ist, können Sie alternativ pauschal 20 Prozent des Rechnungsbetrages als Betriebsausgabe absetzen.

Bewirtungskosten


Wer sich zum Umtrunk oder zu einem Geschäftsessen mit seinen Geschäftspartnern trifft, kann dies von der Steuer absetzen. 70 Prozent der Rechnung können als Betriebsausgabe gelten gemacht werden – allerdings dürfen Sie nicht vergessen, auf dem Beleg den Ort, den Anlass und die Teilnehmer aufzuführen.

Inwieweit lässt sich das Handy als Betriebsausgabe absetzen?


Hier verhält es sich ähnlich wie mit den Telefonkosten: Sie können die Kosten für die Handynutzung keinesfalls in voller Höhe als Betriebsausgabe absetzen. Bei der Absetzbarkeit spielt eine große Rolle, inwieweit Sie Ihr Handy für Ihre selbstständige Tätigkeit nutzen.

Wer die Anschaffungskosten seines Handys als Betriebsausgabe absetzen möchte, für den empfiehlt es sich, zumindest über einen gewissen Zeitraum von beispielsweise drei Monaten ein Handy-Nutzungstagebuch zu führen. Auf diese Weise können Sie den Anteil der geschäftlichen Nutzung Ihres Smartphones nachweisen.

Fahrtkosten


Wer mit seinem privaten Pkw für seinen Nebenberuf unterwegs ist, kann die Kosten, die hierbei entstehen, als Betriebsausgabe absetzen – beispielsweise über die Kilometerpauschale von 30 Cent pro gefahrenen Kilometer. Auch wer öffentliche Verkehrsmittel wie Bus oder Bahn benutzt, kann die entstandenen Kosten geltend machen. Voraussetzung für die Absetzbarkeit ist allerdings, dass Sie belegen, dass die Fahrten betrieblich veranlasst sind – etwa über ein Fahrtenbuch, Fahrtkosten oder Reisekostenabrechnungen.

Vorsicht bei "Liebhaberei": Wer mit einem selbstständigen Nebenjob dauerhaft Verlust macht, hat nichts davon


Falls unterm Strich statt eines Gewinns ein Verlust aus der selbstständigen Tätigkeit resultiert, werden diese Verluste aus der selbstständigen Tätigkeit mit den anderen Einkünften (beispielsweise aus dem nichtselbstständigen Hauptjob) verrechnet. Wer jetzt allerdings auf den Gedanken kommen sollte, mit seinem selbstständigen Nebenjob einfach dauerhaft Verluste zu machen, um so seine Einkünfte aus anderen Einkommensarten zu schmälern, sollte diesen Gedanken sofort wieder verwerfen. Denn wenn über einen längeren Zeitraum ausschließlich Verluste entstehen, geht das Finanzamt früher oder später davon aus, dass sie lediglich ein Hobby ("Liebhaberei") betreiben. Bereits im zweiten Jahr, in dem Sie einen Verlust ausweisen, können Sie mit einem Vermerk des Finanzamts rechnen und Sie bekommen den Hinweis, dass der Steuerbescheid im Hinblick auf die Gewinnerzielungsabsicht Ihrer selbstständigen Tätigkeit vorläufig ist. Wenn Sie daraufhin weiterhin Verluste erzielen, können sogar Ihre in den Vorjahren geltend gemachten (und vorläufig akzeptierten) Verlust wieder eingefordert werden.







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