Es wirkt sich auch auf viele Minijobs aus, dass der Mindestlohn ab Anfang 2017 auf 8,84 Euro steigt. Lesen Sie, was Sie unbedingt beachten sollten und wie viel mehr Geld Sie verdienen werden.

Die Mindestlohn-Kommission hat um jeden Cent gefeilscht und nun ist es amtlich: Der gesetzliche Mindestlohn wird ab dem 1. Januar 2017 von zurzeit 8,50 Euro um 34 Cent auf dann 8,84 Euro angehoben. Die Kommission, die sich aus Gewerkschaften und Arbeitgebern zusammensetzt, kommt alle zwei Jahre zusammen, um über eine flächendeckende Lohnuntergrenze zu verhandeln. Nachdem im Januar 2015 der gesetzliche Mindestlohn eingeführt wurde, wird er nun erstmals angepasst.

Die geplante Erhöhung ist auch für viele Minijobber ein Thema, denn laut Statistischem Bundesamt kam der Mindestlohn bei seiner Einführung rund 2,2 Millionen Minijobbern zugute. Wir sagen Ihnen, auf was Sie bei Ihrem Minijob 2017 im Zusammenhang mit der geänderten Lohnuntergrenze achten müssen.

Außerdem rechnen wir beispielhaft nach, ob und inwieweit sich die 34 Cent Mehrverdienst lohnenswert auf eine nebenberufliche Beschäftigung auswirken. Als Vergleichswert, wie sich 34 Cent bei einem Vollzeitjob bemerkbar machen, möchten wir an dieser Stelle schon einmal vorwegschicken: Wer wöchentlich 37,5 Stunden arbeitet, hat am Monatsende 55 Euro mehr verdient.

34 Cent bzw. 8,84 Euro: Warum diese krumme Summe?

Wie gesagt: Es wurde um jeden Cent gerungen. Tatsächlich liegt das Ziel der Gewerkschaft bei einer Lohnuntergrenze von 9 oder sogar 10 Euro, fürs Erste allerdings sind auch die Gewerkschaften mit dem Kompromiss zufrieden.

Die Erhöhung ist übrigens nicht das Ergebnis von Tarifverhandlungen, sondern sie wird aus den Entwicklungen der Tariflöhne nachvollzogen – und bei den vorangegangenen Abschlüssen lag die Lohnsteigerung bei 3,2 Prozent. So gesehen handelt es sich beim Mindestlohn ab 2017 nicht um eine krumme, sondern vielmehr um eine runde Summe: 34 Cent ergeben rechnerisch eine Erhöhung von genau 4 Prozent. Der Betrag, auf den sich die Kommission festgelegt hat, hätte also auch geringer ausfallen können.

Und das bedeutet der neue Mindestlohn für den Minijob 2017

Eines vorweg: Wer bereits jetzt 8,84 Euro oder mehr in der Stunde verdient, für den ändert sich nichts. Denn nur, wer weniger verdient, dessen Gehalt muss spätestens zum 1. Januar 2017 nach oben angepasst werden. Was zunächst einmal gut klingt, kann sich auf der anderen Seite als folgenschwer erweisen. Wenn Sie nämlich durch die Anhebung ab dem nächsten Jahr mehr als 450 Euro im Monat verdienen, ist Ihr sozialversicherungsfreier Minijob in höchster Gefahr.

Auf dieses Problem hatten wir bereits bei der Ersteinführung des Mindestlohnes hingewiesen. Gegebenenfalls können Sie diesen unerwünschten Nebeneffekt vermeiden, indem Sie Ihre Arbeitszeit ab dem kommenden Jahr reduzieren.

Wichtig Viele grundsätzliche Infos zum Thema Mindestlohn und Minijob, die auch in 2017 relevant und wichtig sind, können Sie ausführlich in unserem Ratgeber-Beitrag Mindestlohn und Nebenjob nachlesen.

Rechenbeispiele für Minijobs: So viel mehr Geld ist ab 2017 drin

Klar – so richtig Kohle scheffeln lässt sich mit einem Mehrverdienst von 34 Cent in der Stunde nicht unbedingt. Trotzdem: Sie verdienen mehr Geld, ohne dass Sie etwas dafür tun müssen. Wie viel das ist, also inwieweit sich dieser Centbetrag auf Ihren Minijob-Verdienst auswirken kann, haben wir an zwei Beispielfällen berechnet.

Wobei Sie auch immer im Hinterkopf haben sollten, dass bei pauschal besteuerten 450-Euro-Minijobs der Hinzuverdienst brutto für netto, also ohne Abzüge ausgezahlt wird (es sei denn, Sie stocken den Rentenversicherungsbeitrag auf, in diesem Fall steigt der von Ihnen zu tragende Rentenversicherungs-Anteil von jetzt 31 Cent ab Januar 2017 auf 33 Cent an).

Rechenbeispiel1: Minijob als Zweitjob neben dem Vollzeitjob

Wer seinen Minijob neben einem Vollzeitjob ausübt, ist wahrscheinlich zeitlich relativ eingeschränkt, um zusätzliches Geld zu verdienen. Denkbar ist beispielsweise, dass ein solcher Minijobber an Samstagen für sechs Stunden in seinem Nebenjob arbeitet. Wenn er dabei zurzeit 8,50 Euro pro Stunde verdient, beträgt sein Hinzuverdienst im Monat entsprechend 219,30 Euro. Ab 2017 bekommt er 8,84 Euro in der Stunde – nach Adam Riese ergeben sich so 228,07 Euro – also hat dieser Minijobber am Ende des Monats 8,77 Euro mehr in der Tasche. Oder andersherum ausgedrückt: Unser Beispiel-Minijobber bekommt 2017 durch die Mindestlohn-Erhöhung den Geldwert einer Arbeitsstunde geschenkt.

Rechenbeispiel2: Dieser Minijobber ohne Hauptjob hat mehr Zeit für seinen Nebenjob

Nun gibt es, wie wir eingangs geschrieben hatten, nicht nur die nebenberuflichen Zweitjobber, sondern auch diejenigen Personen, die ausschließlich einem Minijob nachgehen und die damit deutlich mehr Zeit zum Jobben haben. Angenommen, ein solcher Minijobber arbeitet 10 Stunden in der Woche zum Mindestlohn – monatlich kommt er damit zurzeit auf einen Gesamtverdienst von 365,50 Euro. Der erhöhte Mindestlohn beschert ihm ein Gehaltsplus von 14,62 Euro im Monat – in der Summe bekommt er 380,12 Euro.

Achtung Ab einer Arbeitszeit von 12 Wochenstunden wird es kritisch, denn der neue Mindestlohn führt dazu, dass sich bei dieser Arbeitszeit statt 438,60 Euro ein Monatsverdienst in Höhe von 456,14 Euro ergibt. Und das sprengt die monatliche Verdienstgrenze für Minijobs.

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