Wenn ein Teilzeitjob nicht reicht, können Sie auch zwei Teilzeitjobs (beispielsweise anstelle einer Vollzeitstelle) gleichzeitig ausüben. Was Sie dabei rechtlich und finanziell wissen müssen, lesen Sie hier.

Teilzeitarbeit ist angesagt. In Zahlen drückt sich der Trend so aus: In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Zahl der Teilzeitjobs nahezu verdoppelt, während die Zahl der Vollzeitstellen abgenommen hat. In Deutschland sind es rund 40 Prozent der Arbeitnehmer (das sind 15 Millionen Menschen), die nicht Vollzeit, sondern in Teilzeit Geld verdienen.

Die Gründe dafür, als Teilzeitbeschäftigter zu arbeiten, sind übrigens bei Männern und Frauen durchaus unterschiedlich: Während die Verkürzung der Arbeitszeit bei Frauen meist familiäre Gründe (wie zum Beispiel die Betreuung der Kinder) hat, liegt bei Männern der Grund häufiger darin, dass sie keinen Job in Vollzeit finden können.

Was macht ein Arbeitsverhältnis offiziell zu einem „Teilzeitjob“?

Ein paar Worte zur Definition von Teilzeitjobs vorweg. „Teilzeit“ bedeutet, dass weniger als die tariflich oder vertraglich normalerweise vereinbarte Arbeitszeit gearbeitet wird. Demzufolge sind in den eingangs erwähnten Zahlen zur Teilzeitbeschäftigung in Deutschland auch die mehr als sieben Millionen Minijobber enthalten.

Da es sich bei den Minijobs (auch “geringfügige Beschäftigung” genannt) jedoch um eine besondere Form von Teilzeitarbeit handelt, möchten wir in diesem Artikel die Minijobs aus der Betrachtung ausklammern.

Dieser Beitrag beleuchtet den rechtlichen Aspekt von Teilzeitarbeit, die anfallenden Steuern bzw.  die Abzüge, die sich bei zwei sozialversicherungspflichtigen Teilzeitstellen ergeben sowie die Kombinationsmöglichkeiten von Teilzeitjobs mit Minijobs.

Abschließend zur Statistik noch eine kleine Randnotiz: Teilzeitbeschäftigung ist eine echte Frauendomäne, denn es arbeiten deutlich mehr Frauen als Männer in Teilzeit.

Zwei Teilzeitstellen für eine Person – geht das überhaupt und ist das sinnvoll?

Grundsätzlich ist es kein Problem, in zwei Teilzeitjobs zu arbeiten. Allerdings sollten Sie, bevor Sie einen zweiten Teilzeitjob annehmen, einen Blick in den Arbeitsvertrag Ihres ersten Jobs werfen. Denn dort könnte vertraglich festgehalten sein, dass Sie Ihren Arbeitgeber vor der Aufnahme einer weiteren Tätigkeit über Ihr Vorhaben zumindest informieren müssen, wenn Sie nicht sogar dessen Zustimmung benötigen.

Nachdem nun Ihr erster Arbeitgeber zugestimmt hat, muss zusätzlich auch der zweite, neue Arbeitgeber damit einverstanden sein, dass Sie zwei Arbeitsstellen gleichzeitig haben.

Tipp Es bietet sich an, dessen Zustimmung als Zusatz unmittelbar im Arbeitsvertrag zu integrieren – das ist unter Umständen am einfachsten.

Auch Teilzeitangestellte dürfen die laut Arbeitszeitgesetz maximal erlaubte Arbeitszeit nicht überschreiten. Laut gesetzlicher Vorgabe darf die Arbeitszeit je Werktag nicht über acht Stunden hinausgehen. Zeitweilig darf sie zwar auf 60 Wochenstunden erhöht werden, dies allerdings nur, sofern innerhalb eines halben Jahres die Wochenarbeitszeit wieder auf einen Durchschnitt von 48 Stunden ausgeglichen wird.

Rein rechtlich ist es also absolut möglich, zwei Stellen in Teilzeit anzunehmen. Wie sinnvoll es andererseits ist, zwei Teilzeitjobs  – beispielsweise anstelle einer Vollzeitstelle – auszuüben, kann im Grunde nur jeder für sich selbst abwägen, denn dies hängt vor allem von der individuellen persönlichen Situation ab, die bekanntlich für jedermann verschieden ist.

Zwei Teilzeitjobs als Student? Auch kein Problem.

Auch Studenten dürfen zwei Teilzeitjobs annehmen, vorausgesetzt, die beiden Arbeitgeber haben, wie gerade beschrieben, nichts dagegen. Für Studenten ist jedoch ein zweiter Aspekt von fundamentaler Bedeutung: Keinesfalls darf er mit beiden Jobs zusammen mehr als 20 Stunden in der Woche arbeiten. Ein Student, der mehr arbeitet, verliert seinen Studentenstatus, denn in diesem Fall stünde das Studium nicht mehr im Vordergrund.

Viele Infos zum Thema Studentenjobs lesen Sie unter anderem in unserem Artikel Welche Regelungen Sie als Student bei Ihrem Nebenjob beachten sollten oder alternativ Semesterferienjob: So können Studenten während der Ferien Geld verdienen

Steuer bei zwei Beschäftigungen in Teilzeit: Abgerechnet wird über zwei unterschiedliche Lohnsteuerklassen

Der zweite Teilzeitjob wird über Lohnsteuerklasse 6 abgerechnet; und das bedeutet hohe Steuerabzüge. Das liegt daran, dass bei Steuerklasse 6 keine Freibeträge angewendet werden, wie beispielsweise bei Steuerklasse 1 der Kinderfreibetrag, der Grundfreibetrag, der Arbeitnehmerpauschbetrag oder der Sonderausgabenpauschbetrag.

Die Steuerklasse 6 wird auf das zweite (dritte, vierte…) Arbeitsverhältnis eines Arbeitnehmers angewendet, sofern es sich nicht um einen Minijob handelt (dazu mehr im nächsten Punkt). Der erste Teilzeitjob dagegen wird, je nach persönlichem Familienstatus, über eine der anderen Steuerklassen abgerechnet.

Info Früher mussten die  entsprechenden Lohnsteuerkarten bei der Gemeinde oder der Stadt beantragt werden. Heute reicht es dank der Steuer-Identifikationsnummer in der Regel aus, dem Arbeitgeber mitzuteilen, dass es sich bei diesem Job um ein zweites Beschäftigungsverhältnis handelt.

Wenn sich bei der Einkommensteuererklärung im Folgejahr herausstellt, dass unterm Strich zu viel Lohnsteuer abgezogen wurde, wird eine Steuerrückerstattung fällig. Wie sehr sich die Abgabe einer Steuererklärung lohnt, können Sie im Beitrag 300 Euro (oder sogar mehr) in einer Stunde verdienen? So einfach kann das sein nachlesen.

Zwei Teilzeitjobs + ein Minijob: Geht das?

Ja, wer mit zwei sozialversicherungspflichtigen Teilzeitbeschäftigungen noch nicht genug hat, kann zusätzlich noch einem 450-Euro-Minijob nachgehen. Wobei die Betonung, ganz unabhängig vom Verdienst, auf EINEM liegt. Denn während normalerweise mehrere 450-Euro-Minijobs gleichzeitig bis zum Erreichen des Maximalverdienstes von 450 Euro im Monat kombiniert werden können, dürfen Arbeitnehmer, die bereits eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ausüben, nur einen einzigen Minijob auf 450-Euro-Basis ausüben.

Ein zusätzlicher kurzfristiger Minijob allerdings ist erlaubt. Bei diesem Job fallen keine Sozialversicherungsbeiträge an, allerdings würde dieser, wie der zweite Teilzeitjob auch, über Lohnsteuerklasse 6 abgerechnet.

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