Vermeiden Sie Anfängerfehler

Laut Statistik des Bundeswirtschaftsministeriums ist nur jede siebte gescheiterte Existenzgründung auf äußere Einflüsse zurückzuführen. Mit anderen Worten lässt sich also sagen, dass die größte Gefahr bei einer Existenzgründung in der Person des Gründers selbst liegt. Umso wichtiger ist eine fundierte Gründungsberatung, bevor der Gründer den ersten Schritt macht.

Gut zu wissen, dass eine Gründungsberatung nicht immer kostspielig sein muss. Hier einige Tipps, wo und wie man sich beraten lassen kann.

Beratung ist keine Besserwisserei

Meist sind es typische Anfängerfehler, an denen Existenzgründer immer wieder scheitern. Wer diese Fehler und Fallen kennt, der kann einiges dafür tun, um das Hereintappen zu vermeiden. Die dafür benötigte Unterstützung finden Sie bei einer Vielzahl von Beratungsstellen, die ihre Dienste häufig auch kostenlos anbieten. Dieses Angebot sollten Sie in jedem Fall in Anspruch nehmen, denn gut informiert und vorbereitet ist vielleicht schon halb gewonnen.

Betrachten Sie die Beratung nicht als Besserwisserei, sondern nehmen Sie die Beratung als Chance an. Auch wenn ein Berater von Ihrer Idee oder Ihrer geplanten Strategie nicht begeistert sein sollte und im schlimmsten Fall sogar von einer Gründung abrät – beherzigen Sie den Rat und hinterfragen Sie selbstkritisch, ob und wo Lücken in der Planung sind. Der Gründungsberater hat kein Interesse daran, Ihnen Ihre Idee einfach auszureden. Ganz im Gegenteil – sein maximales Interesse besteht darin, Ihre Existenzgründung auf ein sicheres Fundament zu stellen. Gemeinsam mit Ihrem Berater finden Sie sicher eine Möglichkeit, Ihre Idee in die Tat umzusetzen.

Was wird Ihnen im Rahmen einer Gründungsberatung geboten? Wie läuft das Ganze ab?

Prinzipiell ist das Ziel jeder Beratung die Aufklärung und Information, beispielsweise über betriebswirtschaftliche Zusammenhänge und die Vermittlung von Basiswissen. Seien Sie offen für jegliche Art von Information und Denkanstößen – je mehr, desto besser. Ein Zuviel gibt es dabei nicht. Sie werden schnell feststellen, dass Sie in vielen Bereichen noch etwas hinzulernen können. Sollte Ihnen einiges doch schon bekannt vorkommen, verbuchen Sie es unter dem Motto „Doppelt hält besser“. Seien Sie wie ein Schwamm, der alles in sich aufnimmt.

Allgemeine Informationskurse

Allgemeine Informationskurse, die in größeren Gruppen abgehalten werden, dienen in erster Linie der Entscheidungsfindung vor dem Hintergrund, ob sich der Weg in die Selbständigkeit lohnt und Sie über das nötige Basiswissen verfügen.

In den meisten dieser Informationskurse wird man Ihnen dazu raten, zusätzlich eine Einzelberatung in Anspruch zu nehmen, wo es dann weniger um die allgemeine Aufklärung als vielmehr um Ihr Geschäftskonzept geht.

Einzelberatung

Die Einzelberatung befasst sich intensiv mit Ihrer persönlichen Existenzgründung und Ihrem Konzept, das analysiert wird. Dabei werden Fragen, wie beispielsweise

  • lohnt sich vor dem Hintergrund einer eventuell geringen Gewinnerwartung das Risiko?
  • basiert die Geschäftsidee auf realistischen Marktchancen und entspricht der wirtschaftlichen Lage?
  • Sind lukrative Gewinne zu erzielen?
  • Verfügen Sie über ausreichende Branchen- oder Marktkenntnisse?
  • Basieren die Berechnungen und Einschätzungen auf realistischem Zahlenmaterial?

Auch wenn Sie im Zuge einer solchen Beratung in Ihrer Euphorie gebremst werden sollten – entmutigen lassen sollten Sie sich nicht. Es ist völlig normal und auch mehr als verständlich, dass Existenzgründer am liebsten Berge versetzen würden und man kaum abwarten kann, bis man loslegen kann. Um aus einer Geschäftsidee allerdings ein tragfähiges Konzept zu erstellen, sind Korrekturen oftmals unumgänglich.

Wo finden Sie Beratungsstellen und wie hoch sind die Beratungskosten?

Die Kosten

Die Inanspruchnahme der öffentlichen Beratungsstellen wird oftmals aus öffentlichen Mitteln finanziell bezuschusst. Doch welche Kosten können nun tatsächlich auf Sie zukommen? Selbst, wenn Ihre Beratung staatlich bezuschusst wird, müssen Sie in den meisten Fällen in Vorlage treten. In welchem Umfang Zuschüsse verteilt werden und wie Sie diese zu beantragen haben, teilen Ihnen gerne die oben genannten Institutionen mit.

Anders ist das allerdings, wenn Sie Hilfe von nicht öffentlichen Stellen wie beispielsweise Unternehmensberatern oder Rechtsanwälten in Anspruch nehmen. Diese Beratungskosten gehen komplett zu Ihren Lasten, da diese nicht aus öffentlichen Mitteln gefördert werden.

Bevor Sie sich an freie Unternehmensberater oder ähnliche Stellen wenden, lassen Sie sich Empfehlungen der Handelskammern oder anderen öffentlichen Institutionen aussprechen. Es ist gerade anfänglich sehr schwer, die Qualität eines freien Beraters zu beurteilen.

An diesen Anlaufstellen steht man Ihnen mit Rat und Tat zur Seite:

Vereine, Verbände u.a.

  • Bundesverband Deutscher Unternehmensberater BDU e. V., Bonn
    (Tel. 02 28/23 80 55)
  • Bundesverband Junger Unternehmer e. V., Bonn (Tel.: 02 28/9 54 59-0)
  • Bundesministerium für Wirtschaft, Berlin (Tel.: 0 30/31 54 02)
  • ALT HILT JUNG e.V., Bonn (Tel.: 02 28/88 92 36)
  • Verband deutscher Unternehmerinnen e. V., Köln (Tel: 02 21/37 50 74)
  • Wirtschaftsjunioren Deutschland, Bonn (Tel.: 02 28/1 04-5 14)
  • Deutscher Industrie- und Handelstag, Bonn (Tel.: 02 28/1 04-0)
  • Bundesverband der Deutschen Industrie e. V., Köln (Tel.: 02 21/37 08-1)
  • Industrie- und Handelskammer in Ihrer Region

Unternehmensberater und andere Freiberufler

Rechtanwälte und Notare
Im Laufe Ihrer Selbständigkeit werden Sie sicher häufiger auf die Dienste eines Rechtsbeistandes zurückgreifen müssen. Das beginnt bereits bei der Erstellung allgemeiner Geschäftsbedingungen, dem Entwurf von Arbeitsverträgen und dem Prüfen von Verträgen.

Es könnte daher sinnvoll sein, zu erwägen, ob Sie einen Beratervertrag mit einem Rechtsanwalt oder Notar abschließen. Dieser Rechtsanwalt sollte auf die Fachbereiche, die für Sie wichtig sind, spezialisiert sein. Das hat auch den Vorteil, dass weitere Beratungen oder die Durchführung von Prozessen durch eine laufende Gebühr bereits abgedeckt oder wesentlich günstiger als regulär sind.

Steuerberater
Wenn Sie nicht selbst über ausreichende Kenntnisse im Steuerdschungel verfügen, sollte Ihnen ein Steuerberater von Anfang an zur Seite stehen, denn dieser hat bereits im Vorfeld einer Existenzgründung eine wichtige Rolle zu tragen.

Wenn Ihnen ein Steuerberater bisher nur vom Ausfüllen Ihrer Einkommenssteuererklärung bekannt ist, wird sich Ihr Bild von ihm demnächst ändern. Er wird Ihnen schon in der Vorbereitungsphase Möglichkeiten aufzeigen, Ihre Geschäftsidee steuerlich am Besten in die Tat umzusetzen.

Natürlich sind Informationen wertvoll. Trotzdem sollten Sie nicht um jeden Preis eine Gründungsberatung in Anspruch nehmen

Zwar sind Aussagen wie “Doppelt hält besser!” grundsätzlich zutreffend. Im Umkehrschluss heißt das allerdings nicht, dass Sie sich um jeden Preis – im wahrsten Sinne des Wortes – informieren sollten. Es gibt am Markt eine Fülle von Anbietern, die Existenzgründungsberatung anpreisen und nicht halten, was sie versprechen.

Gehen Sie also bei der Auswahl Ihrer Anlaufstellen und bei der Inanspruchnahme von Beratungsleistungen nicht unüberlegt vor. Die Höhe des Preises eines Seminars oder einer Fortbildung trifft nicht automatisch eine Aussage über die Qualität einer Beratung. Bedenken Sie auch, dass Sie oftmals die Kosten für eine Beratung, selbst wenn sie aus öffentlichen Mitteln gefördert wird, vorerst verauslagen müssen.

Wenn Sie sich in der frühen Anfangsphase allgemein informieren möchten, müssen Sie nicht zwangsläufig gleich einen Rechtsanwalt, Notar oder Steuerberater aufsuchen. Für erste allgemeine Informationen und zur Orientierung kann es auch durchaus sinnvoll sein, sich an angehende Rechtsanwälte oder Steuerberater zu wenden. Diese “Noch-Studenten” besitzen zwar noch kein Examen, doch kurz vor dem Abschluss verfügen sie nicht unbedingt über weniger Fachkenntnisse. Aber bedenken Sie: Sie erhalten keine rechtsverbindlichen Auskünfte auf die Sie sich berufen können. Dieser Weg der Informationsbeschaffung dient lediglich der Orientierung. Haben Sie sich dann orientiert, fällt das Gespräch beim promovierten Rechtsanwalt, Notar oder Steuerberater wesentlich kürzer aus und wird somit auch bedeutend günstiger.

Rechtsverbindliche Auskünfte erhalten Sie jedoch nur bei niedergelassenen Fachkräften und auch nur diese verfügen über eine Haftpflichtversicherung bei eventuell eintretenden Schäden bei nicht fachgerechter Beratung.

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